München, 28. Juli 2021. Während im Jahr 2020 der Krankenstand in Bayern insgesamt gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent gesunken ist, ist er im gleichen Zeitraum bei den Pflegekräften um fünf Prozent gestiegen.

"Die Differenz der Fehltage bei den professionell Pflegenden gegenüber anderen Erwerbstätigen wird immer größer", sagt Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern. "Mittlerweile beträgt der rechnerische Unterschied im Schnitt mehr als acht Fehltage im Jahr je Erwerbstätigen." Wie der TK-Gesundheitsreport zeigt, fehlten Pflegekräfte in Bayern durchschnittlich 21,1 Tage am Arbeitsplatz - einen Tag mehr als im Vorjahr. Der Durchschnitt bei allen Erwerbstätigen im Freistaat lag bei 12,9 krankheitsbedingten Fehltagen. Das ist knapp ein halber Tag weniger als im Jahr zuvor. 

Hohe Arbeitsdichte, Fachkräftemangel und falsche Anreize bei Klinikfinanzierung

Eine hohe Arbeitsdichte, Fachkräftemangel sowie zusätzliche Belastungen durch die Pandemie fordern die Pflegekräfte körperlich und psychisch bis zur Belastungsgrenze. Hinzu kommt eine Klinikfinanzierung, die eher Quantität als Qualität belohnt. Bredl: "Fast jeder zweite Klinikaufenthalt ist inzwischen ein Kurzlieger, Tages- oder Stundenfall. Das ist für das Klinikpersonal eine zusätzliche Belastung. Aus meiner Sicht wäre etwa jeder fünfte Krankenhausaufenthalt vermeidbar, wenn wir beispielsweise endlich die Anreize innerhalb unserer Krankenhausfinanzierung entsprechend reformieren würden."

Gesundheitsfördernde Strukturen im Pflege-Berufsalltag ausbauen

Daneben muss der Pflege-Berufsalltag mit gesundheitsfördernden Strukturen begleitet werden, um die Arbeitsbedingungen positiv zu verändern. "So können wir Pflegefachkräfte im Beruf halten und das Arbeitsgebiet für Nachwuchskräfte attraktiv gestalten", erklärt Bredl. Darum fördert die TK sowohl in Bayern als auch bundesweit gezielt Projekte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements für professionell Pflegende. Im Freistaat unterstützt die Kasse finanziell zwei große, wissenschaftlich begleitete Präventionsprojekte in Pflegeeinrichtungen.

Beim Projekt CaResource, das die Technische Universität München (TU München) in insgesamt sechs Einrichtungen in München, Kaufering und Augsburg umsetzt, sollen körperliche und psychischen Belastungen der Pflegekräfte reduziert werden. Gleichzeitig soll sich für die zu Pflegenden die Lebensqualität verbessern. Im Raum Erlangen fördert die TK das Projekt PROCARE, das die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an sechs stationären Einrichtungen erprobt. Hier soll durch gezielte Präventionsarbeit vor allem die Rückengesundheit aller Beschäftigen in den Einrichtungen gestärkt werden.

Bundesweit besteht die Möglichkeit, über den Förderantrag "Starke Pflege"  langfristig und nachhaltig angelegte Projekte umzusetzen. Stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser werden dabei unterstützt, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten sowie für Pflegebedürftige.

Hinweis für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneiverordnungen ihrer 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet, davon wohnten über 760.000 in Bayern. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I.