Stuttgart, 18. September 2020. Der seit 2013 bestehenden gesetzlichen Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz kommen bislang nur 50,3 Prozent der Organisationen nach. Das zeigt die bisher größte deutsche Arbeitgeberstudie zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) "#whatsnext2020 - Erfolgsfaktoren für gesundes Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt" der Techniker Krankenkasse (TK) in Kooperation mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) in Konstanz und der Haufe Group aus Freiburg.

Unternehmen aus Baden-Württemberg sind etwas aktiver

Weitere 15,4 Prozent der befragten Unternehmen planen eine Umsetzung. Mit 55,4 Prozent ist die Umsetzungsrate bei den in Baden-Württemberg ansässigen Betrieben etwas höher, weitere 12 Prozent hierzulande befinden sich in der Planungsphase.

Fehlzeiten wegen psychischer Diagnosen steigen weiter

Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung: "Seit Jahren beobachten wir eine kontinuierliche Zunahme von Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen." In den letzten zehn Jahren seien die Arbeitsunfähigkeitstage in Baden-Württemberg von 1,56 auf 2,28 Tage je TK-Versicherten gestiegen. Die Zahl der Fälle hätte um mehr als 40 Prozent zugenommen. "Psychische Probleme waren hierzulande 2019 der Hauptgrund für das Fehlen am Arbeitsplatz. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verwunderlich, dass so viele Unternehmen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nicht nachkommen", so Vogt.

Psychische Gefährdungsbeurteilung oft unvollständig

"Offensichtlich ist die psychische Gefährdungsbeurteilung noch nicht vollumfänglich in den Organisationen angekommen. Knackpunkt ist neben der grundsätzlichen Durchführung insbesondere auch die Überführung der Gefährdungsbeurteilung in einen kontinuierlichen Prozess", ergänzt Jan Schaller vom IFBG in Konstanz. Den idealtypischen Prozess skizziert die Richtlinie der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) in sieben Schritten. Diese werden nur von rund 30 Prozent der aktiven Unternehmen vollständig durchlaufen.

Gesundes Arbeitsumfeld reduziert Kosten

TK-Leiter Vogt appelliert an die Arbeitgeber, für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen: "Eine optimierte Arbeitskultur sorgt nicht nur für mehr gesunde und zufriedene Mitarbeiter. Gleichzeitig reduziert man dadurch auch finanzielle Belastungen sowohl für das Unternehmen selbst als auch für das Gesundheitssystem." Laut TK-Studie haben besonders kleine Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten Nachholbedarf. Nur 17 Prozent der befragten Betriebe dieser Kategorie kommen der gesetzlichen Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung nach.

Hinweis für die Redaktion

Für die Studie #whatsnext 2020 wurden im Zeitraum vom 17. Februar bis 31. März 2020 rund 1.200 Geschäftsführer, Personal- und Gesundheitsverantwortliche aus der freien Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst zu der Bedeutung und dem Stand der Umsetzung ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) befragt, davon 192 aus Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg. Partner sind die Haufe Group aus Freiburg und das Institut für betriebliche Gesundheitsförderung (IFBG) mit Sitz in Konstanz.