Über das Jubiläum in Coronazeiten sprachen wir mit der Projektleiterin Ulrike Kirchberg vom Sächsischen Musikrat e. V.

TK: Frau Kirchberg, warum ist Gesundheitsförderung für junge Musikerinnen und Musiker wichtig?

Ulrike Kirchberg: Das Musizieren im Orchester, mehrstündige Proben und Konzerte, die physische und psychische Anspannung, das ist für alle Schwerstarbeit. Man kann das mit Hochleistungssport vergleichen. Im JJO finden sich 24 Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren zusammen. Zumeist sind es Studierende der beiden sächsischen Musikhochschulen oder junge Musikerinnen und Musiker, die einen Studienvorbereitungskurs absolvieren. Diese jungen Leute sollen sich nicht nur musikalisch weiterentwickeln, sondern dabei auch lernen, mit den gesundheitlichen Risiken des Musikerberufes gut umzugehen.

Ulrike Kirch­berg

Ulrike Kirchberg, Projektleiterin beim Sächsischen Musikrat e. V. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Projektleiterin beim Sächsischen Musikrat e. V. (Foto:  Angelika Luft)

TK: Was sind das für Risiken?

Kirchberg: Es geht um Haltungsschäden, die durch falsche oder einseitige Belastungen auftreten, es geht um den Schutz des Gehörs und um die Verarbeitung des psychischen Stresses, der mit Lampenfieber vor Auftritten, mit Erfolgen und auch Misserfolgen eng zusammenhängt. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir mit Hilfe der TK seit zehn Jahren mit renommierten Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern und mit einem Psychologen zusammenarbeiten können, um die jungen Talente gesund auf das Musikerleben vorzubereiten.

Gerade in der Corona-Zeit mit den vielen Einschränkungen für Konzerte und Übungsveranstaltungen ist es in diesem Jahr besonders wichtig, das Thema Gesundheit in die Ausbildung zu integrieren. Wir müssen ganz besonders auf  Motivationshilfen und psychologische Betreuung setzen, weil wir aus dem Nachwuchs viele Existenzsorgen und Zukunftsängste widergespiegelt bekommen. 

TK: Wie sieht die Gesundheitsförderung im JJO konkret aus?

Kirchberg: In den Probenzeiten, die wir gemeinsam verbringen, beginnt der Tag mit Frühsport und Erwärmung beispielsweise mittels Chi-Gong. Wir achten auf bewegte Pausen und gutes Lüften. Beim Musizieren korrigieren wir zum Beispiel einseitige Sitzhaltungen, die zu körperlichen Fehlstellungen führen können. Es gibt viele gemeinsame Spaziergänge und verschiedene Entspannungsübungen, die die Belastungen reduzieren helfen.

Auch Meditationsübungen zur Beherrschung von Lampenfieber und ein gemeinsames Cool-down nach dem letzten Auftritt gehören zum Programm. Unsere heutigen Nachwuchsmusiker werden später oft selbst Musikschüler unterrichten. Wir schützen so besonders nachhaltig auch die kommende Musikergeneration vor bestimmten Gesundheitsgefahren. Der eigene Körper ist das wichtigste Kapital der Musikerinnen und Musiker. In den TK-Kursen des JJO lernen sie, achtsam damit umzugehen. Dieses Projekt ist bundesweit in seiner Kontinuität vorbildhaft. Überhaupt gehört die Musikergesundheit längst auch in den normalen Lehrplan. Dafür setzen wir uns weiter ein. 

Zum Hintergrund

Im Spätsommer trifft das Jugend-Jazzorchester Sachsen das erste Mal auf einen Brasilianer als künstlerischen Leiter. Der 36-Jährige Gitarrist und Posaunist Emiliano Sampaio kommt mit einem Koffer voller Ideen nach Sachsen. Man darf also gespannt sein! Das Programm präsentiert Sampaios Kompositionen von seinen letzten zwei Alben. Die jungen Musikerinnen und Musiker werden mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Dabei stehen das Zusammenspiel, die Leichtigkeit und die Interaktion im Mittelpunkt. Die Musik fördert junge Musikerinnen und Musiker solistisch denken zu lernen und gleichzeitig aber die Kooperation als Wesen des Musizierens zu verstehen. Jede Melodie ist wichtig, denn durch sie erstrahlen die Persönlichkeiten der Akteure. Essenziell ist aber das gegenseitige Hören, denn schließlich ist das Ziel, Musik zusammen zu machen. Das bedeutet vor allem kompromissbereit und offen zu bleiben. Außerdem kann man durch das Musizieren lernen wie man sich auf der Welt besser zurechtfindet. Musik ist also Leben!