Auch die TK unterstützt die Initiative unter der Federführung der Verbraucherorganisation foodwatch.

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Herr Vogt, in Deutschland gelten 15 Prozent der Kinder und mehr als 60 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig. Das ist aber keine ganz neue Erkenntnis, warum jetzt diese Initiative?

Ernährungsbedingte Erkrankungen haben inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass es nicht mehr reicht, mit vereinzelten Aufklärungskampagnen zur gesunden Ernährung an Endverbraucher zu appellieren. Es braucht eine konzertierte Aktion aller Beteiligten.

Die Organisatoren von foodwatch haben letztes Jahr die TK-Ernährungsstudie mit dem TK-Vorstandsvorsitzenden Dr. Jens Baas vorgestellt. Ein Ergebnis der Umfrage war, dass eine Mehrheit von 45 Prozent der Befragten Wert auf gesundes Essen legt. Die Realität sieht leider anders aus, und die Frage ist: Was hält die Menschen davon ab, sich gesünder zu ernähren?

Nur ein Viertel der Befragten nennt fehlendes Wissen als Hinderungsgrund. Deshalb brauchen wir ein konzertiertes Engagement aller Beteiligten, um Ernährungsverhalten und -verhältnisse gesünder zu gestalten.

Welche konkreten Maßnahmen sehen Sie dazu als notwendig an?

Man kann den Menschen nicht vorwerfen, sie würden sich nicht schlau machen, wenn Lebensmitteldeklaration und -marketing in die Irre führen. Wer den Ehrgeiz hat, die Zutatenliste seiner Lebensmittel im Supermarkt zu lesen, braucht heute Kenntnisse in Biochemie und eine exzellente Sehschärfe. Es verhindert den mündigen Verbraucher. Deshalb ist die Industrie gefordert, ihren Beitrag zu leisten: Indem sie beispielsweise Zucker nur dort beimengt, wo es nötig ist, Lebensmittel verständlich kennzeichnet und als das vermarktet, was sie sind.

Wir möchten keine gezuckerten Frühstücksflocken, die uns als Fitnessmahlzeit verkauft werden, keine Mogelpackungen und kein perfides Kinder- und Jugendmarketing.

Und da es mit der freiwilligen Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie bisher nicht gut läuft, ist die Politik gefordert, hier die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Viele Politiker versprechen sich mehr von einer Ernährungserziehung in Kitas und Schulen. Was halten Sie von diesem Ansatz?

Sicherlich ist es gut, wenn das Thema gesunde Ernährung in der Schule stattfindet, wenn Kinder wissen, wie Fenchel und Pastinake aussehen und dass Kühe nicht lila sind. Wir wissen aber auch, was Schule heute alles leisten muss. Zudem hat eine Langzeitstudie der TK zusammen mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW) vor einigen Jahren bereits gezeigt, dass die Kinder mit Gesundheitsunterricht zwar mehr wissen, aber der Einfluss ihres persönlichen Umfelds so groß ist, dass sich keine signifikanten Lebensstilveränderungen nachweisen ließen.

In der Prävention sprechen wir von Verhaltens- und Verhältnisprävention. Wir wissen, dass sich Gesundheit am besten vermitteln lässt, wenn wir sie direkt in den Lebenswelten der Menschen, den sogenannten Settings, verankern. Deshalb engagieren auch wir uns in Kitas, Schulen, Hochschulen, Betrieben und Kommunen.

Und gerade am Beispiel Schulverpflegung lässt sich gut zeigen, warum eine gesündere Ernährung nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten gelingt. Derzeit werden in vielen Schulkantinen Fertiggerichte mit einem viel zu hohem Fett- und Zuckergehalt ausgegeben. Das wirkt sich nicht nur auf das Gewicht der Kinder, sondern auch auf ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit aus. Bisher gibt es aber nur unverbindliche Qualitätsstandards für Schulverpflegung. Schon der vorherige Bundesernährungsminister kündigte einen TÜV für das Schul- und Kita-Catering an, und wir hoffen, dass diese einheitlichen Standards nun kommen.