Obwohl sie kostenlos sind und Mediziner immer wieder betonen, dass die Heilungschancen besser sind je früher eine Erkrankung erkannt wird, nutzen die Berechtigten sie immer weniger.

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

TK: Herr Vogt, bei der Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen gibt es auch große regionale Unterschiede. Wie ist die Lage in Baden-Württemberg?

Andreas Vogt: Sehr unterschiedlich je nachdem welches Geschlecht und welche Altersgruppe wir betrachten.

Bei der Jugendgesundheitsuntersuchung J1 hatten wir beispielsweise lange Jahre eine Beteiligung von rund zwei Drittel der Berechtigten. Zuletzt ist dieser Anteil 2017 auf 60 Prozent gesunken.

Wir betrachten dies mit Sorge, da hier der Arzt nicht nur eine gründliche körperliche Untersuchung durchführt sondern zudem frühzeitig mögliche Pubertätsprobleme erkennen und behandeln kann - auch in sozialer und psychischer Hinsicht.

TK: Nimmt hier vielleicht der Einfluss der Beziehungsberechtigten ab? Sind Erwachsene gewissenhafter?

Vogt: Nein, das können wir mit unseren Zahlen nicht bestätigen. Am Bereitwilligsten wird noch die Krebsvorsorge für Frauen in Anspruch genommen, der Anteil lag 2017 aber auch nur bei knapp 58 Prozent und damit genau im Bundesdurchschnitt.

Mit fast 29 Prozent der Männer im Land gingen zwar mehr zur Krebsvorsorge als im bundesweiten Durchschnitt (26,5 Prozent), aber es verpassen immer noch viel zu viele die Chance, eine Krebserkrankung frühzeitig zu erkennen.

Beim allgemeinen Check-up 35 ist Baden-Württemberg sogar Schlusslicht: Nur jeder Fünfte geht zum sogenannten Gesundheits-TÜV. Und bei Koloskopien zur Darmkrebsvorsorge liegen sowohl Frauen als auch Männer nur bei 2,7 Prozent, was auch dem bundesweiten Durchschnitt entspricht.

TK: Haben Sie eine Erklärung für dieses Phänomen? In der Regel wird ja eher geklagt, dass die Deutschen im weltweiten Vergleich zu oft zum Arzt gehen?

Vogt: Viele Menschen sind skeptisch, ob Früherkennung tatsächlich etwas bringt und nicht unnötige Ängste schürt. Deshalb werden solche Screenings aber in Studien geprüft und die gesetzliche Krankenversicherung zahlt nur, was erwiesenermaßen mehr nutzt als schadet. Auch eine invasive Untersuchung wie die Darmkoloskopie ist in der Regel besser zu ertragen, als eine langwierige Therapie.

Zudem werden die Inhalte regelmäßig vom GBA unter die Lupe genommen. Aktuell steht beispielsweise eine Aktualisierung des Check-up 35 an. Dabei geht es vor allen Dingen darum, Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen sowie Diabetes mellitus rechtzeitig zu diagnostizieren. Künftig gehört auch eine Impfanamnese dazu und der Arzt wird zunehmend beratend tätig. Was natürlich für den ein oder anderen auch die Empfehlung einer ungeliebten Verhaltensänderung beinhalten kann.

Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Ärzte offensiver für diese Untersuchungen werben. Wir bieten unseren Versicherten auch einen Erinnerungsservice an.