Stuttgart, 26. Juni 2019. Besonders viele Fehltage in den Pflegeberufen gehen auf das Konto von psychischen Störungen und Krankheiten des Bewegungsapparats. So ein Ergebnis aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg.

Während berufsübergreifend jeder Beschäftigte im Land letztes Jahr durchschnittlich 1,99 Tage aufgrund einer psychischen Diagnose krankgeschrieben war, beliefen sich die Fehltage in den Pflegeberufen auf durchschnittlich 3,92 Tage. Das sind rund 97 Prozent mehr. Aufgrund von Muskelskeletterkrankungen fehlte jeder Beschäftigte letztes Jahr 2,05 Tage – bei den Menschen in Pflegeberufen waren es mit 4,23 Tagen mehr als doppelt so viele.

Weniger Fehltage im bundesweiten Vergleich

Insgesamt fallen Kranken- und Altenpflegekräfte in Baden-Württemberg im Schnitt jährlich für rund 19,6 Tage krankheitsbedingt aus. Damit verursachen sie im Vergleich zu ihren Arbeitskollegen in anderen Bundesländern die wenigsten Fehlzeiten, der Bundesdurchschnitt liegt bei 22,9 Tagen. Trotzdem fehlen sie fast sieben Tage mehr am Arbeitsplatz als die Vergleichsgruppe aller Beschäftigten in Baden-Württemberg (12,7 Tage).

„Der Gesundheitsreport zeigt, dass Pflege deutlich stärker als andere Berufe auf die Gesundheit geht. Das ist eine alarmierende Entwicklung. Es braucht einen vielschichtigen Ansatz, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die pflegen, das möglichst lange und gerne tun. Dafür ist ein gesunder Berufsalltag der Schlüsselfaktor“, so Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung.

PROCARE soll Arbeitsbedingungen verbessern

Ein auf die Bedürfnisse von Pflegeeinrichtungen abgestimmtes Präventionsprogramm zu erarbeiten und zu implementieren - das ist das Ziel des Modellprojekts "PROCARE". Dazu gehören Maßnahmen der Gesundheitsförderung für Mitarbeiter, ebenso wie gezielte Präventionsmaßnahmen für die pflegebedürftigen Bewohner. Hierfür arbeitet die TK im Land mit der Universität Stuttgart und dem KIT in Karlsruhe zusammen.

"Gerade in Pflegeheimen ist Prävention eine doppelte Herausforderung: Viele Bewohner sind von mehreren körperlichen Einschränkungen betroffen und die Mitarbeiter erleben einen belastenden Berufsalltag", sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. "Mit PROCARE nehmen wir erstmals das gesamte Setting Pflegeheim in den Fokus der Prävention."

Auch Digitalisierung kann entlasten

Nur wenn es gelinge, die Attraktivität der Pflegeberufe durch angemessene Bezahlung, unterstützende Digitalisierung, moderne Aus- und Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten und bessere Präventionsangebote deutlich zu erhöhen, könne die Pflege auf hohem Niveau aufrechterhalten werden.

"Die Digitalisierung bietet großes Potenzial, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen und den Alltag für die Pflegepersonen und auch pflegende Angehörige zu erleichtern", so Vogt. Die TK fordert von Politik, Heimbetreibern und Kostenträgern gemeinsame Anstrengungen, um dieses Potenzial so schnell wie möglich zu nutzen.

Hinweis für die Redaktion

Das Modellprojekt PROCARE läuft bundesweit. Es werden Pflegeeinrichtungen in den Großräumen Hamburg, Bremen, Paderborn, Stuttgart, Karlsruhe, Erlangen-Nürnberg, Chemnitz und Frankfurt betreut. Diese werden wissenschaftlich von unterschiedlichen Universitäten in Deutschland begleitet und systematisch evaluiert.

Für den Gesundheitsreport 2019 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 574.000 bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.