• Jeder siebte Erwachsene in Deutschland nutzt einen Fitnesstracker. Wearables werden in Zukunft in Bonusprogrammen eine Rolle spielen.
  • Fitnesstracker in Bonusprogrammen weichen die Solidargemeinschaft nicht auf. Sie kann nur funktionieren, wenn es in ihr auch genügend gesunde Menschen gibt.
  • Krankenkassen als Körperschaft des öffentlichen Rechts können ihren Versicherten höheren Datenschutz als Google und Co. bieten.

Dr. Jens Baas

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Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse



Wo sehen Sie die Vorteile für beide Seiten - Versicherte und Krankenkasse?

Dr. Baas: Unsere aktuelle Bewegungsstudie zeigt, dass jeder siebte Erwachsene in Deutschland einen Fitnesstracker nutzt. Die Hälfte von ihnen ist überzeugt, sich damit mehr zu bewegen. Das bedeutet für uns, dass zumindest ein Teil unserer Kunden einen positiven Effekt für die persönliche Gesundheit sieht. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass in Zukunft auch Fitnesstracker in unserem Bonusprogramm eine Rolle spielen.

Könnten sich durch Fitnesstracker im Bonusprogramm auch Nachteile für Ihre Versicherten ergeben?

Dr. Baas: Um eins gleich klarzustellen: Anders als die private kennt die gesetzliche Krankenversicherung keine Risikoprüfung oder -bewertung - ein großer Vorteil. Jeder wird ohne Ansehen seiner Person versichert. Wir sprechen hier davon, künftig eventuell Fitnesstracker als Nachweis von Bewegungsaktivitäten im Bonusprogramm zu nutzen - neben vielen anderen Maßnahmen, die es heute schon gibt. Das Programm haben wir seit mehr als zehn Jahren, und Bewegung ist nur eines von vielen Themen wie zum Beispiel Nichtraucherkurse, Früherkennungs-Untersuchungen, Zahnvorsorge oder Antistress-Coaching. Die Teilnahme ist freiwillig, und es geht darum, das Kümmern um die eigene Gesundheit zu belohnen. Mit Risikobewertung hat das nichts zu tun. Wer nicht teilnehmen möchte, wird auch nicht benachteiligt. Als Krankenkasse müssen wir natürlich überlegen, wie der Nachweis, dass man ein bestimmtes Bewegungsziel erreicht hat, erbracht werden kann. Es geht uns nicht darum, auf die Daten des Trackers zugreifen zu können.

Haben Sie Erkenntnisse, wie weit die Versicherten bereit sind, auf diesem Wege mit ihrer Krankenkasse zu kommunizieren?

Dr. Baas: Wir wissen aus Umfragen, dass viele Kunden, für die der Umgang mit digitalen Medien im Alltag selbstverständlich ist, die Spaß am Tracking haben und oft auch in sozialen Netzwerken unterwegs sind, auch ihre Gesundheitsdaten gern digital verwalten und nutzbar machen möchten. Gleichzeitig gibt es natürlich auch Menschen, die nicht digital kommunizieren können oder wollen. Das ist selbstverständlich das gute Recht jedes Einzelnen, und niemand darf dadurch Nachteile haben.

Auch wenn die Kasse nur positiv auf Leistungen ihrer Versicherten reagieren darf, steckt dahinter eventuell eine Aufweichung des Solidargedankens in der GKV?

Dr. Baas: Das sehe ich nicht. Der Solidargedanke besagt ja, dass alle den gleichen Anteil ihres Einkommens beitragen, dass Gesunde für Kranke einstehen, Junge für Alte und Menschen mit höherem Einkommen für andere, die weniger verdienen. Ein Bonusprogramm weicht daran nichts auf. Eher im Gegenteil: Eine Solidargemeinschaft kann nur funktionieren, wenn es in ihr auch genügend gesunde Menschen gibt. Deshalb ist es uns wichtig, uns nicht nur für die medizinische Versorgung Kranker einzusetzen, sondern auch zu honorieren, wenn sich Versicherte um ihre Gesundheit kümmern.

Können Krankenkassen einen höheren Datenschutz bieten als Google und Co.?

Dr. Baas: Absolut! Hier ist der Umstand, dass die Krankenkassen als Körperschaften öffentlichen Rechts stark reguliert sind, mal ein Vorteil. Und wir unterliegen dem deutschen Datenschutzrecht, das zu den strengsten der Welt gehört. In den USA sieht das ganz anders aus. Außerdem arbeiten wir nicht gewinnorientiert.

Mit freundlicher Genehmigung von der Deutschen Presseagentur (dpa).