Mainz, 9. Oktober 2019. Mehr als jeder vierte rheinland-pfälzische Arbeitnehmer (26,9 Prozent), der wegen einer Erkältung krankgeschrieben wird, erhält ein Rezept für ein Antibiotikum, so ein Ergebnis des Gesundheitsreports 2019 der Techniker Krankenkasse (TK). Doch häufig ist das gar nicht notwendig, denn in der Regel sind es Viren, die Husten, Schnupfen und Heiserkeit verursachen - und gegen diese Erreger helfen keine Antibiotika. In so einem Fall können sie sogar eher schaden. Denn der hohe, zum Teil unnötige Antibiotikaeinsatz führt zu Resistenzen, also Bakterienstämmen, gegen die unter Umständen gar keine Antibiotika mehr wirken.

Rheinland-Pfalz und Saarland weit über Bundesdurchschnitt

"Positiv ist, dass wir seit 2014 im Land einen Rückgang bei den Antibiotika-Verordnungen bei grippalen Infekten sehen. Denn 2014 bekamen sogar noch knapp 39 Prozent der Arbeitnehmer in diesen Fällen Antibiotika verordnet. Trotzdem liegen wir in Rheinland-Pfalz immer noch fünf Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt von 22 Prozent und stehen wie so oft bei ähnlichen Auswertungen mit dem Saarland an der Spitze. Eine offensichtliche Antwort, warum das so ist, gibt es jedoch nicht", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz.

Sprechende Medizin mehr in den Vordergrund rücken

Aufklärung sei deshalb weiterhin notwendig. "Wenn Patienten wissen, dass sie durch eine Erkältung einfach durch müssen und auch Antibiotika die Heilung nicht beschleunigen, können sie eher damit umgehen, dass sie vom Hausarzt statt Medikamente den guten Rat erhalten, sich ins Bett zu legen." Hier komme auch wieder die von der TK geforderte Stärkung der sprechenden Medizin ins Spiel. Simon: "Damit dem Arzt mehr Zeit für das Patientengespräch zur Verfügung steht, könnte das Praxispersonal künftig mehr Aufgaben übernehmen, die den Arzt entlasten. Dazu zählen etwa Kontrollmessungen oder Routinehausbesuche, bei denen der Arzt telemedizinisch eingebunden wird."

TK schlägt Dokumentationspflicht vor

Alleine mit Appellen sei es jedoch nicht getan, glaubt Simon. Es müssten mehr Anstrengungen unternommen werden, den unnötigen Antibiotikaverbrauch zu senken und Resistenzen zu verhindern. "Die TK schlägt deshalb insbesondere in Kliniken gezielte Maßnahmen vor: Die Dokumentationspflicht beim Antibiotikaeinsatz, die Konsultationspflicht der Krankenhausapotheke beim Einsatz von Reserve-Antibiotika sowie ein verpflichtendes Eingangsscreening für Risiko-Patienten bei ausgewählten Eingriffen in Krankenhäusern", erläutert Simon.

Zudem solle beim Investitionsprogramm für die Krankenhäuser anteilig eine Zweckbindung für Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienestandards enthalten sein sowie mit Mitteln der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine bessere Aufklärung zur Hygiene und zur Infektionsprävention erfolgen, fordert Simon. "Es gibt viele Punkte, an den man ansetzen muss. Ganz wichtig ist beispielsweise auch die Händehygiene im ambulanten, stationären und im pflegerischen Bereich. Die TK unterstützt deshalb die Aktion Saubere Hände, an der sich mehr als die Hälfte der rheinland-pfälzischen Krankenhäuser beteiligt", sagt der TK-Landeschef. Experten gehen davon aus, dass sich alleine hierdurch ein Drittel der Klinikinfektionen verhindern ließen.
 

Hinweis für die Redaktion

Bei den Daten handelt es sich um Zahlen aus dem TK- Gesundheitsreport  .