Stuttgart, 30. Juni 2021. In Baden-Württemberg haben im Frühjahr 2021 mehr Menschen unter den Corona-Restriktionen gelitten als im ersten Lockdown 2020. Das zeigt die Neuauflage einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zur Coronapandemie. Demnach fühlte sich jede bzw. jeder zweite Befragte im Land im März dieses Jahres - zur Hochphase des zweiten Lockdowns – stark oder sehr stark von der Situation belastet. Bei einer ersten Befragung im Mai 2020 zu Beginn der Pandemie bestätigten diese Aussage nur 37 Prozent. Damit stieg die gefühlte Belastung um mehr als ein Drittel.

Soziale Interaktion fehlt am meisten

Hauptbelastungsfaktor bei beiden Umfragen waren fehlende persönliche Treffen mit Verwandten und Freunden mit jeweils 85 Prozent. Deutlich gesteigert hat sich die Belastung von Familien mit Kindern durch Kita- und Schulschließungen von 55 auf 75 Prozent sowie bei Berufstätigen durch mehr Stress am Arbeitsplatz von 31 auf 50 Prozent.

Viele fühlen sich einsam und niedergeschlagen

"Die psychischen Auswirkungen haben sich bei vielen Menschen in diesem Frühjahr im Vergleich zum ersten Lockdown nochmals verstärkt", erklärt Markus Koffner, Leiter Regionales Vertragswesen bei der TK-Landesvertretung. "Mehr als die Hälfte der Befragten bestätigten in der letzten Umfrage, dass sie sich durch Corona einsamer fühlen als zuvor.“ Diese Aussage machten im Vorjahr nur 30 Prozent. Auch die Quote derer, die über Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit berichten, stieg deutlich von 22 auf 42 Prozent.

Keine Auswirkung auf Krankenstand

Die Analyse von Fehlzeiten der TK-Versicherten in Baden-Württemberg liefert allerdings keine Hinweise auf eine grundsätzliche Verschlechterung der Gesundheit von Erwerbspersonen durch die Coronapandemie. Mit 3,39 Prozent lag der Krankenstand im Jahr 2020 sogar unter den Werten der Vorjahre (2019 3,46 Prozent; 2018 3,49 Prozent).

AHA-Regeln verhindern Infektionen

"Das ist vor allem auf weniger Krankschreibungen aufgrund von Atemwegserkrankungen zurückzuführen", so Koffner. Die Abstands- und Hygieneregeln hätten offenbar nicht nur dazu beigetragen, die Verbreitung von Sars-CoV-2 zu reduzieren, sondern auch die vieler anderer Infektionserkrankungen.

Psychische Diagnosen steigen weiter

Den größten Anteil am Krankenstand machen mit 19 Prozent die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen aus. Aber: "Diese Entwicklung muss nicht zwangsläufig durch Corona bedingt sein. Eine jährliche moderate Steigerung der Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen sind im Südwesten schon seit gut 15 Jahren zu beobachten", so TK-Leiter Koffner. Auf Platz zwei und drei folgen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems - vor allem Rückenprobleme - sowie Krankheiten des Atmungssystems jeweils mit etwa 16,8 Prozent.

Hinweise für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneiverordnungen ihrer 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet, davon 599.000 mit Wohnsitz in Baden-Württemberg. Dazu zählen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Für die Befragungen wurden jeweils im Mai 2020 und März 2021 bevölkerungsrepräsentativ 1.000 Menschen vom Meinungsforschungsinstitut Forsa bundesweit telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt.