TK: Frau Wagner, die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH beschäftigt sich im Rahmen des BGM auch mit dem Thema Schlaf. Das ist doch eher ungewöhnlich - wie kam es dazu?

 Wagner:  Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem im Fahrdienst, arbeiten in Schichtarbeit. Der normale Tag-/Nacht-Rhythmus wird dabei regelmäßig durcheinandergebracht. Aus Studien wissen wir, dass sich dabei auch die Qualität des Schlafes verändert. Die für die Regeneration wichtigen Tiefschlafphasen werden nur noch verkürzt oder gar nicht mehr erreicht, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Gerade im Fahrdienst können unausgeschlafene Mitarbeiter zudem ein Sicherheitsrisiko darstellen. Deswegen haben wir uns die Frage gestellt, wie wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich bei allen Fragestellungen rund um das Thema "gesunder Schlaf" unterstützen können.  

TK: Welche Maßnahmen bieten Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konkret an?

Wagner: Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH sahen wir die Notwendigkeit von Informations- und Beratungsangeboten vor Ort im Unternehmen. Dafür haben wir in einem ersten Schritt im Fahrdienst die entsprechenden Teamleiter zu "Schlafbotschaftern" ausgebildet. Diese können als Anlaufstelle für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fungieren und dadurch eine wertvolle Lotsenfunktion übernehmen. Zusätzlich halten die Schlafbotschafter in unseren Teamsitzungen Kurzvorträge und vermitteln dabei die Schlafbasics sowie Tipps und Übungen rund um das Thema "gesunder Schlaf“. Weiterhin bieten wir allen Beschäftigten regelmäßig Schlafvorträge an, welche während der Arbeitszeit besucht werden können.

TK: Welche Erfahrungen haben Sie bereits gesammelt und wie sind die Rückmeldungen aus der Belegschaft? Gab es auch Widerstände zu überwinden?

Wagner: In vielen Mitarbeitergesprächen haben wir festgestellt, dass das Thema "Schlaf", gerade im Schichtdienst, ein hochsensibles Thema ist. Schlaf und Ruhen ist vor allem am Arbeitsplatz tabuisiert. Ich sehe darin ein gesellschaftliches Phänomen. Man gilt als faul, wenn man tagsüber ruht oder schläft. Auch einige unserer Mitarbeiter sind aktuell noch skeptisch. Doch die hohen Anwesenheitszahlen in den Schlafvorträgen zeigen, dass ein Interesse besteht und wir auf dem richtigen Weg sind.

TK: Wird das Projekt von anderen Verkehrsbetrieben wahrgenommen bzw. auch anderswo umgesetzt?

Wagner: Wir sind zwar im engen Austausch mit anderen Verkehrsunternehmen, aber mir ist nicht bekannt, dass anderswo ein ähnliches Projekt umgesetzt wird.

TK: Was sind aus Ihrer Sicht weitere Zukunftsthemen des BGM?

Wagner: Ein spannendes Thema sehe ich im Bereich der Digitalisierung. Diese prägt zunehmend unser gesamtes Leben und bietet ein spannendes Betätigungsfeld, auch im Bereich des BGM. Dies können zum Beispiel verschiedene Softwarelösungen oder Apps sein, aber auch E-Learningangebote oder Tutorials. Die zunehmende Nutzung von Smartphones oder Tablets, auch unternehmensintern, ermöglichen hier neue Kommunikations- und Lernwege auch außerhalb der Arbeitszeit. Ich denke da zum Beispiel an die Nutzung von Online-Fitnessportalen oder Online-Coachings. Dies ist ein sehr spannendes Feld für die betriebliche Gesundheitsförderung auch für unser Unternehmen.

Zur Person

Stefanie Wagner ist Personalentwicklerin bei der rnv GmbH in Mannheim und koordiniert dort das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Freiberuflich betreut sie als Beraterin und Trainerin verschiedene Unternehmen im Rhein-Neckar-Kreis rund um das Thema Mitarbeitergesundheit.