Körperliche Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit führen dazu, dass manche Menschen die Mund- und Zahnpflege nicht oder nur eingeschränkt selbst durchführen können. Krankenkassen und Zahnärzte haben sich darauf verständigt, dass diese Personen nun zahnmedizinisch besser betreut werden. 

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Herr Vogt, was ändert sich konkret zum 1. Juli?

Prophylaxe ist ein zentraler Baustein für gute Zahn- und Mundgesundheit. Deshalb ist es sinnvoll, für pflegebedürftige Menschen und Menschen mit Behinderungen die zahnmedizinische Prävention zu verbessern. Zu den neuen Leistungen zählen zunächst einmal die Erfassung der Zahn- und Mundgesundheit. Die Statuserhebung ist dann die Grundlage für einen individuellen Mundgesundheitsplan. Was kann getan werden, um die Prothesen besser zu pflegen? Sollte fluoridiert werden? Kann die Ernährung verbessert werden? Abgeleitet aus solchen Fragen werden zweimal im Jahr Empfehlungen ausgearbeitet.

Wichtig ist, dass die empfohlenen Maßnahmen demonstriert und auch die Betreuer mit eingebunden werden. Das erfordert viel Einfühlungsvermögen von den Zahnärzten und die Bereitschaft, auf die jeweilige Lebenssituation der Patientinnen und Patienten einzugehen.

Neu ist auch, dass gehandicapte Menschen nun einmal im Halbjahr Anspruch auf die Entfernung harter Zahnbeläge haben.

Welche Personen profitieren von dieser neuen Regelung?

Anspruchsberechtigt sind Menschen, die vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) als pflegebedürftig eingestuft werden - also Pflegegrad eins bis fünf haben. Menschen mit Behinderungen können die Leistungen nutzen, wenn sie Eingliederungshilfe nach Paragraph 53 SGB XII beziehen.

Hervorheben möchte ich, dass nun also auch mobile Menschen mit Behinderungen und/oder Pflegebedarf von den zusätzlichen präventiven Leistungen profieren. Gerade vor dem Hintergrund, dass immer mehr Betroffene in ambulant betreuten Wohngemeinschaften leben, ist die Neuregelung ein großer Fortschritt.

Für zahnmedizinische Betreuung in Pflegeheimen gibt es seit 2014 Regelungen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

In der Tat konnten wir im Bereich der stationären Pflege schon einiges erreichen. Es geht hier um Menschen, die eine Zahnarztpraxis aufgrund ihrer Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder sonstigen Einschränkung nicht erreichen können. Auch Hausbesuche fallen darunter.

Im vergangenen Jahr haben allein in Baden-Württemberg rund 18.000 TK-Versicherte von diesen Leistungen profitiert. Es gibt derzeit 416 Kooperationsverträge mit 221 Praxen und insgesamt 267 Zahnärzten in stationären Einrichtungen.