Mainz, 14. Dezember 2018. In Deutschland sterben jedes Jahr schätzungsweise zwischen 100 und 200 Babys, weil ihre Eltern in einem Moment der Ohnmacht und Überforderung die Beherrschung verlieren und sie heftig schütteln. Dies führt zu schweren Verletzungen des kindlichen Gehirns, welche nicht nur Langzeitschäden, sondern sogar den Tod zur Folge haben können.

Um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Gefahren des kindlichen Schütteltraumas zu sensibilisieren, hat die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz bereits 2010 gemeinsam mit vielen starken Partnern und Experten eine Aufklärungsinitiative über das kindliche Schütteltrauma ins Leben gerufen. Dabei haben es sich alle Beteiligten zur Aufgabe gemacht, gezielt über dieses Thema aufzuklären. Kern des gemeinsamen Engagements ist ein eigens für diese Initiative konzipierter Informationsflyer. "Angesichts seines großen Erfolges - er wurde inzwischen viele hunderttausende Male versandt - haben wir uns nun entschieden, diesen zu aktualisieren", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung. "In aller Kürze fasst dieser die Risiken, die mit dem Schütteln verbunden sind, zusammen. Zudem nennt der Flyer Maßnahmen, die der Entspannung von Mutter und Kind dienen und Beratungsstellen, an die sich die Eltern bei Bedarf wenden können", so Simon weiter.

Ziel der Aufklärungsinitiative ist auch zu vermitteln, dass junge Eltern oder Betreuungspersonen sich nicht schuldig fühlen müssen, wenn sie an ihre Grenzen geraten. Ein Aspekt, den die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Geleitwort des neuen Flyers zum Ausdruck bringt: "Eltern sein ist schön, aber manchmal eine große Herausforderung. Viele kennen das Gefühl verzweifelt zu sein, wenn ihr Baby nicht aufhören will zu schreien. Doch auch wenn Sie sich einmal überfordert fühlen: Bitte schütteln Sie Ihr Kind nie!"

Der Flyer wurde hinsichtlich seiner Bildsprache zeitgemäßer gestaltet. Informationen wurden ergänzt und überarbeitet. Auch enthält er eine Grafik, die veranschaulicht, was mit dem kindlichen Gehirn durch heftiges Schütteln passieren kann. Neben den Anlaufstellen, die im Flyer aufgeführt werden, gibt es  auch einen TK-Internetauftritt zum Thema (www.tk.de; Suchnummer: 590184), wo weitere Hilfsangebote zu finden sind. 

Die TK nahm die Vorstellung des neuen Informationsflyers zum Anlass, im Zuge einer Veranstaltung in der Universitätsmedizin Mainz über das kindliche Schütteltrauma aufzuklären. Im Anschluss an die Begrüßung durch den stellvertretenden Medizinischen Vorstand der Universitätsmedizin Professor Dr. Christian Werner, führte die Leiterin der Rechtsmedizin, Professor Tanja Germerott, in das Thema ein. "Schädel-Hirn-Traumata, die nicht auf einen Unfall zurückzuführen sind, machen nur einen kleinen Anteil von der Gesamtheit der Kindesmisshandlungen aus", erläuterte Professor Germerott. "Gleichwohl gehören sie zu den besonders schwerwiegenden Kindesmisshandlungen. Zu den typischen Befunden eines Schütteltraumas zählen beispielsweise diffuse Verletzungen des kindlichen Gehirns sowie Einblutungen in die Gehirnmasse", so Germerott weiter.

Wie Frau Dr. Claudia Martin, Oberärztin der Intensivmedizin der Universitätsmedizin Mainz und Mitglied der Kinderschutzgruppe ausführte, kommt den Kinderärzten bei der Prävention eine maßgebliche Rolle zu: " Falls Kinderärzte beobachten, dass frischgebackene Eltern überfordert wirken, wenn sie beispielsweise mit einem sogenannten Schreibaby zurechtkommen müssen, dann gilt es frühzeitig sensibel zu beraten und über vorhandene Unterstützungsangebote für Eltern aufzuklären."

Über eben diese Unterstützungsangebote informierte Jonas Sewing, Geschäftsführer des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses in Speyer: "Junge Eltern können sich mit ihren Sorgen und Nöten vertrauensvoll an unsere Spezialambulanz wenden. Sollte es erforderlich sein, suchen unsere Familienhebammen die Väter und Mütter auch zu Hause auf, um direkt dort mit praktischen Hilfestellungen zu unterstützen."

Partner und Experten der Initiative sind:

Arbeitsgemeinschaft der Caritasverbände Rheinland-Pfalz
Bundesverband der Frauenärzte, Landesverband Rheinland-Pfalz
Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte, Landesverband Rheinland-Pfalz
Diakonissen Speyer-Mannheim
Evangelische Psychologische Beratungsstelle Mainz
Hebammen-Landesverband Rheinland-Pfalz
Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz
Katholisches Klinikum Mainz (KKM)
Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz
Landesärztekammer Rheinland-Pfalz
Landesverband "Früh- und Risikogeborene Kinder Rheinland-Pfalz " e.V.
Ministerium des Innern und für Sport
Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und
Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz;
Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie
pro familia Mainz
Schreiambulanz Ingelheim
Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Mainz
Sozialpädiatrischen Zentren in Rheinland-Pfalz
UNIVERSITÄTSMEDIZIN
Vinzentius Krankenhaus Landau
Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Notärzte (agswn)
Westpfalz-Klinikum