Stuttgart, 22. Juli 2021. Pflegekräfte in Baden-Württemberg sind im Vergleich zu anderen Berufsgruppen gesundheitlich deutlich mehr belastet. Mit 19,5 Tagen fehlten professionell Pflegende 2020 gut sieben Tage länger als der Durchschnitt der Erwerbstätigen (12,4 Tage). Das zeigt eine Sonderauswertung des Gesundheitsreports 2021 der Techniker Krankenkasse (TK).

Pflegekräfte gegen den Trend

Während allgemein der Krankenstand im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, hat sich die Zahl der Fehltage von in der Alten- und Krankenpflege Beschäftigten um 1,2 Tage erhöht. "Diese alarmierende Entwicklung zeigt, dass es einen vielschichtigen Ansatz braucht, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die pflegen, das möglichst lange und gerne tun. Dafür ist ein gesunder Berufsalltag der Schlüsselfaktor", so Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung.

Besonders Rücken und Psyche leiden

Der Gesundheitsreport offenbart, dass Pflege noch einmal stärker als andere Tätigkeiten an die Substanz geht, sowohl körperlich als auch seelisch: Pflegekräfte fehlten überdurchschnittlich oft wegen Muskel-Skelett-Beschwerden wie Rückenschmerzen oder wegen psychischer Erkrankungen. Mit 4,9 beziehungsweise 4,8 Tagen lagen die Werte deutlich über den Durchschnittswerten aller Erwerbstätigen (2,6 und 2,7 Tage). 

Digitalisierung kann unterstützen

"Nur wenn es gelingt, die Attraktivität der Pflegeberufe durch angemessene Bezahlung, moderne Aus- und Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten und begleitende Präventionsangebote deutlich zu erhöhen, erreichen wir mehr Zufriedenheit bei allen Beteiligten", betont Mussa. Die Digitalisierung biete dabei großes Potenzial, um die Pflegenden zu unterstützen und den Alltag auch für pflegende Angehörige zu erleichtern. 

Gezielte Prävention ist nötig

Die TK fördert gezielt Projekte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements im Bereich der professionellen Pflege. Wichtige Aspekte sind dabei beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder gesundheitsförderliche Führungsstrukturen und Arbeitsabläufe. Die Projekte werden in Kooperation mit Hochschulen wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Pflegebegleitung via App

Auch informell Pflegende wie Angehörige oder Freundinnen und Freunde sind in einer Pflegesituation besonders gefordert. Eine Orientierungshilfe bietet ihnen die App TK-PflegeKompakt. Sie fasst wichtige Informationen, Ansprechpersonen und Angebote zusammen, die betroffenen Personen die Pflege erleichtern können. 

So funktioniert TK-PflegeKompakt

Hinweis für die Redaktion 

Für die aktuelle Auswertung hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ihrer rund 5,4 Millionen versicherten Erwerbspersonen betrachtet, davon 599.000 mit Wohnsitz in Baden-Württemberg. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger und Empfängerinnen von Arbeitslosengeld I.