Mainz, 22. Februar 2022. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten über 65 Jahre in Rheinland-Pfalz um 9,3 Prozent erhöht. Nach Angaben der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) waren im Juni 2021 im Land insgesamt 19.598 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 65 Jahre und älter, davon rund 12.000 Männer und 7.500 Frauen. Die TK beruft sich auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. 

"Aufgrund der steigenden Regelaltersgrenze wird sich die Altersstruktur in den Unternehmen zunehmend ändern. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der rheinland-pfälzischen Mitarbeitenden über 65 Jahre um 64 Prozent gestiegen", sagt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung. "Interessant ist meiner Meinung nach, dass rund zwei Drittel der rund 19.600 Mitarbeitenden über 65 Jahre zudem über der Regelarbeitsgrenze liegen, also eigentlich bereits Rente beziehen könnten. Dafür könnte es mehrere Erklärungen geben: Die Rente reicht nicht aus oder kann aufgrund zu kurzer Sozialversicherungspflicht nicht gezahlt werden oder aber die Menschen haben einfach Lust, weiterzuarbeiten." 

Letzteres hat auch für die Unternehmen Vorteile, wenn das gesammelte Wissen der älteren Kolleginnen und Kollegen länger zur Verfügung stellt. "Viele Unternehmen schätzen den Erfahrungsschatz der sogenannten "Silver Worker", der sich über viele Jahre aufgebaut hat - gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Und viele von ihnen sind junggeblieben und körperlich und geistig fit", sagt Simon. Dass dazu auch noch eine gewisse Gelassenheit kommt, zeigt die aktuelle TK-Stressstudie. Demnach gab jeder oder jede zweite Befragte zwischen 60 und 69 Jahre an, selten oder nie gestresst zu sein. Zwei Drittel der noch Berufstätigen in dieser Altersklasse sagten, ihre Arbeit mache ihnen Spaß und sei ein wichtiger Teil ihres Lebens.

Dabei fühlen sie sich - so das Ergebnis der Studie - weniger durch Informationsüberflutung oder ungenaue Anweisungen und Vorgaben belastet als jüngere Kolleginnen und Kollegen, erfahren aber weitaus häufiger als der Durchschnitt schlechte Stimmung im Team und zu wenig Handlungsspielraum. Hinzu kommen bei gut einem Viertel (27 Prozent) der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Probleme mit Vorgesetzten, bei den jüngeren Befragten zwischen 30 und 59 Jahren gaben dies nur etwa 16 Prozent an.

"Maßgeblich ist für Unternehmen ein wertschätzender, respektvoller Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, egal, wie alt sie sind. Das gilt natürlich auch untereinander im Team", meint Simon. Wichtig sei, dass Mitarbeitende hinsichtlich ihrer Qualifikationen so eingesetzt würden, dass sie ihr Potential ausschöpfen könnten. "Mit Hilfe des betrieblichen Gesundheitsmanagements können Problemfelder erkannt und angegangen werden. Die Investition in die betriebliche Gesundheitsförderung lohnt sich auch insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen", ist Simon überzeugt. Bei der TK stünden hierfür speziell geschulte Demografieberaterinnen und -berater zur Seite.

Hinweis für die Redaktion: 

Für die TK-Stressstudie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im März 2021 im Auftrag der TK einen bevölkerungsrepräsentativen Querschnitt der Erwachsenen in Deutschland zu ihrem Stresslevel und ihrem Umgang mit Stress.