Mainz, 23. Oktober 2018. Fast jeder dritte Arbeitnehmer (30 Prozent) in Rheinland-Pfalz, der wegen einer Erkältung krankgeschrieben wird, erhält ein Rezept für ein Antibiotikum, so ein Ergebnis des Gesundheitsreports 2018 der Techniker Krankenkasse (TK). Doch häufig ist das gar nicht notwendig, denn in der Regel sind es Viren, die für Husten, Schnupfen und Heiserkeit sorgen - und gegen diese Erreger helfen keine Antibiotika. In so einem Fall können sie sogar eher schaden. Denn der hohe, zum Teil unnötige Antibiotikaeinsatz führt zu Resistenzen, also Bakterienstämmen, gegen die unter Umständen gar keine Antibiotika mehr wirken.

TK fordert Stärkung der spre­chen­den Medizin

"Zwar verzeichnen wir seit 2014 einen Rückgang der Antibiotika-Verordnungen bei grippalen Infekten um neun Prozentpunkte, jedoch werden immer noch zu viele dieser wichtigen Arzneimittel verschrieben, obwohl es sich meist um einen Virusinfekt handelt", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung. Aufklärung sei deshalb weiterhin notwendig. "Wenn Patienten wissen, dass sie durch eine Erkältung einfach durch müssen und auch Antibiotika die Heilung nicht beschleunigen, können sie eher damit umgehen, dass sie vom Hausarzt statt Medikamente den guten Rat erhalten sich ins Bett zu legen." Hier komme auch wieder die von der TK geforderte Stärkung der sprechenden Medizin ins Spiel. Simon: "Wenn Ärzte mehr Geld für das Patientengespräch erhielten, könnten sie sich auch eher Zeit nehmen, ihren Patienten den Zusammenhang zu erklären."

Ab­sichts­er­klä­run­gen gehen nicht weit genug

Die im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD getroffenen Absichtserklärungen, den Antibiotikaverbrauch weiter zu senken und Resistenzen zu verhindern, gehen TK-Landesvertretungsleiter Simon nicht weit genug. "Die TK schlägt deshalb gezielte Maßnahmen vor: Die Dokumentationspflicht beim Antibiotikaeinsatz in Krankenhäusern, die Konsultationspflicht der Krankenhausapotheke beim Einsatz von Reserve-Antibiotika sowie ein verpflichtendes Eingangsscreening für Risiko-Patienten bei ausgewählten Eingriffen in Krankenhäusern", erläutert Simon.
Zudem solle beim Investitionsprogramm für die Krankenhäuser anteilig eine Zweckbindung für Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienestandards enthalten sein sowie mit Mitteln der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine bessere Aufklärung zur Hygiene und zur Infektionsprävention erfolgen, fordert Simon.

TK un­ter­stützt Aktion Saubere Hände

"Es gibt viele Punkte, an den man ansetzen muss. Ganz wichtig ist beispielsweise auch die Händehygiene im ambulanten, stationären und im pflegerischen Bereich. Die TK unterstützt deshalb die Aktion Saubere Hände, an der sich mehr als die Hälfte der rheinland-pfälzischen Krankenhäuser beteiligt", sagt der TK-Landeschef. Experten gingen davon aus, dass sich alleine hierdurch ein Drittel der Klinikinfektionen verhindern ließen.

Hintergrund

Für den Gesundheitsreport 2018 wertete die TK Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus, davon 229.000 aus Rheinland-Pfalz. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.