Hamburg, 14. November 2019. Deutschland hat mit einer Frühgeborenenrate von fast neun Prozent eine der höchsten Raten in Europa. Frankreich und Schweden liegen mit rund sechs Prozent deutlich darunter. Das teilt die Techniker Krankenkasse (TK) anlässlich des Weltfrühgeborenentags am 17. November mit. Bundesweit kamen 2018 fast 788.000 Kinder zur Welt - davon rund jedes elfte zu früh, also vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Allein die TK zählte rund 8.000 Babys mit einer Frühgeborenen-Diagnose. 

Verglichen mit Kindern, die zum Termin geboren sind, haben Frühgeborene in den ersten acht Lebensjahren ein höheres Risiko für leichte und mittlere Entwicklungsstörungen (Risiko um 44 Prozent erhöht), Sehbeeinträchtigungen (33 Prozent), chronische Bronchitis (30 Prozent) und akute Erkrankungen der unteren Atemwege (14 Prozent). Das belegt der aktuelle Kindergesundheitsreport der TK. Insgesamt zeigt sich bei 22 Krankheitsgruppen, die Kinder häufig betreffen, ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für früh geborene Kinder.

Früh­ge­bo­rene haben mehr Gesund­heits­pro­bleme

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Bei Frühgeborenen frühzeitig und noch genauer hinschauen

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Bei der jetzt anstehenden Weiterentwicklung des Nationalen Gesundheitsziels 'Gesundheit rund um die Geburt' ist es wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu bringen. Hier kann unser Kindergesundheitsreport Anstöße liefern." Die Politik und Akteure im Gesundheitswesen hatten sich 2017 mit dem Gesundheitsziel auf die Fahnen geschrieben, die Rahmenbedingungen für Schwangerschaft, Geburt und gesundes Aufwachsen der Neugeborenen zu fördern. Baas weiter: "Der TK-Report zeigt, dass wir bei Frühgeburten noch genauer als bisher hinschauen müssen. Die Ergebnisse können helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und schon im Voraus aktiv zu werden. Das gilt auch für Frühchen, die zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche - also nur wenige Wochen vor dem errechneten Termin - zur Welt gekommen sind." So sollten Eltern, Erzieher und Kinderärzte zum Beispiel bei Verhaltensauffälligkeiten oder Sprachproblemen nicht erst dann genauer hinschauen, wenn die Kinder ins Schulalter kommen. Die Frühen Hilfen - sofern sie in Anspruch genommen werden - können Kinder von Anfang an passgenau unterstützen. 

Bionische Gelmatratze "Babybe" hilft Frühchen

Die TK unterstützt Frühgeborene unter anderem mit einem Pilotprojekt unter dem Namen "Babybe". Dabei wird an derzeit bundesweit neun Kliniken eine bionische Gelmatratze eingesetzt. Mit ihr kann der wichtige enge Körperkontakt zu den Eltern auch in Zeiten einer notwendigen Trennung von den Eltern simuliert werden. Die spezielle Unterlage im Inkubator bildet Stimme, Atmung und Herzschlag der Mutter nach. Erste Ergebnisse lassen vermuten, dass Frühchen dadurch ruhiger atmen, einen stabileren Herzschlag bekommen und besser zunehmen.

Risikofaktoren für Frühgeburten 

Die Ursachen für Frühgeburten sind komplex. Risikofaktoren können bestimmte Erkrankungen der Mutter wie Diabetes, Bluthochdruck und unbehandelte Infektionskrankheiten, Veränderungen der Gebärmutter oder Plazenta, Fruchtbarkeitsbehandlungen und Tabakkonsum sein. Auch Adipositas oder Depressionen können eine Rolle spielen, dazu ist die Studienlage allerdings noch nicht so klar. Baas: "Hier kann die Forschung noch weitere Aufklärung leisten."

Psychische Gesundheit in der Schwangerschaft: Modellprojekt für werdende Mütter 

Mit Blick auf die Bedeutung psychischer Belastungen in der Schwangerschaft bietet die TK ihren Versicherten seit Januar 2019 an, an dem Projekt Mind:Pregnancy teilzunehmen. Das Modellprojekt soll die psychische Gesundheit der Schwangeren stärken. Es erweitert die herkömmliche Schwangerenvorsorge um ein klinisch gesichertes Screening auf Anzeichen von Depressionen, Ängsten und Stress. Betroffene können ein ausführliches psychologisches Gespräch an den Unikliniken Heidelberg oder Tübingen wahrnehmen - auf Wunsch auch per Video-Sprechstunde. Bei Bedarf wird den Teilnehmerinnen ein online-basiertes Achtsamkeitstraining angeboten. 

Hinweis für die Redaktionen

Für den TK-Kindergesundheitsreport hat die TK die Abrechnungsdaten von 38.853 TK-versicherten Kindern, die im Jahr 2008 geboren wurden, ausgewertet. Die Analyse umfasste die ersten acht Lebensjahre der Kinder, also den Zeitraum von 2008 bis 2016. Untersucht wurden 461 Krankheitsgruppen mit insgesamt 16.200 Diagnosen. Der TK-Kindergesundheitsreport steht zum Download unter www.tk.de  bereit. 

Medizinisch gesehen gilt ein Kind als Frühgeburt, das vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (vom ersten Tag der letzten Periode an gerechnet) oder mehr als drei Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin geboren wurde. Meist haben die Babys auch ein zu geringes Geburtsgewicht. Die TK bietet zudem weiterführende Informationen zum Thema Frühgeburt , Informationen zur innovativen Frühchenversorgung mit Babybe  und Informationen zum Projekt Mind:Pregnancy

Informationen zur Gesundheit rund um die Geburt gibt es zudem beim Nationalen Gesundheitsziel.