Kiel/Flensburg 18. März 2021. Cybermobbing nimmt bei Kindern und Jugendlichen immer weiter zu. Das belegt die Studie "Cyberlife III - Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern", welche in Kooperation mit dem Bündnis gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse (TK) herausgegeben wurde. Die Auswertung zeigt, dass Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 21 Jahren häufiger von Cybermobbing betroffen sind als es noch vor drei Jahren der Fall war. Demnach waren es im Jahr 2017 insgesamt 12,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler - 2020 lag die Zahl der Betroffenen bei 17,3 Prozent. Dies entspricht einem Anstieg um mehr als ein Drittel. Deutschlandweit sind das in absoluten Zahlen fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche.

"Die Pandemie verschärft die Situation noch einmal. Reale Kontakte sind aktuell auf ein Minimum begrenzt. Der Austausch untereinander findet fast nur noch online statt - und hat damit enorm an emotionaler Bedeutung gewonnen", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. 

Auch Ulrik Damitz, Polizist und zertifizierter Deeskalationstrainer aus Flensburg, bestätigt: "Im letzten Jahr haben mich deutlich mehr Schulen zu dem Thema kontaktiert." Als Polizist ist er verpflichtet, bei Kenntnis einer Straftat tätig zu werden. Dieses könne allerdings niemals als alleiniger Schlüssel zu einer Verhaltensveränderung gesehen werden, so der Beamte. Daher investiere die Polizei auch stark in präventive Themen in sehr guter Zusammenarbeit mit den Schulen. Als Gewalttrainer berät er Lehrerkollegien, um dort das Thema in Gänze zu behandeln und im besten Fall dafür zu sorgen, dass Mobbing gar nicht erst entsteht und die Polizei kommen muss. "Wir können die Dinge, die hier bei Kindern und Jugendlichen passieren, nicht als Feuerwehr immer wieder löschen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Brände gar nicht erst entstehen und dafür einen stabilen Brandschutz installieren", sagt er. Im ausführlichen Interview berichtet er über seine Arbeit.

TK setzt auf Prävention

Damit jegliche Form von Mobbing gar nicht erst entsteht, engagiert sich auch die TK bereits seit Jahren für das Thema. Im November 2019 hat die TK gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holsteins und dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) eine neue Onlineplattform gegen Mobbing an Schulen vorgestellt. Seit dem Schuljahr 2019/2020 steht die Plattform zur Verfügung. Mit Hilfe umfangreicher kostenfreier Materialien können interessierte Schulen bis zu fünf Projekttage gestalten, um Mädchen und Jungen sowie Eltern und Lehrende für die Problematik zu sensibilisieren, um so Mobbing nachhaltig zu vermeiden. 

"Mehr als 200 Schulen in Schleswig-Holstein haben das Präventionsangebot bereits genutzt", berichtet Schmidt-Bodenstein. "Jeder Fall von Mobbing, der dadurch vermieden werden kann, ist ein echter Erfolg. Denn wer ständig gehänselt, beleidigt und ausgegrenzt wird, kann weitreichende seelische und körperliche Folgen erleiden." Dazu gehörten beispielsweise Schlafstörungen, Ängste oder  Despressionen. 

Die Umstellung von dem analogen Anti-Mobbing-Koffer auf das digitale Angebot vor eineinhalb Jahren sei besonders in Zeiten von Homeschooling hilfreich. Ideen für die Umsetzung im Hybridunterricht finden Lehrerinnen und Lehrer in einer neuen Sammlung auf der Plattform "Gemeinsam Klasse sein". Die notwendige Fortbildung für die Pädagoginnen und Pädagogen wurde bereits auf ein Online-Format umgestellt. 

Hinweis für die Redaktion

Für die Studie wurden im Zeitraum von Februar bis November 2020 mehr als 6.000 Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler zum Thema Mobbing und Cybermobbing befragt.

Die Online-Plattform Gemeinsam Klasse sein  wurde in Kooperation mit der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg für den Einsatz an weiterführenden Schulen konzipiert und richtet sich an die Jahrgangsstufen fünf bis sieben. 

Hinweis für interessierte Schulen

Schulen, die "Gemeinsam Klasse sein" nutzen wollen, können sich auf der Projektseite unter www.gemeinsam-klasse-sein.de über das Projekt informieren. Ansprechpartnerin für die Fortbildung ist Frau Heike Teske vom IQSH, E-Mail: mobbingfreie.schule@iqsh.de