Hamburg, 23. Juni 2021. Die Coronapandemie ist seit mehr als einem Jahr das beherrschende Thema in der öffentlichen Diskussion. Weniger persönliche Kontakte, neben der Arbeit die Kinder betreuen oder sogar Kurzarbeit - der Lockdown hat bei den Menschen Spuren hinterlassen.

Das zeigen die Ergebnisse des TK-Gesundheitsreports "Ein Jahr Coronapandemie: Wie geht es Deutschlands Beschäftigten?". 46 Prozent der Befragten in Norddeutschland fühlten sich zur Hochphase des zweiten Lockdowns im März 2021 sehr stark von der Coronasituation belastet (bundesweit: 42 Prozent). Dabei vermissten 93 Prozent persönliche Treffen mit Verwandten und Freunden (bundesweit: 89 Prozent), und 63 Prozent hatten Angst, dass ihre Angehörigen oder Freunde an Corona erkranken (bundesweit: 60 Prozent). Andere Belastungsfaktoren im Lockdown waren bei Familien mit Kindern die Kita- bzw. Schulschließung (57 Prozent) und bei Berufstätigen der Stress am Arbeitsplatz (56 Prozent). 

"Die Ergebnisse des TK-Gesundheitsreports bestätigen ein Gefühl, das viele von uns aus den vergangenen Monaten kennen: Dass der andauernde Lockdown auch eine starke emotionale Belastung war und Berufstätige darunter gelitten haben", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. "Berufstätigen Eltern mit Kindern im Kita- oder Schulalter verlangte es viel ab, über Wochen die Doppelbelastung Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen", so Puttfarcken weiter. Jede bzw. jeder zweite von ihnen fühlte sich im März dieses Jahres von der Coronasituation stark bzw. sehr stark belastet. Zum Vergleich: Nur knapp ein Drittel der Berufstätigen im Homeoffice ohne Kinder gaben an, eine Belastung zu spüren.

Keine Auswirkung auf den Krankenstand

Der TK-Gesundheitsreport liefert jedoch keine Anhaltspunkte, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand von Erwerbstätigen verschlechtert hat. Der Krankenstand in Hamburg unterschreitet mit 4,06 Prozent im Jahr 2020 den der Vorjahre (2019: 4,18 Prozent; 2018: 4,2 Prozent). Er liegt ebenfalls unter dem bundesweiten Krankenstand von 4,14 Prozent. Psychische Erkrankungen machen in Hamburg mit 24,3 Prozent den größten Anteil an den Fehltagen aus. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (15,8 Prozent der Fehltage) und Erkrankungen des Atmungssystems (14,5 Prozent der Fehltage).

"Seit Beginn der Coronapandemie sind die Erkältungskrankheiten deutlich zurückgegangen. Die AHA-L-Regeln und verschärften Kontaktbeschränkungen während der Pandemie haben offenbar auch die Verbreitung anderer Infektionskrankheiten verhindert. Bei den Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen konnten wir keinen Corona-Höhepunkt feststellen. Vielmehr ist das ein Trend, der seit mehreren Jahren anhält", so Puttfarcken. 

Homeoffice fordert gesunde Führung in Unternehmen

Neben jedem Einzelnen stehen auch Unternehmen in der Verantwortung, dauerhaft etwas für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten zu tun. "Damit Homeoffice auch in Zukunft eine bleibende Alternative zur Arbeit im Büro sein kann, braucht es eine gesunde Führung. Die Herausforderung wird sein, dass der wenige persönliche Kontakt durch andere Maßnahmen 'remote' ausgeglichen wird und es gelingt, über die Entfernung hinweg eine wertschätzende Arbeitskultur zu verankern. Das ist entscheidend für die Gesundheit, aber auch für die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Hier können auch Angebote des Betrieblichen Gesundheitsmanagements helfen", so Puttfarcken.

Länderreport Hamburg 2021 (PDF, 2,7 MB)

Hinweis für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneiverordnungen ihrer 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Für die Befragungen wurden im Mai 2020 und im März 2021 bevölkerungsrepräsentativ bundesweit insgesamt 1.000 Menschen vom Meinungsforschungsinstitut Forsa telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt. Die komplette Studie und Grafiken zu den Ergebnissen sind im Presseportal der TK zu finden. Unter dem Begriff Norddeutschland sind die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern zusammengefasst.

TK-Versicherte können sich mit dem interaktiven, digitalen TK-Gesundheitscoach ein individuelles Programm für eine gesunde nachhaltige Lebensführung zusammenstellen. Aufgrund der Coronapandemie wurde der Coach um eine speziellen "Coronabereich" erweitert. Dort gibt es auch viele Infos und Tipps zu Stressabbau im Homeoffice.