München, 23. Juni 2021. Mehr als ein Jahr Coronapandemie - was macht das mit den Menschen in Bayern? Das untersucht der aktuelle Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse (TK). "Neben den Belastungen durch Corona gab es aber auch positive Tendenzen", sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern.

Weniger Krankheitstage, weniger Antibiotika

Im Jahr 2020 fehlte rechnerisch jede Erwerbsperson in Bayern krankheitsbedingt 13 Tage am Arbeitsplatz. "Das waren 0,3 Tage weniger als im Jahr zuvor und war der niedrigste Krankenstand im Freistaat seit fünf Jahren", so Bredl. "Die erkrankungsbedingten Fehlzeiten lagen damit in Bayern um 14 Prozent niedriger als im Bund."

Ebenfalls positiv sind die weiter rückläufigen Antibiotikaverordnungen. 2020 erhielten nur noch 13,4 Prozent der erwerbstätigen TK-Versicherten in Bayern, die wegen einer Erkältung am Arbeitsplatz fehlten, ein Antibiotikum von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt verschrieben. Bredl: "Das sind sechs Prozent weniger als im Vorjahr und fast 60 Prozent weniger als 2014." 

Laut dem bayerischen TK-Leiter tragen neben rückläufigen Erkältungskrankheiten im vergangenen Jahr auch die vielfältigen Informationskampagnen der letzten Jahre zu dieser positiven Entwicklung bei. "Viele Patientinnen und Patienten wissen inzwischen, dass ein Antibiotikum bei einer virusbedingten Erkältung nicht wirkt und Resistenzen fördert. Dennoch sollten wir weiterhin alles dafür tun, unnötige Antibiotikaverordnungen zu vermeiden." 

Der zweite Lockdown sorgt für mehr Belastungen

Im März dieses Jahres, also mitten in der zweiten bundesweiten Lockdown-Phase, fühlten sich 37 Prozent der Menschen in Bayern stark bzw. sehr stark von der Coronasituation belastet. Das ist das Ergebnis einer bevölkerungsrepräsentativen Forsaumfrage im Auftrag der TK zur Belastung der Menschen durch die Coronapandemie. Bei einer ersten Befragung im Mai 2020, zu Beginn der Pandemie, waren es noch 35 Prozent.

Den Bayern fehlten in diesem Frühjahr vor allem die persönlichen Treffen mit Verwandten und Freunden (94 Prozent). Es folgten die Angst, dass Angehörige oder Freunde an Corona erkranken sowie die Belastungen bei Familien mit Kindern über die Kita- und Schulschließungen (je 60 Prozent). 59 Prozent der befragten Berufstätigen berichteten über mehr Stress am Arbeitsplatz.

"Die Lockerungen der vergangenen Wochen und die stark rückläufigen Corona-Infektionszahlen im Sommer, sollten die Menschen jetzt nutzen, um Energie aufzutanken und ihre Gesundheit stärken", rät Bredl. "Aber auch Unternehmen müssen die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) weiter forcieren und dabei auch die Mitarbeitenden im Home-Office integrieren." Beim Auf- und Ausbau hilft beispielsweise die BGF-Koordinierungsstelle, ein Gemeinschaftsangebot der gesetzlichen Krankenkassen.

Länder­re­port Bayern 2021

PDF, 4,4 MB Downloadzeit: eine Sekunde

Hinweis für die Redaktion 

Für den Gesundheitsreport hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneiverordnungen ihrer 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten, davon 761.000 in Bayern, ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Den kompletten Gesundheitsreport gibt es zusammen mit vielen Grafiken auf dem Presseportal der TK. 

Für die Befragungen wurden jeweils im Mai 2020 und März 2021 bevölkerungsrepräsentativ 1.000 Menschen vom Meinungsforschungsinstitut Forsa bundesweit telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt.