Erfurt, 29. Mai 2019. Über 6.300 Thüringer waren im Jahr 2017 vom hochgefährlichen malignen Melanom betroffen, das auch als "schwarzer Hautkrebs" bekannt ist. Der Anteil der Neuerkrankungen lag bei knapp 1.400 dokumentierten Fällen. Das meldet die Techniker Krankenkasse (TK) in Thüringen unter Berufung auf die Daten des Hautkrebsreports 2019.

Ländervergleich: Verbreitung in Thüringen hoch

Der Ländervergleich zeigt, dass schwarzer Hautkrebs im Freistaat besonders häufig ist: Während hier umgerechnet 380 Erkrankte pro 100.000 Versicherte leben, sind es in Berlin nur 161 Erkrankte pro 100.000 Versicherte. Häufiger als in Thüringen trat der schwarze Hautkrebs nur in Hessen (490 pro 100.000 Versicherte) und Niedersachsen (396 pro 100.000 Versicherte) auf. 

Thüringer sind früherkennungsfaul

Die Haut eignet sich besonders für eine Früherkennung, da sie unmittelbar betrachtet und untersucht werden kann. Obwohl Hautkrebsscreenings darüber hinaus schmerzfrei sind und kaum Zeit in Anspruch nehmen, werden sie im Freistaat zu selten in Anspruch genommen. Im Jahr 2017 ging nur etwa jeder sechste Thüringer ab 35 Jahren zur Früherkennung beim Haut- oder Hausarzt. Im Idealfall sollte es jeder Zweite sein, da die Vorsorgeuntersuchungen in einem Zweijahresrhythmus stattfinden. 

Damit belegt Thüringen erneut einen negativen Spitzenwert im Ländervergleich: Nur in Berlin gingen durchschnittlich weniger Versicherte zum Hautkrebsscreening, am meisten hingegen waren es in Sachsen.

"Durch frühzeitige Behandlung kann selbst schwarzer Hautkrebs, der als eine der gefährlichsten Krebsarten überhaupt gilt, heute in den meisten Fällen geheilt werden. Hier gilt: Je eher die Behandlung beginnt, desto besser", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. "Deshalb ist es wünschenswert, dass deutlich mehr Thüringer Früherkennungsangebote nutzen."

Hoffnung Künstliche Intelligenz 

Die Digitalisierung hat das Potenzial, Ärzte aber auch Patienten zukünftig beim Erkennen von bösartigen Hautveränderungen zu unterstützen. In wenigen Jahren sollten Apps und Computersysteme in der Lage sein, Fotobefunde verdächtiger Hautstellen in Echtzeit auszuwerten und damit für sichere und frühe Diagnosen zu sorgen. "Solche neuen Technologien können die Versorgungsqualität maßgeblich verbessern. Das gilt vor allem für die Regionen im Freistaat, in denen es nur wenige Hautärzte gibt", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

Hintergrund

Unter dem Begriff Hautkrebs werden verschiedene Tumorerkrankungen der Haut zusammengefasst. Unterschieden werden der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom), der helle oder weiße Hautkrebs und andere seltenere Hautkrebsarten. Schwarzer Hautkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen, bei Männern liegt er auf Platz neun und bei Frauen auf Platz sieben. 

Hinweis an die Redaktion

Thüringer TK-Versicherte haben ab dem 20. Lebensjahr alle zwei Jahre Anspruch auf eine Hautkrebsuntersuchung des gesamten Körpers bei einem Facharzt für Hautkrankheiten. Die gesetzliche Leistung sieht erst ab 35 Jahren einen kostenlosen Haut-Check vor.

Der Hautkrebsreport 2019 sowie weitere Informationen zum Hautkrebsscreening sind online abrufbar. Wenn nicht anders gekennzeichnet, beziehen sich die Angaben im Text auf gesetzlich Krankenversicherte ab 20 Jahren im Jahr 2017. Die Zahlen stammen aus einer Hochrechnung auf Basis von TK-Daten. Der Hautkrebsreport 2019 ist in Zusammenarbeit der TK mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der Universität Bremen entstanden.