Bremen, 13. Dezember 2019. Laut PISA-Studie 2017 wird an deutschen Schulen fast jeder sechste 15-jährige Schüler regelmäßig Opfer von Mobbing. Während Mobbing im vor-digitalen Zeitalter vor allem in den Klassenräumen und auf Schulhöfen stattfand, setzt sich die Quälerei heute oftmals nach Schulschluss im Internet fort: Auch unter Cybermobbing, also dem Mobbing im Internet oder über Social Media, leiden immer mehr Kinder. Die Folgen können von schlechten Noten und Schulabbrüchen bis hin zu Depressionen im Erwachsenenalter reichen.

Die Landesvertretung Bremen der Techniker Krankenkasse (TK) hat es sich zur Aufgabe gemacht, gezielt gegen Mobbing vorzugehen und seit 2011 gemeinsam mit dem Landesinstitut für Schule (LIS) ein Konzept zur Prävention an weiterführenden Schulen umgesetzt. Um Kinder, Lehrer und Eltern für das Thema zu sensibilisieren, hat die TK den Schulen im Land 250 Anti-Mobbing-Koffer zur Verfügung gestellt.

Onlineplattform gegen (Cyber-)Mobbing

Nach einer erfolgreichen anderthalbjährigen Pilotphase, unter anderem mit Bremer Beteiligung, löst die neue digitale Plattform "Gemeinsam Klasse sein" ab sofort den Anti-Mobbing-Koffer ab. Sie richtet sich an die Jahrgangsstufen fünf bis sieben, die damit bis zu fünf Projekttage gestalten können. Dabei sind Aktualisierungen und die Abrufbarkeit des Materials (u.a. Filmclips und Erklärvideos) zukünftig schneller zu handhaben. Hinzu kommen inhaltliche Anpassungen. So finden sich in den komplett überarbeiteten und zum Teil auch an unterschiedlichen Leistungsniveaus ausgerichteten Schulungsunterlagen mehr Informationen und Module zum Thema Cybermobbing. Außerdem werden rechtliche Grundlagen und die Rolle von Zuschauerinnen und Zuschauern noch mehr beleuchtet sowie neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden im Umgang mit Mobbing vermittelt.

Schulung von Multiplikatoren

Damit die Schulungsunterlagen von den teilnehmenden Bildungseinrichtungen optimal genutzt werden können, müssen die Lehrkräfte im Vorfeld entsprechend geschult werden. Speziell dafür ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LIS führen diese Schulungen im Land Bremen durch. Die geschulten Lehrerinnen und Lehrer erhalten im Anschluss einen Zugangscode zum Online-Angebot und sind ihrerseits wieder Multiplikatoren innerhalb ihrer Schule.

Interessierte Schulen finden unter www.gemeinsam-klasse-sein.de Ansprechpartner und weitere Informationen.

Zitate

Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung: "Respekt, Toleranz, Solidarität und Empathie sind gerade in diesen Zeiten wichtig. Mobbing ist ein gesellschaftliches Problem, begünstigt durch eine verschärfte öffentliche Tonlage und einem bedenklichen Rückgang von Mitgefühl. Ein abfälliger Tweet oder ein peinliches Foto sind schnell geschickt. Was Menschen mit solchen Aktionen angetan wird, wird aber häufig unterschätzt. Mobbing ist keine Bagatelle. Die Gesellschaft und unsere Schulen brauchen - als Teil dieser Gesellschaft - noch mehr Aufklärung in dem Bereich. Den Kampf gegen Mobbing gewinnen wir nur alle gemeinsam. Ich bin der Techniker Krankenkasse und dem LIS dankbar für die gute Arbeit, die in diesem Bereich geleistet wird. Wichtig ist es zudem, nachhaltige Strukturen zum Kinderschutz aufzubauen, wie wir es mit unseren Krisenteams, der Stärkung der Schulsozialarbeit und dem Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt bereits machen."

Dr. Susanne Klein, Leiterin der TK Landesvertretung Bremen: "Mobbing ist eine Form von psychischer und physischer Gewalt, die sich in allen Lebensbereichen, auch in Schulen, unter Kindern und Jugendlichen abspielt. Die Betroffenen leiden zum Teil ein Leben lang unter den Folgen. Wir wollen mit der Neuauflage des Projektes Schüler, Lehrer aber auch die Eltern weiter für dieses Thema sensibilisieren und frühzeitig Hilfsangebote unterbreiten um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen. Die digitale Plattform bietet zeitgemäße Materialien, welche von den Beteiligten individuell angewendet werden können."

Christian Buchberger, stellv. Leiter des Landesinstituts für Schule (LIS): "Die große Stärke des Programms 'Gemeinsam Klasse sein' ist es, Mobbing als System zu betrachten, bei dem es keine Unbeteiligten gibt. Der inhaltliche Fokus ist entsprechend auf die Handlungsmöglichkeiten und die Verantwortung der Zuschauerinnen und Zuschauer gerichtet."

Stephan Wegner, Schulleitung/Direktor der Oberschule "In den Sandwehen": "Schule muss sich der Herausforderung Mobbing und dem immer schnelleren Wandel der Kommunikationsstrukturen stellen. Mit geeigneten Konzeptionen, wie es bei dem Projekt 'Gemeinsam Klasse sein' der Fall ist, kann Mobbing grundsätzlich entgegengewirkt werden.  Mobbing ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und Schule muss adäquate Lösungsstrategien entwickeln, um Kindern in angenehmer Atmosphäre leistungsgerechtes Lernen zu ermöglichen."

Hinweis an die Redaktion

Als Kooperationspartner haben die Beratungsstelle Gewaltprävention der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg und die Techniker Krankenkasse das Schulprojekt "Gemeinsam Klasse sein" entwickelt. Die Beratungsstelle Gewaltprävention verfügt über eine umfangreiche mehrjährige Praxis in Prävention, Intervention und fachlicher Fortbildung zu den Themen Mobbing und Cybermobbing. Daher ist die Beratungsstelle mit Ihrer Expertise ein wichtiger Partner für die fachliche Konzeption des Schulprojekts.

Rückfragen an das Landesinstitut für Schule (LIS)
Meike Herminghausen
Abteilung Schulentwicklung - Fortbildung 
Tel.  0421 - 361 18 197  
meike.herminghausen@lis.bremen.de