Frankfurt am Main, 30. August 2019. Hessische Berufstätige in Pflegeberufen sind in ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit deutlich stärker belastet als Angehörige anderer Berufsgruppen. Menschen, die in der Alten- oder Krankenpflege tätig sind, fehlen häufiger am Arbeitsplatz und sind länger krankgeschrieben. Die meisten Fehltage gehen dabei auf das Konto von psychischen Erkrankungen sowie Krankheiten des Bewegungsapparats. Zudem bekommen sie im Vergleich zu allen Berufstätigen überdurchschnittlich viele Medikamente in höheren Dosen verordnet. Das teilt die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen mit und bezieht sich dabei auf ihren Gesundheitsreport 2019, der die gesundheitliche Situation von Menschen in der Pflegebranche untersucht.

Hohe Arbeitsanforderungen in der Pflege

Ungünstige Schichtdienste, hohe körperliche Anforderungen, zu wenig Zeit für die Patienten und eine insgesamt zu hohe Arbeitsbelastung sind aus Sicht der TK Faktoren, die Menschen in der Kranken- und Altenpflege an die Grenzen ihrer körperlichen und psychischen Belastbarkeit bringen können. Mitarbeiter in der Kranken- und Altenpflegekräfte fallen statistisch betrachtet jedes Jahr insgesamt rund 22 Tage krankheitsbedingt aus. Das sind im Vergleich zu allen Beschäftigten in Hessen sieben Tage oder 50 Prozent mehr. Wegen einer psychischen Diagnose waren Pflegekräfte im vergangenen Jahr durchschnittlich 4,5 Tage krankgeschrieben, bei allen Berufstätigen waren es 2,4 Tage. Ähnlich sieht es bei den Muskelskelett-Erkrankungen aus: Hier fehlten Pflegekräfte im Durchschnitt 4,4 Tage, bei den Beschäftigten insgesamt waren es lediglich 2,5 Tage. 

"Es ist erschreckend, dass gerade diejenigen, die sich um die Pflege von kranken und älteren Menschen kümmern, so stark belastet sind und dass die hohen Arbeitsanforderungen so deutlich auf die Gesundheit gehen, insbesondere auf Rücken und Psyche", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. Denn auch bei der Verschreibung von Arzneimitteln liegen die Pflegekräfte vorn. Sie erhalten mit 274 Tagesdosen pro Kopf 14 Prozent mehr Medikamente als der Durchschnitt der Berufstätigen (239 Tagesdosen). Dabei sind die Berufstätigen in der Altenpflege mit 306 Tagesdosen noch stärker betroffen als Pflegekräfte in der Krankenpflege mit 262 Tagesdosen. Neben Medikamenten gegen Bluthochdruck und Magensäureblockern werden den Kranken- und Altenpflegekräften im Vergleich zu den Berufstätigen insgesamt deutlich größere Mengen an Arzneimitteln zur Behandlung des Nervensystems verordnet. Während unter allen Berufstätigen jeder 18. (5,6 Prozent) ein Antidepressivum verordnet bekam, war es bei den Pflegekräften jeder 13. (7,8 Prozent).

"Gesunde Organisation" in der Pflegeeinrichtung

Aus Sicht der TK in Hessen können nur sehr umfassende Maßnahmen den Berufsalltag der Pflegekräfte gesünder gestalten und die Attraktivität des Berufsbildes verbessern. "Gerade Pflegeeinrichtungen können mit einem professionellen Betrieblichen Gesundheitsmanagement viel für ihre Mitarbeiter tun, die ihre Arbeit grundsätzlich als sinnstiftend, fachlich anspruchsvoll und gesellschaftlich wichtig wahrnehmen", so Voß. Die TK unterstützt die Unternehmen dabei, im Rahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) die Team- und Führungskultur zu stärken und individuelle Konzepte für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen im Betrieb umzusetzen. Dies können etwa günstiger gestaltete Schichtpläne, eine verbesserte Kommunikation oder Angebote für die Mitarbeiter zur Stressreduzierung oder Entspannung sein. So kann das Belastungsempfinden von Pflegekräften, trotz hoher Anforderungen in ihrem Alltag, deutlich reduziert werden. "Viele Pflegekräfte möchten ihren Beruf grundsätzlich gern bis zum Rentenalter ausüben. Wenn die Unternehmen mit geeigneten Maßnahmen aktiv dazu beitragen, die Gesundheit und Arbeitskraft speziell auch der älteren Beschäftigen und die Attraktivität des Berufs zu erhalten, kann dies auch gelingen", so Voß.

Hinweis an die Redaktionen

Für den Gesundheitsreport 2019  hat die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 5,2 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen ausgewertet, darunter rund 467.000 Erwerbspersonen aus Hessen. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Im TK-Fehlzeiten-Tool lassen sich die Reportdaten beliebig nach Branchen, Bundesländern und Tätigkeiten filtern.