Erfurt, 3. Mai 2019. Die Impfquoten der Thüringer Schulanfänger scheinen sich auf einem mittelmäßigen Niveau einzupendeln. Die gute Nachricht: Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Quoten nur bei drei der 16 erfassten Impfungen zurück. Negativ fällt allerdings auf, dass Thüringen im Bundesländervergleich nach ehemaliger Spitzenposition jetzt nur noch mittelmäßig abschneidet. Das teilt die Techniker Krankenkasse (TK) in Thüringen mit und beruft sich auf aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI).

"Die aktuelle Situation bleibt unbefriedigend. Wir müssen auch über unkonventionelle Schritte nachdenken, um die Impfquoten nachhaltig zu steigern. Instrumente der aufsuchenden Impfarbeit sollten hier zum Beispiel stärker in den Fokus rücken. Schließlich gehört Impfen nach wie vor zu den wirkungsvollsten Maßnahmen, um schweren Infektionskrankheiten vorzubeugen", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. 

Masern-Impfquote im Bundesvergleich: Vom dritten auf den zehnten Platz 

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt unter anderem die Entwicklung der Masern-Impfquote. Während das WHO-Ziel von 95 Prozent zur Elimination der Krankheit im Jahr 2013 in Thüringen fast erreicht wurde (Impfquote von 94,6 Prozent), ist die Quote bis zum Jahr 2016 (92,7 Prozent) stetig gefallen. Im Jahr 2017 ist sie erstmalig wieder leicht gestiegen – 93,1 Prozent der Kinder erhielten die empfohlenen zwei Masernimpfungen. Obwohl Thüringen damit derzeit noch leicht über dem Bundesdurchschnitt (92,8 Prozent) liegt, ist die Entwicklung im Ländervergleich auffällig: Während Thüringen in 2013 noch die dritthöchste Quote hinter Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hatte, belegt der Freistaat aktuell nur noch den zehnten Platz.

Zweite Impfung fehlt häufig

In Thüringen hatten im Jahr 2017 rund 97 Prozent der Schulanfänger die erste Kombinationsimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) erhalten, allerdings bekamen nur 93 Prozent der Kinder auch die zugehörige zweite Impfung. Damit fällt Thüringen von einem siebten Platz im Ländervergleich bei der ersten Impfung auf den zehnten Platz bei der zweiten Impfung. 
Diese negative Tendenz ist auch bei der Impfung gegen Varizellen (Windpocken) zu beobachten. Während 91 Prozent der Kinder die erste Impfung erhielten, waren es bei der zweiten Impfung nur noch 86 Prozent. 

Lichtblick Pneumokokken-Impfschutz 

Bei der seit 2006 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfung gegen Pneumokokken liegt der Freistaat mit einer Quote von 90,1 Prozent auf dem zweiten Platz. Nur in Mecklenburg-Vorpommern waren mehr Kinder (92 Prozent) gegen die Bakterien, die unter anderem Lungenentzündungen verursachen, geimpft.


Insgesamt liegt der Durchschnitt der ostdeutschen Bundesländer bei den Quoten aller 16 vom RKI erfassten Impfungen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Während Thüringen im Bundesvergleich immer noch recht gut abschneidet, sind die Quoten im Freistaat inzwischen aber durchgängig schlechter als im ostdeutschen Mittel. Ausnahmen bilden hier nur die erste Impfungen gegen Varizellen sowie die Pneumokokken-Impfung.

Hinweis an die Redaktionen

Ausführliche Informationen zu Impfungen, STIKO-Empfehlungen, pro und contra bietet die TK auf ihrer Internetseite unter dem Stichwort " Impfen ".

Eine Tabelle mit den vollständigen Impfquoten bei dem Schuleingangsuntersuchungen 2017 finden Sie im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts, Ausgabe 18/ 2019. Die Daten beziehen sich auf 18.199 Thüringer Kinder, die im Jahr 2017 vor dem Eintritt in die Schule untersucht wurden.