Katja Hödtke ist seit November 2021 Schulgesundheitsfachkraft an zwei Schulstandorten in Hamburg. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen im Schulalltag und wie ein gesundes Aufwachsen von Kindern mit einer erfolgreichen Bildung zusammenhängt.

TK: Frau Hödtke, Sie sind seit rund vier Monaten Schulgesundheitsfachkraft in Hamburg. Wieso ist das Berufsfeld für Sie interessant? 

Katja Hödtke: Die Gesundheitsförderung und gesundheitliche Bildung im Grundschulalter und in der Lebenswelt der Kinder ist enorm wichtig, um im weiteren Verlauf des Lebens gesundheitsförderlich zu leben und zu lernen. Als studierte Gesundheitswissenschaftlerin ist das eine Aufgabe, die mir sehr am Herzen liegt. Außerdem war für mich als Gesundheits- und Krankenpflegerin das Tätigkeitsfeld der "School Nurse" - wie im Ausland bereits oft an Schulen verankert - schon immer interessant. Es freut mich daher, dass ich die Schwerpunkte meiner bisherigen beruflichen Laufbahn nun als Schulgesundheitsfachkraft in Hamburg einbringen kann. 

TK: Welche Schulstandorte betreuen Sie und welche Erfahrungen konnten Sie seither sammeln?

Hödtke: Ich arbeite an der Schule Am Schleemer Park, jeweils zwei Tage die Woche am Standort Möllner Landstraße und zwei Tage am Standort Billbrookdeich. Beide Standorte liegen im Bezirk Billstedt und haben einen Sozialindex von 1. Dies bedeutet, dass die eher schwierigen sozialen Rahmen- und Wohnbedingungen der Schülerschaft den Schulalltag mitbestimmen. Mich erreichen viele Anfragen in den Bereichen Ernährung, Zahngesundheit, Bewegungsförderung - vor allem coronabedingt - und emotional-psychische Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler. Schülerinnen- und Schülergesundheit sowie die Personalgesundheit an Schulen zu fokussieren, halten viele aus dem Kollegium für wichtig. Es zeigt sich aber auch, dass die Integration der neugeschaffenen Rolle in die Schulstrukturen Zeit benötigt und sich dynamisch weiterentwickelt.

Gesundheitsförderung und gesundheitliche Bildung im Grundschulalter und in der Lebenswelt der Kinder ist enorm wichtig, um im weiteren Verlauf des Lebens gesundheitsförderlich zu leben und zu lernen. Katja Hödtke, Schulgesundheitsfachkraft

Katja Hödtke

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Schulgesundheitsfachkraft an zwei Schulstandorten in Hamburg

TK: Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Hödtke: Ein typischer Arbeitstag kann sehr unterschiedlich sein. Momentan biete ich beispielsweise Einheiten zur Ernährungsbildung in den Klassen an und organisiere ein Bewegungsprojekt. Darüber hinaus koordiniere ich Angebote zur Gesundheitsförderung für an der Schule tätiges Personal und setze mich für die Vernetzung mit anderen Akteuren und Projekten im Bezirk ein. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind ebenfalls ein sehr präsentes Thema. Der Schule ist es sehr wichtig, die Kinder aus dieser für sie besonders belastenden Krise gesund herauszuführen.

TK: Warum ist es so wichtig, die Gesundheitskompetenz von Schülerinnen und Schülern vor Ort in der Schule zu fördern?

Hödtke: Damit Kinder gesund und fit aufwachsen und dies mit in ihr Erwachsenenleben nehmen können, sollten sie gesundheitsförderliche Kenntnisse und Kompetenzen schon früh erwerben. Schulgesundheitsfachkräfte können mit dazu beitragen, diese Fähigkeiten in den Alltag zu integrieren und Kinder bestmöglich zu fördern, die aufgrund ihres sozialen Umfeldes einem höheren Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Gleichzeitig ist der Zusammenhang zwischen einem gesunden Aufwachsen von Kindern und ihrem Bildungserfolg wissenschaftlich belegt. Ich freue mich daher, die Schülerinnen und Schüler in den kommenden Jahren als Schulgesundheitsfachkraft zu unterstützen.

Hintergrund

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) sowie Sozial- und Schulbehörde setzen das Projekt "Schulgesundheitsfachkräfte" seit dem Jahr 2020 für einen Zeitraum von fünf Jahren um. Die sechs Ersatzkassen setzen sich unter der Dachmarke "Gesunde Lebenswelten" des vdek verstärkt gemeinsam für die Erreichbarkeit von Menschen in schwieriger sozialer Lage mit Maßnahmen zur Prävention ein. Eine Koordinierungsstelle wird das Projekt fachlich begleiten. Das Projekt wird auf Grundlage einer Evaluation ausgewertet, die Ergebnisse werden in die weitere Ausgestaltung und die Empfehlungen zur Fortsetzung einfließen.