Stuttgart, 7. Februar 2022. Die Unternehmen in Baden-Württemberg werden nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) zunehmend von älteren Beschäftigten geprägt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die das 65. Lebensjahr erreicht oder überschritten haben, ist im vergangenen Jahr im Südwesten um rund neun Prozent angestiegen und lag im Juni 2021 bei 63.408. Die TK beruft sich dabei auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

"Die Altersstruktur in den Belegschaften ändert sich langsam aber stetig. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 65 Jahren um 66 Prozent vergrößert", sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. 

Wie die aktuelle Stressstudie der TK zeigt, sind die "silver worker" den Anforderungen des modernen Berufslebens durchaus gewachsen. Die Berufstätigen über 60 sehen sich genauso wie die jüngeren Kolleginnen und Kollegen in der Lage, beim Arbeitstempo mitzuhalten und fühlen sich durch berufliche Herausforderungen eher angespornt als abgearbeitet und verbraucht. 

Wertvolle Berufserfahrung

Die langjährige Berufserfahrung ist für die Unternehmen von Vorteil:  Nur fünf Prozent der älteren Menschen im Arbeitsleben über 60 lassen sich oft durch ungenaue Anweisungen und Vorgaben aus der Ruhe bringen. Bei den jüngeren Beschäftigten sind es 20 Prozent. Und während sich von den 40- bis 59-Jährigen jeder Vierte durch Informationsüberflutung gestresst fühlt, sind es bei den über 60-Jährigen nur 15 Prozent. "Mit ihrer Routine sind die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen oft der Fels in der Brandung" betont Nadia Mussa.

Zu geringer Handlungsspielraum

Bedenklich ist aus Sicht der TK-Landesvertretung allerdings, dass die "silver worker" oft Probleme haben, ihren Platz im Team zu finden. Fast jeder zweite Berufstätige ab 60 beklagt einen zu geringen Handlungsspielraum am Arbeitsplatz, bei den Jüngeren liegt diese Quote unter 30 Prozent. Das geht einher mit Problemen mit den Vorgesetzten, unter denen 27 Prozent der älteren Beschäftigten leiden - im Vergleich zu rund 15 Prozent bei den jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Die Folge ist schlechte Stimmung im Team, die jeder fünfte ältere Beschäftigte als starkes Problem empfindet, doppelt so viele wie die der übrigen Belegschaft. 

Gesundheitsmanagement lohnt sich

"Durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können solche Probleme erkannt und behoben werden", erläutert Nadia Mussa. Viele Unternehmen, darunter auch kleine und mittlere Betriebe, hätten mittlerweile erkannt, dass sich die Investition in ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt. "Speziell geschulte Demografieberaterinnen und -berater der TK stehen hier mit Rat und Tat zur Seite", so die Leiterin der TK-Landesvertretung. 

Hinweis für die Redaktion: 

Für die TK-Stressstudie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im März 2021 im Auftrag der TK zum vierten Mal einen bevölkerungsrepräsentativen Querschnitt der Erwachsenen in Deutschland zu ihrem Stresslevel und ihrem Umgang mit Stress.