Erfurt, 1. Oktober 2019. Über die Hälfte (56,4 Prozent) der im Jahr 2016 geborenen Thüringer Kinder hat bis zum zweiten Geburtstag nicht alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen erhalten. Vollständig gegen Masern, Keuchhusten, Windpocken und Co. geimpft sind 43,6 Prozent der Thüringer Kleinkinder. 6,4 Prozent der Thüringer Kinder haben in den ersten beiden Lebensjahren gar keine der empfohlenen Impfungen bekommen. Das meldet die Techniker Krankenkasse (TK) in Erfurt unter Berufung auf die Daten des Innovationsreports 2019.

Platz zwölf im Ländervergleich

Mit 43,6 Prozent vollständig geimpften Kleinkindern belegt Thüringen nur den zwölften Platz der Bundesländer. Zum Vergleich: Am höchsten sind die Impfquoten in Mecklenburg-Vorpommern (60,7 Prozent vollständig Geimpfte), am niedrigsten in Hessen (28,1 Prozent vollständig Geimpfte). 

Thüringen Schlusslicht bei Mumps-, Masern-, Röteln-Impfungen

Besonders auffällig sind die Thüringer Quoten bei den Impfungen gegen Mumps, Masern und Röteln: Mit rund 71 Prozent vollständig geimpften Kindern belegt der Freistaat hier den letzten Platz im Ländervergleich. Gut 17 Prozent der Kinder sind nur teilweise geimpft (einzelne Teilimpfungen fehlen), 11,4 Prozent haben überhaupt keine Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln erhalten. "Die niedrigen Impfraten sind ein Alarmsignal", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. "Nur wer alle notwendigen Teilimpfungen erhält, ist sicher immunisiert", so Dressel weiter. Von Vorteil für alle unvollständig Geimpften: Teilimpfungen können meist problemlos nachgeholt werden, ohne dass die Impfserie von vorn begonnen werden muss.

An Impfungen erinnern

Prof. Dr. Cornelia Betsch ist Psychologin an der Universität Erfurt und forscht zu Impfentscheidungen. Sie sagt: "Die meisten Menschen sind impfbereit – aber Impfen ist oft nicht einfach genug. Es gibt viele praktische Hürden. Erwachsenen ist außerdem oft auch gar nicht bekannt, dass oder wann sie sich impfen lassen sollten. Darauf sollte gezielt mit Maßnahmen reagiert werden." Eine solche Maßnahme kann die Erinnerung durch die Krankenkasse sein, findet Guido Dressel. "Wir sollten aber auch unkonventionelle Methoden in Erwägung ziehen, um die Impfquoten nachhaltig zu verbessern. Dazu gehört zum Beispiel die aufsuchende Impfarbeit", ergänzt Leiter der TK-Landesvertretung.

Hinweis an die Redaktion

Die Impfquoten wurden im Rahmen des Innovationsreports 2019 erhoben, den die TK heute in Berlin vorgestellt hat. Erstmals wurde in dem Report auch ein Impfstoff bewertet - vor diesem Hintergrund haben die Autoren dem aktuell viel diskutierten Thema Impfen das Sonderkapitel gewidmet. Der Report bewertet 23 neu auf den Markt gekommene Arzneimittel des Jahres 2016 nach einem bewährten Ampelschema. 

Für die Auswertung der Impfraten wurden die 2016 geborenen und durchgängig bei der TK versicherten Kinder über einen Zeitraum von zwei Jahren in Bezug auf die derzeit 13 von der STIKO empfohlenen Impfungen für diese Altersgruppe untersucht.