Frankfurt am Main, 22. Februar 2022. Mehr als zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie stehen viele Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, vor einer besonderen Herausforderung: Unregelmäßige Kontakte, Homeschooling und Quarantänemaßnahmen erschweren es ihnen, das Wohlergehen der Kinder im Blick zu behalten und mögliche Vernachlässigungen, Misshandlungen oder sexuellen Missbrauch zu beobachten. Unter anderem mit dieser Thematik beschäftigt sich die Internationale Kasseler Fortbildung "Basiskurs Kinderschutz in der Medizin" am Freitag und Samstag, 11. und 12. März.

Die Veranstaltung richtet sich bewusst an alle Fachleute im Gesundheitswesen, die mit Kindern arbeiten und sich mit dem Thema Kinderschutz befassen wollen. Aufgrund des hohen Bedarfs wird die Fortbildung vorerst wieder jährlich angeboten. Sie findet, wie bereits im vergangenen Jahr, als Online-Schulung statt. 

Für Kindeswohlverletzungen sensibilisieren

Ziel der regelmäßigen Veranstaltung ist es, die Teilnehmenden zu sensibilisieren, wie sie trotz der erschwerten Bedingungen in der Pandemie Verletzungen des Kindeswohls bewusst wahrnehmen und bei einem Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung die richtigen Schritte einschlagen können. Dabei sind mit Gewalt nicht nur Schläge oder sexueller Missbrauch gemeint. Das Wohl von Kindern ist auch gefährdet, wenn sie seelisch oder körperlich vernachlässigt oder emotional misshandelt werden, indem sie angeschrien, klein gemacht oder sozial isoliert werden. 

"Kindesmissbrauch spielt sich in der Regel hinter verschlossenen Türen ab. Personen aus dem sozialen Umfeld der Kinder müssen wissen, welche Verhaltensweisen der Kinder und welche Verletzungen auf eine Gewalterfahrung hinweisen können und wie sie bei einem Verdacht sinnvoll reagieren sollten", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen.

Die TK in Hessen fördert die Fortbildungsveranstaltung bereits seit dem Jahr 2003. "Körperliche Hinweise auf Misshandlung und Gewalt sind oft nicht einfach zu diagnostizieren. Daher wollen wir den Teilnehmenden unserer Tagung mehr Sicherheit im zwingend multiprofessionellen Umgang mit dieser schwierigen Thematik geben", so Dr. Herrmann, Oberarzt der Klinik für Neonatologie und allgemeine Pädiatrie sowie Leiter des Bereichs Kinderschutz am Klinikum Kassel. 

Vorreiterrolle im medizinischen Kinderschutz

Die Kinderschutz-Tagung wird von der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt (DGfPI) durchgeführt. Sie findet traditionell am bzw. in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Kassel statt. Die dortige Kinderklinik hat eine Vorreiterrolle beim medizinischen Kinderschutz in Deutschland eingenommen. Für sein Engagement wurde Dr. Herrmann im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

Vorteile der Online-Veranstaltung

Das Online Format bietet - auch wenn das Networking und der persönliche Austausch im digitalen Umfeld ungewohnt sind - aus Sicht der Veranstalter einen großen Vorteil: Es ermöglicht deutlich mehr Fachleuten die Teilnahme an der Veranstaltung. An den früheren Präsenzveranstaltungen konnten maximal 160 Personen teilnehmen; bei der Online-Veranstaltung im vergangenen Jahr waren es über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. "Diese starke Nachfrage und die Bandbreite der Professionen der Teilnehmer zeigt uns, wie groß das Interesse am medizinischen Kinderschutz ist", so Dr. Herrmann. 

Auch bei der kommenden Veranstaltung sind neben Medizinerinnen und Medizinern auch andere Mitarbeitende des Gesundheitswesens beispielsweise aus den Bereichen Psychologie, Sozialarbeit oder Pflege dabei, die sich mit dem Kinderschutz befassen. Für Ärztinnen und Ärzte gibt es ergänzend und vertiefend zum Basiskurs darüber hinaus einen Aufbau-Kurs im März und November dieses Jahres, der speziell für ihre Bedürfnisse konzipiert ist.