Hamburg, 9. September 2021. Die in Folge der Corona-Pandemie befürchteten drastischen Einbrüche bei den Früherkennungsuntersuchungen sind nach Einschätzung der Techniker Krankenkasse (TK) weitestgehend ausgeblieben. Das teilt die TK nach einer Auswertung ihrer Versorgungsdaten mit. Während 2019 bei der TK 23,8 Prozent der anspruchsberechtigten Versicherten eine Krebs-Früherkennungsuntersuchung genutzt hätten, seien es 2020 mit 22,2 Prozent nur geringfügig weniger gewesen, so die TK. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Jens Baas sagt: "Die Deutschen sind schon seit Jahren Vorsorgemuffel - durch die Pandemie wurde das immer viel zu niedrige Niveau allerdings nicht ganz so dramatisch weiter gesenkt wie befürchtet." 

Erhebliche Unterschiede bei den Untersuchungen

Dabei gebe es allerdings erhebliche Unterschiede bei den einzelnen Angeboten. Während die Teilnahme an den Check-Up-Untersuchungen mit minus 8 Prozentpunkten und den Mammographie-Angeboten (-5,3 Prozentpunkte) spürbar zurückgegangen ist, waren die Unterschiede bei den Untersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs (-1,9 Prozentpunkte), Prostatakrebs (-1,1 Prozentpunkte), Hautkrebs (+0,2 Prozentpunkte) und Darmkrebs (+0,2 Prozentpunkte) eher gering. 

Mammographie-Rückgang vor allem in Sachsen-Anhalt, Bayern und Hessen

In einigen Teilbereichen wie etwa dem Mammographie-Screening zur Früherkennung von Frauenbrustkrebs seien die drastischen Einbrüche von 46 Prozent im zweiten Quartal durch ein starkes zweites Halbjahr fast wieder ausgeglichen worden. Am Jahresende bleibe bei den Mammographien ein Minus von 5,3 Prozent, das vor allem auf regionale Effekte in Sachsen-Anhalt (-29,4 Prozentpunkte), Bayern (-19,7 Prozentpunkte) und Hessen (-9,5 Prozentpunkte) zurückzuführen sei. 

Kinder-Früherkennung noch weiter gesteigert

"Die Befürchtungen, dass die Menschen aus Angst vor Ansteckungen nicht mehr zu Ärztinnen und Ärzten gehen und Krebserkrankungen oder Fehlentwicklungen in der Kindesentwicklung zu spät erkannt werden, lassen sich mit unseren Abrechnungsdaten so pauschal nicht bestätigen", so Baas. Bei den Kinder-Früherkennungsuntersuchungen, die so genannte U3 bis U9, sei die traditionell hohe Inanspruchnahme im Corona-Jahr 2020 sogar noch einmal um 0,4 Prozentpunkte auf 94,7 Prozent der Berechtigten gestiegen. 

Appell: Aktiv mit dem Thema Früherkennung beschäftigen

Der TK-Vorstandsvorsitzende rief die Versicherten dazu auf, sich aktiv mit dem Thema Früherkennungsuntersuchungen zu beschäftigen. "Früh erkannt lässt sich Krebs grundsätzlich besser behandeln. Menschen sollten sich darüber informieren und dann eine bewusste Entscheidung treffen", so Baas. Leider gebe es aber immer wieder Beispiele, bei denen die Menschen das Thema verdrängten und im Nachhinein bereuten, dass sie sich nicht früher mit den Chancen und Risiken der Untersuchungen auseinandergesetzt haben. 

Weitere Informationen zu den Gründen für und gegen eine Früherkennungsuntersuchung