Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) ist der Partner im Bereich der Gesundheitsförderung. Wir sprachen im Interview mit dem Geschäftsführer Dr. Matthias Krell über das Projekt "Schatzsuche".

TK: Seit rund vier Jahren setzt die LZG das Präventionsprojekt "Schatzsuche" in Rheinland-Pfalz um, mit dem das seelische Wohlbefinden von Kindern gefördert wird. Wie sieht Ihre bisherige Bilanz aus?

Dr. Matthias Krell: Bei den Kindertagesstätten haben wir für das Präventionsprojekt "Schatzsuche" von Anfang an offene Türen vorgefunden. Seit dem Start im Jahr 2017 haben 135 Erzieherinnen und Erzieher aus 66 rheinland-pfälzischen Kitas die Fortbildung durchlaufen. Zurzeit findet die 9. Weiterbildungsreihe statt, an der 26 Fachkräfte aus 14 Kindertagesstätten teilnehmen.

Matthias Krell

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Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz

Bis Ende 2021 wollen wir mindestens 90 Kitas in ganz Rheinland-Pfalz mit dem Programm erreichen - das ist ein realistisches Ziel, denn nach wie vor ist das Interesse an der Fortbildung groß. Mit dem erworbenen Wissen führen die Erzieherinnen und Erzieher das Elternprogramm in ihrer Einrichtung durch.

Das Programm "Schatzsuche" fügt sich hervorragend in unsere Arbeit im Rahmen des Gesundheitsziels "Gesund aufwachsen" ein. Es wurde von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. entwickelt, um die Gesundheit und Resilienz von Kita-Kindern zu fördern. Über die Angebote der ausgebildeten Fachkräfte macht "Schatzsuche" die Eltern stark für das seelische Wohlbefinden ihrer Kinder und weckt den Spaß an der Erziehung. Wir freuen uns, dass wir das Programm durch die finanzielle Unterstützung der Techniker Krankenkasse in Rheinland-Pfalz durchführen können.

Von den pädagogischen Fachkräften bekommen wir das Feedback, dass es sich um ein praxisnahes und gut umsetzbares Programm handelt, das von den Eltern positiv angenommen wird. Zudem ist es auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Das Eltern-Bildungsprogramm kann in jedem Kita-Jahr von neuem durchgeführt werden und kommt daher vielen Kindern und Eltern zugute. 

Die Rückmeldungen der Eltern zeigen, wie sehr sie die gemeinsamen Treffen und die kreativen Materialien und Methoden in ihrer Erziehungskompetenz stärken. Sie sind dankbar für den Austausch mit anderen Müttern und Vätern und merken, dass sie mit ihren Sorgen und Unsicherheiten nicht alleine sind. Sowohl Eltern als auch Fachkräfte berichten, dass sich die Zusammenarbeit und die Kommunikation durch das Programm verbessert hat bzw. vertrauensvoller geworden ist. 

Die durchweg positive Resonanz zeigt, dass es für alle Seiten ein Gewinn ist, wenn eine Einrichtung als "Schatzsuche-Kita" zertifiziert wird. Wir freuen uns, dass wir damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Gesundheit unserer Kinder und deren Familien leisten können. 

TK: Welche Auswirkungen hat(te) die Corona-Pandemie auf die Projektarbeit?

Dr. Krell: Mit Beginn des ersten Lockdowns mussten wir die für Frühjahr 2020 geplante sechstägige Weiterbildung absagen und auf den Herbst 2020 verschieben. In der zweiten Jahreshälfte 2020 konnten wir zunächst mit Präsenzveranstaltungen, unter Einhaltung der Hygienevorschriften, starten. Mit Beginn des zweiten Lockdowns haben wir die Weiterbildung dann aber auf ein virtuelles Format umgestellt.

Bei der Entwicklung des digitalen Weiterbildungskonzeptes haben wir darauf Wert gelegt, möglichst nahe am Präsenz-Konzept zu bleiben. Auch das Online-Format bietet viel Raum zum kollegialen Austausch der pädagogischen Fachkräfte untereinander und die Möglichkeit zur Reflexion der eigenen Haltung. Wir nehmen allerdings auch wahr, dass Online-Formate die konkrete Begegnung vor Ort nicht immer umfänglich ersetzen können. Darum sind wir bemüht, sobald die pandemische Lage es zulässt, die Anzahl der Vor-Ort-Termine wieder zu erhöhen.
Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach der Fortbildung deutlich zugenommen. Immer mehr Kindertagesstätten beschäftigen sich mit dem Thema Resilienz und der seelischen Gesundheit ihrer Kita-Kinder. 

TK: Wie sieht die weitere Entwicklung des Projektes in diesem Jahr aus?

Dr. Krell: Seit Anfang dieses Jahres bieten wir zusätzlich und in Ergänzung zur "Schatzsuche" das Eltern-Programm "Schule in Sicht" an, ebenso mit finanzieller Unterstützung der Techniker Krankenkasse. Es richtet sich besonders an Eltern, deren Kinder vor dem Eintritt in die Grundschule stehen. Ziel ist es, die seelische Gesundheit von Familien und insbesondere der Kinder in dieser wichtigen Phase zu fördern und ihre psychische Widerstandskraft zu stärken. Dies sind wichtige Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung und für gelingende Übergänge im individuellen Bildungs- und Lebensweg. 

Kinder müssen heute zunehmend komplexer werdende Wechsel von einer Lebenssituation in eine andere bewältigen. Um die dafür nötigen Anpassungsleistungen zu erleichtern, ist ein hohes Maß an Selbstsicherheit und Selbstvertrauen nötig. Kinder brauchen zur Bewältigung von Entwicklungsanforderungen eine optimistische Grundhaltung sowie das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. 

Aber auch für Eltern ist der Übergang in die Schule mit dem Abschied von Vertrautem und neuen Herausforderungen verbunden. Man könnte sagen: Nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern "kommen in die Schule" - das ist häufig verbunden mit der Reflexion über die eigene Einschulung und Schulzeit. Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist also für beide Seiten eine sehr empfindsame Zeit, in der die "Schatzsuche"-Themen, wie eine ressourcenorientierte Haltung und seelisches Wohlbefinden, eine große Bedeutung haben.

Vor diesem Hintergrund freuen wir uns sehr über die Weiterentwicklung des Eltern-Programms und auch hier über die Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse. Im Sommer starten wir mit der ersten Weiterbildungsreihe "Schule in Sicht". Teilnehmen können alle zertifizierten Schatzsuche-Kitas aus Rheinland-Pfalz. 

TK: Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Dr. Matthias Krell ist seit 1. Juni 2014 Geschäftsführer der LZG. Begonnen hat er seinen Berufsweg in der Krankenpflege, wo er zehn Jahre in verschiedenen Bereichen tätig war. Von 1990 bis 1995 studierte Krell Deutsch und Geschichte für das Lehramt an der Universität Siegen. Nach dem Ersten Staatsexamen arbeitet Krell von 1996 bis 1999 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und promovierte. Bis 2006 war er anschließend Dozent an der Universität Siegen.

Für die Wahlperiode 2006 bis 2011 wurde Krell in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt und war dort Mitglied des Ausschusses für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur sowie des Ausschusses für Gleichstellung und Frauenförderung. Über diese Jahre blieb Krell dem Gesundheitswesen durch ehrenamtliche und Dozententätigkeit in der Krankenpflege weiterhin verbunden. Daran schloss sich eine Tätigkeit als Referatsleiter bei der Landeszentrale für politische Bildung an, von der aus er zur LZG wechselte.