Rostock, 15. März 2019.  Kommunikation über Internet und Smartphone sind heute zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Alltags geworden. Dabei sind Kinder und Jugendliche wesentlich aktiver als Erwachsene. Und sie sind ihren Eltern oder Lehrern bei der Bedienung von Internet & Co sogar überlegen. Doch für einen gesunden Umgang mit digitalen Medien reicht es nicht aus, sie technisch bedienen zu können. Laut Techniker Krankenkasse (TK) brauchen Jugendliche auch Medienkompetenz, digitale Inhalte richtig zu nutzen. In vielen Schulen der Republik sorgen jugendliche Medienscouts als Multiplikatoren dafür, digitale Medienkompetenz zu vermitteln. In dieser Woche treffen sich über 300 von ihnen in Rostock zur Bundesjugendkonferenz Medien (BJKM).

Handlungsbedarf vor allem in den Sozialen Netzwerken

Eine Tweedback-Umfrage unter den Medienscouts, die die TK und der Verein Prävention 2.0 im Vorfeld der Konferenz durchführte, zeigt, wo Handlungsbedarf besteht:
Danach wurden 81 Prozent der Medienscouts von ihren Mitschülern mit Social Media-Ereignissen konfrontiert. Dabei ist auch Cybermobbing ein großes Problem. Fast sieben von Zehn gaben an, dass sie dazu um Hilfe gebeten wurden. 

Lovestorm statt Shitstorm, Mobbingfreie Schule und eSport

Die Medienscouts treffen sich schon zum vierten Mal in der Hansestadt zur Bundesjugendkonferenz Medien. Sie reisen aus insgesamt elf Bundesländern an und diskutieren in unterschiedlichen Workshops zum Thema Medienkompetenz. Die BJKM ist eine Kooperation zwischen TK und Prävention 2.0 und wird gemeinsam vorbereitet. Die Jugendlichen verbringen drei Tage in Rostock, besuchen Workshops und Diskussionsrunden, und nutzen verschiedene Möglichkeiten zu Vernetzung und Austausch mit Gleichgesinnten. Dabei geht es um inhaltliche Themen wie Hate Speech, Big Data und eSport, aber die Konferenz bietet auch Gelegenheit, dass sich die Medienscouts weiter qualifizieren, um fit für den Alltag zu sein. 

TK: Ehrenamt braucht mehr Wertschätzung

"Wir brauchen die Unterstützung durch die Medienscouts. Sie vermitteln praktisch anwendbares Wissen auf Augenhöhe und sind unverzichtbar an den Schulen", betont Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern. Zugleich fordert die Landeschefin, dass das ehrenamtliche Engagement an den Schulen auch anerkannt wird. "Eine funktionierende Gesellschaft braucht Ehrenamt und das fängt bei den Jüngsten an", so Austenat-Wied. Fast jeder Fünfte gab an, dass die Arbeit als Medienscout keine Anerkennung findet und nicht akzeptiert wird. 

Umfrage: Auch Eltern bräuchten Medienscouts

Auch Eltern sind gefordert, denn Medienkompetenz beschränkt sich nicht auf das Wissen, wie man Geräte bedient. Eltern sollten sich mit dem Netzleben ihrer Kinder auseinandersetzen und ihre Fürsorge nicht vor dem Log-in enden lassen. Sie bedeutet, Inhalte intellektuell und emotional verarbeiten zu können, Informationen kritisch zu hinterfragen und zu wissen, wie viel Medienkonsum gesund und altersgerecht ist. 72 Prozent der befragten Medienscouts wünschen sich, dass auch Eltern gesunden Medienkonsum vermitteln. Immerhin ist fast jeder Zweite bis zu drei Stunden online - jeder Dritte sogar bis zu fünf Stunden. Austenat-Wied dazu: "Wir leben in einer digitalen Welt - auch nach der Schule spielen die bisherige Netz-Vita und Medienkompetenz eine Rolle." Auf die Frage: 'Meinst du, dass auch Eltern Medienscouts brauchen?', antworteten 80 Prozent der Jugendlichen mit Ja. "Oftmals sind Eltern mit dem eigenen Online-Verhalten gegenüber ihrem Kind kein gutes Vorbild", sagt die TK-Landeschefin.

Prävention zu Cybermobbing und Datenmissbrauch

Die sozialen Netzwerke sind zu einem festen Bestandteil der Kommunikation geworden und unterstützen damit auch vielfach die sozialen Kontakte. "Allerdings seien auch die Schattenseiten der digitalen Kommunikation spürbar, wie beispielsweise durch Cybermobbing oder Cybergrooming, der Kontaktaufnahme über Pädophile im Netz", bestätigt die Rechtsanwältin Gesa Stückmann, vom Verein Prävention 2.0 e. V.. Stückmann engagiert sich seit Jahren im Bereich Cybermobbing. Onlineseminare zu diesem Thema, in Kooperation mit der TK, werden bundesweit durchgeführt.  

Medienscouts agieren auf Augenhöhe mit ihren Mitschülern. Sie sind die besten Multiplikatoren wenn es darum geht, Medienkompetenz zu vermitteln. "Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr die Nachfrage auf so große Resonanz stößt - wir hatten weitaus mehr Anmeldungen als Plätze", so Stückmann. Und weiter: "Dieser Jugendkongress wird Impulse in die ganze Republik senden - nur Hard- und Software den Schulen bereitzustellen, reicht nicht aus."

Schirmherrinnen Schwesig und Karliczek

Die 4. BJKM hat in diesem Jahr eine doppelte Schirmherrschaft. Neben Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, ist auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, Schirmherrin der Veranstaltung. Ministerpräsidentin Schwesig unterstützt dieses Engagement seit Anfang an. Diese Kontinuität zeigt ganz deutlich, dass die Arbeit der Medienscouts von der Politik geschätzt wird.