Mainz, 9. September 2021. Laut PISA-Studie 2018 sind unter den 15-Jährigen nahezu jede sechste Schülerin bzw. jeder sechste Schüler in Deutschland von Mobbing oder Cybermobbing betroffen. Beleidigungen und Herabsetzungen über längere Zeit ausgesetzt zu sein, kann tiefe psychische und in der Folge auch physische Narben hinterlassen. Mit dem Präventionsprogramm "Gemeinsam Klasse sein", welches seit 2019 digital verfügbar ist, setzt sich die rheinland-pfälzische Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit dem hiesigen Bildungsministerium und dem Pädagogischen Landesinstitut (PL) gezielt gegen diese Form der Gewalt ein.

Somit führt die TK ihre langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Partnern des Vorgängerprogramms "Mobbingfreie Schule - gemeinsam Klasse sein!" fort, bei dessen Umsetzung rund 1.000 sogenannte "Anti-Mobbing-Koffer" mit Lehrmaterial zum Thema in Verbindung mit Fortbildungen an rheinland-pfälzische Schulen verteilt wurden. Nun stehen die Arbeitsmaterialien, die sich an Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis sieben richten, auch digital zur Verfügung. 

Anti-Mobbing-Veranstaltung im Theresianum Mainz

Um die Öffentlichkeit für das Thema Mobbing zu sensibilisieren und um über die Erfahrungen mit dem neuen Online-Präventionsprogramm zu informieren, führte die TK am 9. September 2021 gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium, dem Pädagogischen Landesinstitut und dem Theresianum eine Veranstaltung in dem Mainzer Gymnasium durch. Unter strenger Beachtung von Corona-Schutzvorkehrungen betonte Landesbildungsministerin Dr. Stefanie Hubig die maßgebliche Bedeutung von Demokratiebildung in Schulen zur Prävention von Intoleranz, Gewalt und Rassismus.

Nur auf dieser Basis könne eine angstfreie Atmosphäre entstehen, in der Lerninhalte gut vermittelt und aufgenommen werden können. In einem anschließenden Fachvortrag beschrieb Sozialpädagoge und Anti-Gewalt-Trainer Stefan Werner, welche Auswirkungen schulisches Mobbing auf die Schülerinnen und Schüler haben kann. In Form des Improvisationstheaters stellte Werner mit einem Schauspielkollegen zudem Szenen dar, in welche die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums ihre individuellen Erfahrungen zum Thema Mobbing einfließen lassen konnten.

In einer Podiumsdiskussion mit Bildungsministerin Hubig wurden diese Erfahrungen, das Thema schulisches Mobbing und seine Prävention mit Unterstützung des TK-Präventionsprogramm "Gemeinsam Klasse sein!" abschließend beleuchtet.

Teilnehmende Schulen können Online-Material kostenfrei nutzen

Teilnehmende Schulen in Rheinland-Pfalz können die umfangreichen Materialien von "Gemeinsam Klasse sein!" kostenfrei nutzen und bis zu fünf Projekttage gestalten. Mittels Erklärvideos, Filmclips, Rollenspielen, Interaktionsübungen und Arbeitsentwürfen für den Unterricht sollen Jugendliche sowie Eltern und Lehrende für die besonderen Merkmale des Mobbings sensibilisiert werden und ein Handlungsrepertoire entwickeln, das dabei unterstützt, in der Klasse eine Atmosphäre des respektvollen Miteinanders zu etablieren, die vor Mobbing schützt.

Neue Inhalte zum Thema Cybermobbing 

Weiterführende Schulen des Landes, welche die Lehrmaterialien gerne verwenden möchten, können sich mit dem Pädagogischen Landesinstitut in Verbindung setzen. Speziell hierfür ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen Schulungen zum TK-Präventionsprogramm durch, damit die Materialien optimal eingesetzt werden können. Lehrerinnen und Lehrer, die an einer solchen Schulung teilgenommen haben, werden zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für ihre Schulen ausgebildet und erhalten einen Zugangscode, um auf die digitalen Materialien auf der Plattform zugreifen zu können.

Dank der digitalen Form des Präventionsprogramms sind die Materialien nun schnell abrufbar und können modular - nach individuellem Bedarf - im Schulunterricht integriert werden. Auch inhaltlich sind gegenüber dem Vorgängerprojekt Weiterentwicklungen erfolgt. So wurden neue Module zum Thema Cybermobbing hinzugefügt. Darüber hinaus werden nun auch rechtliche Aspekte des Mobbings behandelt und die Rolle von Zuschauerinnen und Zuschauern beim Mobbingprozess berücksichtigt.

Hinweis für die Redaktion

Gemeinsam mit dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz und dem Pädagogischen Landesinstituts in Speyer setzt sich die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz mit dem Präventionsprogramm seit 2010 gegen schulisches Mobbing ein. Im Zuge der Initiative wurden rund 1.000 Anti-Mobbing-Koffer an weiterführende Schulen im Land verteilt. Seit dem Start der Initiative in Rheinland-Pfalz wurden 900 Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter für die Durchführung des TK-Präventionsprogrammes ausgebildet. Weitere Informationen für interessierte Schulen gibt es unter www.gemeinsam-klasse-sein.de.

Zitate aus der Veranstaltung "Gemeinsam Klasse sein!" im Mainzer Theresianum

Landesbildungsministerin Dr. Stefanie Hubig:

"Die Schule des 21. Jahrhunderts vermittelt nicht nur Wissen, sondern auch Kompetenzen, die Schülerinnen und Schülern dabei helfen, starke und selbstbestimmte Persönlichkeiten zu werden. Zum Bildungsauftrag gehört es, dass wir Schülerinnen und Schülern eine Ethik des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung lehren und vorleben. Damit legen wir die Grundlage für Erfolg und Zufriedenheit im Beruf wie im Privaten. Das TK-Präventionsprogramm "Gemeinsam Klasse sein" ist dabei ein wichtiger Baustein, den wir mit zahlreichen anderen Maßnahmen - etwa durch mehr Schulsozialarbeit - flankieren. Ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten!"

Landesvertretungsleiter der Techniker Krankenkasse (TK) Jörn Simon:

"Die Techniker Krankenkasse setzt sich bereits seit über einer Dekade mit ihren Partnern gegen Mobbing ein. Das hat viele gute Gründe. Zum einen wissen wir, dass Kinder, die wiederholt schikaniert und gehänselt werden, beispielsweise Schlaf-, Ess- und sogar Angststörungen entwickeln können. Zudem zeigen langfristige Untersuchungen inzwischen eindrücklich, dass das Mobbing auch Spätfolgen hat. So haben Kinder, die gemobbt wurden, im Erwachsenenalter häufig Probleme, eine Arbeitsstelle zu halten oder Freunde zu finden. Betroffene haben sogar ein höheres Risiko, chronische Erkrankungen oder Infektionen zu entwickeln."

Stellvertretender Schulleiter des Mainzer Theresianums Alexander Raab:

"Nachdem alle vier Klassenleitungen an der Fortbildung zum Projekt 'Gemeinsam Klasse sein!' teilgenommen haben, konnten wir im Januar 2020 erstmals eine Projektwoche in unseren 5. Klassen durchführen. Dabei waren insbesondere die digital vorliegenden und auf die jeweilige Situation gut anpassbaren Materialien sehr hilfreich. Dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende des Projekts den Eltern und verschiedenen schulischen Mitarbeitern - vom Hausmeister bis zum Schulleiter - einige Inhalte des Projekts vorgestellt haben, hat sich die Thematik besonders gut verfestigt. Insgesamt war die Projektwoche für unsere Fünftklässler eine sehr gelungene Veranstaltung und ein guter Baustein der Prävention von Mobbing. Damit wollen wir letztlich erreichen, dass unserer Schülerinnen und Schüler angstfrei und damit besser lernen können."

Schulpsychologin des Pädagogischen Landesinstituts Mainz, Jennifer Lang:

"Mobbingprävention ist essentiell, um die Entwicklung eines respektvollen gewaltfreien Miteinanders in Schulen zu fördern. Es ist unser Ziel im Rahmen der 'Gemeinsam Klasse sein'-Fortbildungen alle am  System 'Schule' Beteiligten  darin zu qualifizieren, früh einzuschreiten, wenn sie Mobbing, die häufigste Gewaltform an Schulen, wahrnehmen. Je besser Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zu dem Thema sensibilisiert und informiert sind und je mehr gewaltfreie Handlungsalternativen sie kennen, desto früher kann Mobbing unterbunden und zivilcouragiert gehandelt werden. Mit dem Programm 'Gemeinsam Klasse sein' engagieren wir uns für Schule als einen Ort, der Sicherheit bietet, damit Begegnungen und Lernen in Gemeinschaft angstfrei möglich sind."

Anti-Gewalt-Trainer Stefan Werner:

"Aus meinen langjährigen Erfahrungen aus der Arbeit mit Mobbingopfern, Mobbingtätern und den Personen, die Mobbing ermöglichen, kann ich festhalten, wie schlimm es für junge Menschen ist, Erfahrungen von permanenter Abwertung und Erniedrigung zu machen. Lebensperspektiven werden dadurch vernichtet. Dagegen brauchen alle Beteiligten eine werteorientierte Einstellung, die sich gegen Mobbing richtet und pädagogisches Handwerkszeug, um gegen Mobbing vorzugehen. Dadurch ist es möglich, Mobbing zu verhindern!"