TK: Welche Herausforderungen erleben Sie gerade in Sachen Unterricht auf Distanz?

Silke Gesthuysen: An der Oberschule Habenhausen (OSH) laufen seit ein paar Wochen unterschiedliche Notbetreuungsgruppen, und der zehnte Jahrgang wird im Haus unterrichtet. Die Zehntklässler sind in Halbgruppen organisiert und haben keine Schwierigkeiten die Distanzregel einzuhalten.

Die Notbetreuungsgruppen bestehen jeweils nur aus fünf Kindern. Hier muss man besonders die Jüngeren, also Schüler der fünften und sechsten Klasse schon immer wieder daran erinnern, den Abstand einzuhalten.

Für alle anderen Schülerinnen und Schüler stellen wir Lehrkräfte Online-Aufgaben zur Verfügung und in Einzelfällen bringen wir Material nach Hause.

Die Herausforderungen, denen wir gegenüberstanden/-stehen, waren/sind vielfältig. Nicht alle Kolleginnen und Kollegen sind gleichermaßen fit im IT-Bereich. So musste ich z. B. auch viel lernen über die Varianten, die uns unser primäreres Kommunikationsprogramm "its learning“ bietet.

Besonders gefragt sind die Klassenleitungen und die Hauptfachlehrer und -lehrerinnen. Im Blick zu haben, welches Kind welche Bedingungen zu Hause hat, um lernen zu können, alle zu erreichen, das Maß der Aufgaben sinnvoll hinzubekommen und Rückmeldungen zu geben ist definitiv auf Distanz schwieriger und erfordert einiges an Organisations- und Improvisationstalent.

Auch die Absprachen im Kollegium sind schwieriger. So merken wir gerade, wie viel man im "normalen“ Alltag immer nebenbei klärt und organisiert.

Silke Gesthuysen

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Jahrgangsleitung der fünften Klassen an der Oberschule Habenhausen

TK: Wie bleiben Sie mit den Schülern in Kontakt?

Gesthuysen: Wir nutzen primär das landesweit gängige its learning-Portal. An der OSH haben wir zum Glück auch vor der Corona-Krise schon mit diesem Portal gearbeitet, so dass der Großteil der Kinder auch wusste, wie man damit umgeht.

Einige Kinder haben keine gute technische Ausstattung zu Hause. Wir verleihen daher an einige von ihnen I-Pads.

Telefongespräche und Videokonferenzen sind aber auch regelmäßige Kommunikationskanäle.

Einige Schülerinnen und Schüler sind dennoch schwierig zu erreichen. Sie werden dann zu Hause besucht oder in der Schule betreut.

TK: Was sind momentan Ihre größten Sorgen?

Gesthuysen: Mir persönlich machen einzelne Kinder Sorgen, die es nicht schaffen, sich gut zu strukturieren und zu organisieren und auch zu Hause keine Unterstützung bekommen. Da nehme ich an, dass es schwierig wird den Schulalltag wieder hinzubekommen und dass die Schere zwischen lernbereiten Schülern und zu motivierenden Schülern deutlich größer geworden ist.

Wie der Schulalltag mit allen Schülern in der Schule wieder sinnvoll möglich ist macht mir organisatorisch derzeit auch noch Sorgen. 

TK: Auch oder gerade in Coroana-Zeiten spielt Mobbing eine Rolle. Sie haben sich zum Projekt "Mobbingfreie Schule" angemeldet, was erwarten Sie sich konkret davon?

Gesthuysen: Wir haben das Projekt "Mobbingfreie Schule“ seit Jahren im Schulprogramm verankert und führen es jedes Jahr immer mit dem fünften Jahrgang durch. Bisher haben wir dafür den "Anti-Mobbing-Koffer“ genutzt. Die Projektwoche war immer sichtbar lehrreich und gut für das Klassenklima. Inzwischen spielt sich Mobbing viel über digitale Medien ab und ist es für Lehrpersonen schwieriger geworden einen wirklichen Einblick zu bekommen. Daher erwarte ich, dass das Thema "Cyber-Mobbing“ inzwischen einen größeren Stellenwert in den überarbeiteten Materialien haben. 

TK: Zurzeit läuft die Lehrerfortbildung zur mobbingfreien Schule online mit dem Landesinstitut für Schule (LIS). Wie wird diese von Ihren Lehrkräften angenommen?

Gesthuysen: Die Lehrerinnen und Lehrer des fünften Jahrgangs und unsere Schulsozialarbeiterin Rieke Fabel, haben sich bisher zu einer einführenden Videokonferenz mit Frau Herminghausen und Frau Zimmat vom LIS getroffen.. Dort erhielten wir einen konkreten Arbeitsauftrag für die nächste Konferenz. Die Kolleginnen und Kollegen haben ausschließlich gute Rückmeldungen für das Treffen gegeben. Die Videokonferenz empfanden alle als produktiv. Es ist angenehm, dass sich alle Mühe geben sich zielgerichtet zu äußern.

TK: Wie wird es mit dem Projekt in Ihrer Schule weitergehen? Was wünschen Sie sich?

Gesthuysen: Das Projekt ist verbindlich in unserem Schulprogramm verankert und wird weiterhin in jedem fünften Jahrgang durchgeführt. Die Kolleginnen und Kollegen, die gerade fortgebildet werden, fungieren als Multiplikatoren für die nachfolgenden Jahrgänge. Leider erscheint es aufgrund der momentanen Krise unwahrscheinlich, dass unser derzeitiger fünfter Jahrgang noch in diesem Schuljahr das Projekt durchführen kann, aber wir haben uns schon beratschlagt und würden es sonst in Jahrgang sechs nachholen, weil wir es wichtig finden.

An dieser Stelle danke ich dem Landesinstitut für Schule und da im Besonderen Frau Herminghausen und Frau Zimmat für die Bereitschaft und die Flexibilität die Fortbildung unter den gegebenen Voraussetzungen online stattfinden zu lassen.