Mit einer "Initiative gegen Fehlernährung" wird Zucker und Fett der Kampf angesagt. Die Aktion wurde vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Verbraucherschutzorganisation foodwatch initiiert und am 2. Mai in Berlin vorgestellt. Die Techniker Krankenkasse (TK) war mit dabei und unterstützt das Vorhaben. Prominente Unterstützung gab es auch von TV-Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen.

Warum das Thema zurzeit so aktuell ist, welche Auswirkungen eine schlechte Ernährung hat und was wir dagegen tun können, erklärt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg.

TK: Im vergangenen Jahr hat die TK gemeinsam mit foodwatch die TK-Ernährungsstudie vorgestellt. Nun fordern Sie eine Initiative gegen Fehlernährung. Warum ist das Thema immer noch so aktuell ?

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Puttfarcken:  Im vergangenen Jahr erhielten TK-Versicherte mehr als 830.000 Mal beim niedergelassenen Arzt und 140.000 Mal im Krankenhaus die Diagnose Adipositas, das belegen aktuelle Zahlen der TK. Mit dem Auftreten von Adipositas steigt auch die Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen und der Medikamentenkonsum. Fakt ist, dass sich vieles durch einen veränderten Lebensstil vermeiden ließe. Sogenannte ernährungsbedingte Erkrankungen haben inzwischen ein Ausmaß angenommen, dass vereinzelte Aufklärungskampagnen zur gesunden Ernährung nicht mehr ausreichen.

TK: Welche Auswirkungen hat eine falsche Ernährung?

Puttfarcken:  Fehlernährung kann verschiedene Auswirkungen haben, zum Beispiel Adipositas. Aber das allein ist nicht das Problem: Übergewicht ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel chronischen Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt. Ein erhöhter Konsum von Zucker kann die Entstehung von Diabetes Typ II begünstigen. Die TK verzeichnet einen dramatischen Anstieg solcher ernährungsbedingter Erkrankungen. Parallel dazu steigt auch das Arzneimittelvolumen drastisch an. Wenn man die vergangenen zehn Jahre beobachtet, sieht man, dass 2016 in Hamburg im Vergleich zu 2006 fast 40 Prozent mehr blutdrucksenkende Medikamente verschrieben wurden.

TK: Was schlagen Sie vor, um gegen Fehlernährung vorzugehen?

Puttfarcken: Durch die TK-Ernährungsstudie aus dem vergangenen Jahr wissen wir, dass die Menschen sich gesund ernähren möchten. Vier von zehn Befragten in Norddeutschland gaben an, gesunde Ernährung sei ihnen besonders wichtig. Auf die Frage, was sie daran hindert, sich gesünder zu ernähren, nennen die Norddeutschen mangelndes Wissen erst an fünfter Stelle. Zeit und Ruhe sowie mangelndes Durchhaltevermögen wurden als erstes genannt.

Immer wieder Aufklärungskampagnen zu starten, bringt uns allein nicht weiter. Stattdessen brauchen wir ein gemeinsames, umfassendes Engagement aller Beteiligten, um Ernährungsverhalten und -verhältnisse gesünder zu gestalten. Hier sind nicht nur Verbraucher und Krankenkassen, sondern auch Ärzte, Bildungssystem, Politik und Industrie gleichermaßen gefordert.