TK: Sind Studierende heute gesundheitsbewusster als früher? Ist betriebliches Gesundheitsmanagement eventuell sogar ein Argument für Studierende bei der Wahl des Unternehmens? 

Prof. Joachim Weber, DHBW Stutt­gart

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Prof. Weber: Studierende sind mit knapp drei Millionen Personen eine große und wichtige Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Für viele von ihnen ist Gesundheit zunächst kein Thema - im Vergleich zu anderen Gruppen geht es Studierenden gesundheitlich nämlich ziemlich gut. Dennoch sind sie insbesondere durch die ständigen Prüfungssituationen einer hohen Belastung ausgesetzt, die Ängste hervorrufen kann. Depressionen und Burn-out sind dadurch auf jeden Fall Themen, mit denen Studierende heute viel bewusster und offener umgehen, als das früher der Fall war. 

Viele unserer dualen Partnerunternehmen haben ein betriebliches Gesundheitsmanagement. In diesem Kontext erleben unsere Studierenden, was ein Betrieb zur Gesundheitsförderung seiner Beschäftigten beitragen kann. Dass sie sich deswegen einen Betrieb gezielt aussuchen, glaube ich eher nicht. Für diese Entscheidung stehen eher das Interesse am Studienfach und die persönliche Karriereplanung im Vordergrund.

TK: Nehmen Sie bei den Unternehmen, mit denen Sie kooperieren, Veränderungen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement wahr? Gibt es dazu Rückmeldungen von Studierenden? 

Prof. Weber: Wir stehen stets im engen Austausch mit unseren Dualen Partnern und wissen daher, dass betrieblichem Gesundheitsmanagement seit einigen Jahren eine wachsende Bedeutung zukommt - sowohl in den großen Konzernen, als auch in den kleinen und mittelständischen Unternehmen. 

Es gibt in der Tat auch Rückmeldungen von Studierenden, die mitbekommen, dass es bei ihrem Dualen Partner ein betriebliches Gesundheitsmanagement gibt oder gerade eines aufgebaut wird und sie davon während der Praxisphasen Gebrauch machen. Wenn sie dann zur Theoriephase wieder hier an die DHBW Stuttgart kommen, profitieren sie von den Angeboten, die wir als gesundheitsfördernde Hochschule für die Studierenden haben: Darunter sind ganz neue Angebote, wie beispielsweise die "TK-Mentalstrategien" oder solche, die sich bereits seit vielen Jahren etabliert und bewährt haben, wie die Kurse unseres Hochschulsports.

TK: Die DHBW hat sich das Label "gesundheitsfördernde Hochschule" auf die Fahne geschrieben. Was für Inhalte und Ziele verbinden Sie damit?

Prof. Weber: Wir wollen als gesundheitsfördernde DHBW Stuttgart dazu beitragen, dass unsere Studierenden und Beschäftigen gesund sind und es auch bleiben. Wer gesund ist, kommt gerne zur Vorlesung oder an den Arbeitsplatz und ist leistungsbereiter und motivierter, was sich unmittelbar auf den Studienerfolg auswirken kann. 

Ich sehe Gesundheitsförderung an der DHBW Stuttgart allerdings auch als Investition in unsere gesamtgesellschaftliche Zukunft: Viele unserer Studierenden werden später in verantwortungsvollen Positionen arbeiten und ihr Gesundheitsbewusstsein bei der Gestaltung der Lebens- und Arbeitsbedingungen anderer Menschen miteinbeziehen. Wir tragen daher eine bildungspolitische Verantwortung, die weit über einzelne gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Akuthilfe hinausgeht.

TK: Die TK ist Partner beim Projekt "gesundheitsfördernde Hochschule". Welche Erwartungen haben Sie an den Projektpartner?

Prof. Weber: Die TK unterstützt uns im Rahmen ihres Auftrages zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten sowie zur betrieblichen Gesundheitsförderung auf vielfältige Art und Weise.

Das Gesundheitsmanagement an der DHBW Stuttgart befindet sich noch im Aufbau. Wir profitieren daher sehr von der Expertise im Bereich Gesundheitsmanagement und der fundierten Prozessberatungs- und Organisationsentwicklungskompetenz, die die Beraterinnen und Berater der TK mitbringen. Die TK bringt zum einen zahlreiche Instrumente der Gesundheitsförderung mit, die sich bereits an anderen Hochschulen bewährt haben und die auf die DHBW Stuttgart übertragbar sind. 

Zudem erhalten wir auch immer wieder Impulse zur Entwicklung eigener Maßnahmen, wie z. B. zur Bewegungs-App "DHBeWegt Dich“ oder zum Pausensportprogramm "Fit2go“. Durch die unterstützende Begleitung der TK wird für uns der Weg zur Implementierung eines bedarfsgerechten Gesundheitsmanagements möglich gemacht.

TK: Das Studienangebot wird zunehmend differenzierter. Gibt es eine zunehmende Nachfrage nach gesundheitsbezogenen Studiengängen und - falls ja - wie reagieren Sie darauf?

Prof. Weber: Am Studienzentrum Gesundheitswissenschaften und Management haben wir neben den bereits länger etablierten Studiengängen BWL-Gesundheitsmanagement und Angewandte Gesundheits- und Pflegewissenschaften seit Oktober 2017 auch die Studiengänge Angewandte Hebammenwissenschaft und Angewandte Pflegewissenschaft fest ins Programm genommen. Wir reagieren damit auf die steigende Nachfrage nach Fachkräften in diesen Bereichen und auf die aktuellsten Entwicklungen in der Gesellschaft. 

Die Anforderungen in den Gesundheitsberufen werden immer komplexer, die Aufgaben und Tätigkeitsfelder verändern sich. Die Fähigkeit, strukturiert zu denken und wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen ist daher von zunehmender Wichtigkeit. Unsere Absolventinnen und Absolventen lernen genau das durch das Zusammenspiel aus Theorie- und Praxisphasen im dualen Studium.

Glücklicherweise steigt die Nachfrage nach Studienplätzen im Bereich Gesundheit auch bei den Studieninteressierten, sodass sich unsere Dualen Partner über zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber freuen können. Ein weiterer Ausbau des Studienbereichs Gesundheit und die mittelfristige Entwicklung einer eigenständigen Fakultät sind geplant.

Zur Person:

Prof. Dr. Joachim Weber studierte Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Stuttgart und promovierte auf dem Gebiet des Controlling international tätiger Unternehmen. Vor und neben seiner Laufbahn als Professor und Studiengangleiter an der DHBW Stuttgart lehrte er an verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Seit Januar 2006 ist er Rektor der DHBW Stuttgart. Weber ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Stuttgart.