Erfurt, 30. Juli 2019. Von April 2018 bis März 2019 wurden in Thüringen 90.000 Impfdosen mehr bei der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet als in den vorherigen zwölf Monaten. Die Zahl stieg um acht Prozent von 1,12 auf 1,21 Millionen. Der Bruttoumsatz aller Impfstoffe lag bei rund 37,8 Millionen Euro. Prozentual am stärksten stieg die Nachfrage nach Impfungen gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und gegen Humane Papillomviren (HPV). In absoluten Zahlen machen sich aber vor allem 40.000 zusätzliche Influenza-Impfungen bemerkbar. Dies berichtet die Techniker Krankenkasse (TK) in Erfurt und beruft sich auf aktuelle Daten des GKV-Spitzenverbandes.

FSME-Impfungen sehr gefragt

Von April 2018 bis März 2019 wurden 187.000 Impfdosen des Encephalitis-Impfstoffes gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verordnet, das entspricht einer Steigerung von 30,8 Prozent im Vergleich zum vorherigen Betrachtungszeitraum (143.000 Impfdosen von April 2017 bis März 2018).

Bisher nur drei FSME-Fälle in Thüringen

Die gestiegene Impfbereitschaft scheint Wirkung zu zeigen: Für das laufende Jahr meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) bisher nur drei FSME-Fälle im Freistaat (Vergleichszeitraum im Jahr 2018: acht Fälle). Und das, obwohl die Thüringer Landesforstanstalt erst kürzlich warnte, dass die kleinen Blutsauger – unter anderem wegen des milden Winters – in diesem Jahr besonders stark verbreitet sind. 
"Trotzdem ist weiter Vorsicht geboten, denn Zecken übertragen auch andere Krankheiten, gegen die es keine Impfung gibt", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung in Thüringen. Die am häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheitserreger in Deutschland sind Borreliose-Bakterien. 

Hohe Nachfrage nach Influenza-Impfstoff 

Nach der Grippewelle 2017/2018 ist die Nachfrage nach dem Influenza-Impfstoff gestiegen. Während von April 2017 bis März 2018 rund 481.000 Influenza-Impfdosen abgerechnet wurden, waren es in den darauffolgenden  zwölf Monaten 521.000 Impfdosen. Das entspricht einem Anstieg von 8,3 Prozent. Die Impfung ist vor allem für Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen, über 60-Jährige und medizinisches Personal wichtig. "Diese Risikogruppen sollten den Impfschutz jährlich erneuern, da jedes Jahr andere Grippeviren mit unterschiedlichen Eigenschaften auftreten", erklärt Dressel. 

2.000 zusätzliche Papillomvirus-Impfungen 

Auch die Zahl der Papillomvirus-Impfungen im Freistaat ist deutlich gestiegen (+15 Prozent). Humane Papillomviren (HPV) zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erregern. Die Impfung schützt wirksam vor den gefährlichsten HPV-Typen und senkt damit das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und andere Tumorarten. Während im letzten Betrachtungszeitraum 18.000 HPV-Impfdosen verordnet wurden, waren es laut aktuellem Bericht zuletzt 20.000 Impfungen. Der Anstieg lässt sich auch mit der Ausweitung der für die Impfung empfohlenen Personengruppe erklären: Seit Juni 2018 ist sie nicht nur für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen, sondern auch für Jungen dieser Altersklasse. 

Weitere Ergebnisse

Neben den zuvor beschriebenen Veränderungen wurden auch mehr Pneumokkoken-Impfdosen (+14 Prozent) und Meningokokken-Impfdosen (+11,1 Prozent) abgerechnet. Rückläufig hingegen sind die Zahlen beim Pertussis-Impfstoff (-10,6 Prozent) und dem Rotavirus-Diarrhoe-Impfstoff (-6,1 Prozent).

Hintergrundinformationen

Zum verwendeten Datenmaterial

Die ausgewerteten Statistiken sind unter www.gkv-gamsi.de abrufbar und werden vom GKV-Spitzenverband veröffentlicht. Die Analysen beziehen sich auf die etwa 1,97 Millionen gesetzlich krankenversicherten Thüringer. 

Zur FSME-Impfung

Eine Grundimmunisierung mit insgesamt drei Impfungen bietet einen zuverlässigen Langzeitschutz gegen FSME. Weitere Details zur FSME-Impfung sind auf den Internetseiten der Techniker Krankenkasse zu finden. Die FSME-Risikogebiete und weitere Fakten zur Erkrankung stellt das RKI online zur Verfügung. 

Zur Influenza-Impfung

Die Influenza ist eine gehäuft im Winter auftretende Viruserkrankung, die hoch ansteckend ist. Die Impfung schützt gesunde Erwachsene bis zu 90 Prozent vor der Erkrankung. Wann und wer sich gegen Grippe impfen lassen sollte, hat die TK hier zusammengefasst.

Zur HPV-Impfung

Humane Papillomviren sind eine Gruppe von DNA-Viren, von denen mittlerweile mehr als 100 verschiedene Typen bekannt sind. Sie können unter anderem zu Gebärmutterhalskrebs führen. Weitere Informationen zur HPV-Impfung sind auf der Internetseite der TK abrufbar.