Frankfurt am Main, 27. Juni 2019. Endlich ist es so weit: Vier Jahre haben sie geforscht, befragt, analysiert - jetzt liegt die erste Handlungsempfehlung für ein gezieltes "Studentisches Gesundheitsmanagement" (SGM) vor. Heute haben die TK und die LVG & AFS e. V. das Konzept vorgestellt, mit dem sich Hochschulen bundesweit auf den Weg zum gesunden Studieren machen können.

Im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main hörten rund 100 Teilnehmende, wie ein funktionierendes SGM ein ganzes Hochschulsystem darauf ausrichtet, die Gesundheit von Studierenden zu fördern und zu managen. Die Weltgesundheitsorganisation betonte 1986 in der Ottawa-Charta, dass Gesundheit dort hergestellt wird, wo Menschen arbeiten, leben, lernen, also im Alltag. Diesen Ansatz verfolgt die Settingarbeit - hier in der Hochschule.

Studentisches Gesundheitsmanagement

• Studierende teilhaben lassen: Studierende wollen selbst etwas (er)-schaffen! Mit SGM können sie etwas für das eigene Wohlbefinden tun und gleichzeitig lernen, ein Projekt an einer Institution umzusetzen. Das motiviert und sorgt für einen doppelten Mehrwert.

• In diesem Sinne ist es überdies für Studierende ein interessanter Anreiz, ein SGM zum Thema für eine Bachelor- oder Masterarbeit vorzuschlagen. 

• Ein SGM-Konzept muss berücksichtigen, dass sich die Gruppe der Studierenden mit jedem neuen Studienjahr durch systematische Zu- und Abgänge (erste und letzte Semester) verändert.

• Ein/e SGM-Koordinator/in ist wichtig, um Kontinuität zu gewährleisten, den Überblick zu behalten und die Nachhaltigkeit abzusichern. Dafür benötigen Hochschulen eine dauerfinanzierte hauptamtliche Stelle. 

• Das SGM muss sich an den besonderen Bedarfen und Bedürfnissen der Studierenden orientieren und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen sowie Hilfestellungen anbieten. Zum Beispiel: Orientierungshilfen im neuen Umfeld, Kontaktmöglichkeiten, Lern- und Rückzugsräume, gutes Ernährungsangebot, gesundheitsförderliche Prüfungsbedingungen. 

• Die richtige Ansprache ist wichtig. Wer Studierende erreichen möchte, muss sie gezielt und konkret ansprechen. Allgemeinplätze wie: "Ist Gesundheit ein wichtiges Thema?", haben zu wenig mit der Person zu tun. Besser ist: "Was brauchst Du, um Dich an der Hochschule wohlzufühlen, gesund lernen und leben zu können?" Ideal ist es, wenn sich andere Studierenden engagieren und diese Frage stellen. Dabei ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, den richtigen Rahmen zu schaffen und dafür ggf. Material und Medien in ansprechendem Design zu entwickeln sowie Lehr- und Lernbedingungen anzupassen. 

• Hochschulen, die ein SGM etablieren möchten, brauchen "Rückendeckung" durch die Hochschulleitung.

Gesunde Studierende - gesunde Gesellschaft?

"Studierende sind die potenziellen Fach- und Führungskräfte von morgen. Wer sich bereits im Studium intensiv mit der eigenen Gesundheit auseinandergesetzt hat und gesundheitsförderliche Bedingungen erlebt hat, wird ihr, auch als Fach- oder Führungskraft, einen besonderen Stellenwert geben. Davon profitiert dann langfristig die ganze Gesellschaft und wir erreichen mit dem SGM einen nachhaltigen Effekt", sagt Karen Walkenhorst, die als Mitglied des TK-Vorstandes u. a. für Personal verantwortlich ist. Es sei daher eine große Chance, in der Lebenswelt Hochschule gezielt auf die Studierenden zuzugehen, so Walkenhorst.

Dass es Handlungsbedarf gibt, belegt die TK-Studie "Gesundheit Studierender in Deutschland 2017" . Die Studie zeigt deutlich, dass vor allem das psychische Wohlbefinden der Studierenden beeinträchtigt ist: 24,4 Prozent von über 6.000 Studenten, die an einer Online-Befragung teilgenommen haben, gaben an, unter Erschöpfung zu leiden. Sicherlich spielen dabei Studienanforderungen und die begleitenden Lebensumstände eine Rolle. Viele Studierende müssen arbeiten, um das Studium zu finanzieren, auch die räumlichen Veränderungen machen ihnen zu schaffen: die Trennung von Freundeskreis und Familien sowie erstmals völlig allein für sich verantwortlich zu sein. „Diese Zusammenhänge machen deutlich, wie wichtig das Setting gesunde Hochschule ist“, erklärt Thomas Altgeld, Geschäftsführer der LVG & AFS Niedersachsen e. V.

Bei der Veranstaltung "Studentisches Gesundheitsmanagement umsetzen, etablieren, weiterentwickeln" wird auch das neue "Kompetenzzentrum Gesundheitsfördernde Hochschulen" vorgestellt. Es ist ein Kooperationsprojekt der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. und der Techniker Krankenkasse. Dieses soll die Gesundheitsförderung in der Settingwelt Hochschulen stärken.

Verfolgen Sie die Tagung auf Twitter unter #FachtagSGM19

Weiterführende Information:

Die LVG & AFS ist ein gemeinnütziger, unabhängiger und landesweit arbeitender Fachverband für Gesundheitsförderung und Prävention mit dem Ziel, zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit der Bevölkerung beizutragen. Die LVG & AFS arbeitet nicht nur in Setting-Projekten im Kita- und Schulbereich, sondern vervollständigt die Bildungskette und ist seit 1995 im Bereich gesundheitsfördernde Hochschulen aktiv.