Demnach sind ein Viertel aller Studierenden im Dauerstress. Vor allen Dingen Studentinnen fühlen sich häufig psychisch belastet. Jede fünfte von ihnen gibt an, unter den Symptomen einer generalisierten Angststörung zu leiden.

Um auf die hohen Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Studierenden zu reagieren und den Studienalltag gesundheitsförderlich zu gestalten, führt die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) als erste Hochschule in Hamburg ein Studentisches Gesundheitsmanagement (SGM) ein.

Prof. Dr. Wolf Polenz, Dozent an der Fakultät Life Sciences für das Department Gesundheitswissenschaften an der HAW Hamburg und Projektleiter, erklärt, was ein gutes SGM ausmacht.

TK: Herr Professor Polenz, was ist ein Studentisches Gesundheitsmanagement und warum ist es wichtig, die Gesundheit Studierender vor Ort an der Hochschule zu stärken?

Prof. Dr. Wolf Polenz: Studierende bilden die größte Statusgruppe im Setting Hochschule. Die Studienzeit gilt als zeitlich begrenzte Entwicklungsphase von besonderer Qualität und trägt maßgeblich zur Kompetenzentwicklung zukünftiger Führungskräfte und Entscheidungsträger/innen in der Gesellschaft bei. 

Prof. Dr. Wolf Polenz

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Fakultät Life Sciences für das Department Gesundheitswissenschaften an der HAW Hamburg

Der Aufbau eines SGM ist ein längerer Prozess, der die externe Unterstützung im Rahmen des Präventionsgesetzes durch Krankenkassen benötigt. Prof. Dr. Wolf Polenz

Studentisches Gesundheitsmanagement (SGM) ist ein Prozess, der die gesundheitsgerechtere Gestaltung von Studium und Lehre sowie die Unterstützung bei gesundheitsgerechteren Verhaltensweisen im Rahmen des Präventionsgesetzes im Setting Hochschule zum Ziel hat. An der HAW Hamburg sollen im Rahmen des Projektes "CamPuls" gezielt bedarfsspezifische und wirksame Analysen sowie Maßnahmen durchgeführt und organisatorische sowie strukturelle Rahmenbedingungen für die nachhaltige Verankerung eines gesundheitsförderlichen Studiums geschaffen werden. 

TK: Das SGM ist ein Teil des Projekts CamPuls, welches die TK seit Anfang des Jahres fördert. Was ist das Ziel des Projekts?

Polenz: Ziel des Projekts ist, die Qualifikationen der Absolventinnen und Absolventen um gesundheitsförderliche Kompetenzen im Rahmen einer Kompetenz-Werkstatt zu erweitern und diese Erweiterung zu evaluieren. Parallel werden für die Studierenden verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen angeboten beziehungsweise implementiert und auf die Wirksamkeit hin evaluiert.

Der Aufbau eines SGM ist ein längerer Prozess, der die externe Unterstützung im Rahmen des Präventionsgesetzes durch Krankenkassen benötigt. Die Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsfördernder Hochschulen (AGH) hat dafür zehn Kriterien zur Orientierung im Vorgehen benannt. An der Hochschule müssen zunächst die Stakeholder für das Thema einer „Gesundheitsfördernden Hochschule“ (GFHS) gewonnen werden. Dann werden Strukturen aufgebaut und Prozesse zur Zielverfolgung definiert. Das SGM ist in Kombination mit dem bestehenden Betrieblichen Gesundheitsmanagement der HAW ein wichtiger Zwischenschritt. Langfristig soll das Setting einer GFHS an der HAW gestaltet werden.

TK: Gerade während der Corona-Pandemie stehen Studierende vor enormen Herausforderungen. Wie unterstützen Sie sie in dieser besonderen Situation?

Polenz: Die Corona-Pandemie führt zur sozialen Isolation der Studierenden. Wir bieten im Rahmen von "CamPuls" digitale Angebote zu den Themen "psychische Gesundheit stärken", Mentaltraining, Zeit- und Selbstmanagement in Kooperation mit dem Hochschulsport und der TK an. Über die HAW-Lernplattform stellen wir Wissenswertes zu den Themen Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung zur Verfügung sowie Übungen, die auch allein zu Hause durchgeführt werden können. Unser als Präsenzveranstaltung im Sommersemester geplantes Gesundheitsfestival wird den Studierenden ebenfalls als digitale Aktion angeboten.

Studierende erreichen wir heute zusätzlich auch über soziale Medien. "CamPuls" hat einen Instagram-Kanal (@campuls_haw), über den wir Challenges ausrufen wie zum Beispiel die Lieblingsrezepte unserer Ökotrophologie Studierenden für ein Kochbuch zur gesunden Ernährung zu sammeln oder den Anbau von einem heimischen Kräutergarten als Upcycling-Maßnahme auf der Fensterbank anzuregen. Zwischendurch fordern wir zu bewegten Pausen in der Online-Lehre auf. 

Hintergrund

"CamPuls" ist ein Forschungsprojekt zur Förderung und Entwicklung der Studierendengesundheit an der HAW Hamburg. Das Projekt wird in den nächsten beiden Jahren von der TK gefördert. Das Projektteam besteht aus Prof. Dr. Wolf Polenz (Projektleiter), Dipl.-Gesundheitswirtin Nina Hielscher und Gesundheitswissenschaftlerin (B.Sc.) Kathrin Poggel. CamPuls ist an der Fakultät Life Sciences in dem Department Gesundheitswissenschaften der HAW Hamburg angesiedelt.

Für die Studie zur "Gesundheit Studierender in Deutschland 2017" , einer Kooperation des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), der Freien Universität Berlin und der Techniker Krankenkasse (TK), haben mehr als 6.000 Studierende an einer Online-Befragung teilgenommen. Weitere Informationen zur Gesundheit Studierender in Deutschland gibt es auf www.tk.de.