Eisenach/Erfurt, 21. Januar 2019. "Ab und zu ein Glas Sekt, Wein oder Bier in der Schwangerschaft kann nicht schaden". Laut einer Forsa-Studie aus dem Oktober 2017 sind 14 Prozent der Thüringer dieser Meinung. Ein trauriger Spitzenwert, denn in keinem anderen Bundesland hält ein so großer Teil der Bevölkerung Alkohol in der Schwangerschaft für ungefährlich. Im Bundesdurchschnitt sind es acht Prozent. Weshalb Alkohol für werdende Mütter tabu sein sollte, veranschaulicht die Ausstellung "ZERO!" vom 21. bis zum 25. Januar in der Kapelle der Diako Thüringen in Eisenach. 

Studierende der Fachhochschule Erfurt (Studiengang Soziale Arbeit) haben die Ausstellung zusammen mit ihrer Seminarleiterin Ina Bauer nach Eisenach geholt, um über die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) aufzuklären. FASD ist die häufigste nicht genetisch bedingte Behinderung bei Neugeborenen, sie tritt in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Typisch sind zum Beispiel Wachstums- und Verhaltensstörungen, beeinträchtigte Alltagskompetenzen und kognitive Defizite. 

Im Rahmen eines Seminars haben sich die Seminarteilnehmer ein Semester lang mit dem Thema beschäftigt, ein Programm für die einwöchige Ausstellungsdauer geplant und Materialien für die Prävention, für Angehörige und Fachkräfte entwickelt. Die Techniker Krankenkasse (TK) unterstützt das Projekt als Gesundheitspartner. "Schwangere sollten komplett auf Alkohol, Drogen und bestimmte Medikamente verzichten. FASD ist zu 100 Prozent vermeidbar, deshalb sind Aufklärung und Prävention im Vorfeld von Schwangerschaften besonders wichtig", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. 

Wenig Aufmerksamkeit trotz 800.000 Betroffenen

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 10.000 Kinder mit einer Fetalen Alkoholspektrumstörung geboren, rund 800.000 Deutsche in allen Altersklassen sind von FASD betroffen. Trotz der hohen Verbreitung erfährt das Thema in der Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit. Die Diagnose wird selten gestellt, vielleicht weil professionelle Helfer im Gesundheitssystem Hemmungen haben, einen diesbezüglichen Verdacht auszusprechen oder nicht ausreichend über das Krankheitsbild informiert sind.

Auch Ina Bauer, Sozialpädagogin, Familientherapeutin und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Erfurt, wusste zunächst wenig über die Fetale Alkoholspektrumstörung. Bei der Beratung von zwei Pflegefamilien mit verhaltensauffälligen Kindern stand der Verdacht FASD im Raum, sie begann, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. 

Kuppelzelt und interaktive Medienstationen

"Die Ausstellung ist für die Prävention sehr gut geeignet: Sie macht greifbar, wie sensibel die embryonale Entwicklung abläuft. Außerdem beantwortet sie Fragen, vor allem von Jugendlichen, zu Verlockungen von Alkohol und dem Umgang damit in der Schwangerschaft", sagt Ina Bauer. 

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Das Kuppelzelt stellt eine Gebärmutter dar. 

Im Zentrum der Ausstellung steht ein begehbares Kuppelzelt, das die Gebärmutter darstellt. Im Innenraum können Besucher die 40 Schwangerschaftswochen aus der Perspektive des Kindes durch Sehen, Hören und Fühlen erleben. Die Zeltaußenhülle illustriert die Schwangerschaftsmonate aus der Perspektive der Schwangeren und deren Umfeld. An drei Medienstationen kommen auch Betroffene zu Wort und berichten, welche Probleme und Hindernisse ihren Alltag mit FASD bestimmen.  

Programm und öffentliche Besichtigung

Schulklassen, Pflege- und Adoptiveltern, Schwangerenberaterinnen, Erzieher und andere Fachkräfte haben sich bereits angemeldet, um die Ausstellung zu besichtigen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, sich die Ausstellung anzusehen. Die Möglichkeit besteht am Mittwoch, 23. Januar und Freitag, 25. Januar 2019 jeweils in der Zeit von 14 bis 18 Uhr in der Kapelle der Diako Thüringen, am Karlsplatz 27-31 in Eisenach. 

Hinweis für die Redaktionen

Im Rahmen der zitierten Forsa-Studie wurden 2.004 Personen im Alter ab 14 Jahren in Deutschland mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews befragt.