Wie häufig und warum unterbrechen die Beschäftigten in den verschiedenen Altersgruppen ihre Berufstätigkeit oder scheiden sogar ganz aus dem Erwerbsleben aus?

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Herr Vogt, die TK hat für den Zeitraum 2013 bis 2017 die Brüche im Erwerbsleben ihrer Versicherten analysiert. Wie lauten die Ergebnisse?

Die gute Nachricht ist, dass zwei Drittel der Erwerbspersonen im Analysezeitraum durchgängig beschäftigt waren. In Baden-Württemberg mit 68,4 Prozent noch etwas mehr als bundesweit.

Hierzulande ist zudem der Anteil derer, die mehr als 365 Tage arbeitslos gemeldet waren, mit 3,1 Prozent am niedrigsten. Im Schnitt war das bei 4,3 Prozent der Versicherten der Grund für eine Unterbrechung der Berufstätigkeit.

Wobei es auch in Baden-Württemberg Städte und Kreise gibt, die den Bundesdurchschnitt überschreiten. Zum Beispiel sind in Pforzheim, Freiburg und Mannheim wohnhafte TK-Versicherte häufiger von einer längerfristigen Arbeitslosigkeit betroffen.

Welche Unterschiede beim Abschied von der Erwerbstätigkeit gibt es außerdem?

Auffällig ist, dass mit 3,9 Prozent der ursprünglich Berufstätigen in Baden-Württemberg der höchste Anteil bundesweit in die Familienversicherung zurückkehrt, also über kein eigenes Einkommen mehr verfügt. Auch in Bayern und Hessen liegt diese Rate mit jeweils 3,7 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (3,5 Prozent). Dies könnte durch überdurchschnittliche Einkommen, fehlende Möglichkeiten der Kinderbetreuung und ein immer noch traditionelleres Rollenbild im Süden der Republik mitbedingt sein.

Spitzenreiter ist hier mit 4,7 Prozent der Bodenseekreis. Aber auch Böblingen, Heidelberg und Tübingen liegen mit 4,3 Prozent signifikant über dem Durchschnitt.

Fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Familienversicherungsraten in den neuen Bundesländern immer noch deutlich geringer. In Mecklenburg-Vorpommern ist sie mit 2,1 Prozent am niedrigsten. Das resultiert hauptsächlich aus der dort allgemeinen hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen.

Weitere Gründe für einen Bruch im Erwerbsleben sind Elternzeit, die Aufnahme eines Studiums oder der Abschied in die Altersrente. Wie sieht es dabei in Baden-Württemberg aus?

Rund jeder Fünfte der Anfang 20-Jährigen in Deutschland unterbricht seine gestartete Berufstätigkeit und beginnt ein Studium. Interessant ist, dass ein großer Teil der Studienanfänger bereits über einen Bachelorabschluss verfügt und nach dem ersten Job ein weiteres Studium dranhängen will.

Besonders häufig passiert das an Hochschulstandorten wie Freiburg oder Heidelberg, wo fast doppelt so viele zunächst berufstätige TK-Versicherte ein Studium aufgenommen haben.

Bei den Themen Elternschaft und Ruhestand bewegt sich Baden-Württemberg weitgehend im Bundesdurchschnitt. Dabei ist der Trend bei der Elternzeit nach wie vor weiblich, doch die Männer holen auf. Laut Report nimmt jede zweite berufstätige Frau Anfang 30 Elternzeit, bei den Männern ist es jeder Sechste.

Zum Ende des Arbeitslebens kommt es wieder vermehrt zu Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit. Dabei zeigt der Report ein Ergebnis, dass uns gesellschafts- und sozialpolitisch aufhorchen lassen sollte: Mehr als jeder zweite Erwerbstätige scheidet vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Arbeitsleben aus, darunter jeder Siebte aufgrund von Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung.