Stuttgart, 16. September 2021. Im Coronapandemie-Jahr 2020 verzeichnet die Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg einen Rückgang der Frühgeburten um fast zehn Prozent. Während der Anteil früh geborener Kinder an allen Entbindungen bei der TK im Land 2019 noch bei 5,9 Prozent lag, hat es im vergangenen Jahr einen deutlichen Einbruch auf 5,3 Prozent gegeben.

Frühgeborene mit erhöhtem Erkrankungsrisiko

"Eine rückläufige Tendenz beobachten wir schon länger, der jetzige Sprung lässt nun auf eine Verstetigung der Entwicklung hoffen. Denn früh geborene Kinder haben gegenüber reif geborenen ein höheres Erkrankungsrisiko", sagt Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Laut TK-Kindergesundheitsreport sind insbesondere Atmung, Augen, Ohren und die kindliche Entwicklung betroffen.

Experte hofft auf Trendwende

"Das sind interessante Zahlen", kommentiert Professor Harald Abele von der Uniklinik Tübingen, der an der Leitlinie "Prävention und Therapie der Frühgeburt" mitgearbeitet hat: "Sobald die neue Perinatalstatistik mit Zahlen für ganz Deutschland vorliegt, lässt sich einordnen, ob sich tatsächlich eine Trendwende abzeichnet. Unsere neue Leitlinie ist Anfang 2019 in Kraft getreten und auf den Fachkongressen viel diskutiert worden - möglicherweise hat ja auch diese Standardisierung in der Diagnostik und Therapie zur Verbesserung der Zahlen beigetragen."

Psychische Belastung ist Risikofaktor

Zu den Risikofaktoren für eine zu frühe Geburt gehören beispielsweise mütterliche Infektionen und Bluthochdruck, aber auch Ängste und Depressionen. Dort setzt das spezielle Versorgungsprojekt Mind:Pregnancy in Baden-Württemberg an, das von der TK unterstützt wird. "Durch ein Screening in den Frauenarztpraxen sollen psychisch belastete Schwangere frühzeitig identifiziert werden und rechtzeitig Hilfe in Form eines Online-Achtsamkeitstrainings bekommen", erklärt TK-Leiterin Mussa. Der im Projekt der Universitätsfrauenkliniken Heidelberg und Tübingen eingesetzte digitale Begleiter für die Schwangerschaft, konzipiert und betreut von Therapeutinnen und Therapeuten, sei von den werdenden Müttern sehr gut angenommen worden.

TK-App Babyzeit ist beliebt

"Gerade seit Beginn der Coronapandemie, ohne Geburtsvorbereitungskurse und Hebammenbesuche, sind viele Schwangere dankbar für Online-Unterstützung", so Mussa. Das zeige sich auch an den Download-Zahlen der App TK-Babyzeit, die Gesundheits-Tipps für die werdende Mutter und das ungeborene Kind bietet. Aus der App heraus können die Nutzerinnen zudem mit einer Hebamme der TK-Hebammenberatung per Videochat sprechen, telefonieren oder chatten.

Projekt für bessere Kommunikation

Eine App steht auch im Mittelpunkt eines aktuellen Forschungsprojekts in der Geburtshilfe, das unter anderem an der Universitätsklinik Ulm durchgeführt wird. Das von der TK unterstützte Projekt "TeamBaby" richtet sich an Hebammen, Ärzte und Ärztinnen, Pflegende sowie Schwangere und deren Angehörige. Es soll mit Hilfe einer speziellen Trainingsapp die Kommunikation zwischen den Schwangeren und den Fachkräften in der Geburtshilfe verbessern und dadurch Geburten noch sicherer machen.