Stuttgart, 12. November 2018. Rund 58 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg pendeln laut Statistischem Landesamt täglich zu ihrer Arbeitsstelle. Das bedeutet, ihr Wohnort liegt nicht im selben Kreis wie ihr Arbeitsort und sie legen die Distanz mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Auto zurück. Bei jedem Zehnten beträgt die Entfernung dabei sogar 50 Kilometer und mehr. Das hinterlässt Spuren.

Lange Arbeitswege gehen auf die Nerven

Laut einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg entfielen 2017 auf 100 Pendler 198 Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, etc. während Beschäftigte mit kurzem Arbeitsweg 176 Tage wegen dieser Diagnosen ausfielen. Damit liegen die so genannten Psych-Diagnosen bei Pendlern um 12,5 Prozent höher und das obwohl Menschen mit entferntem Arbeitsplatz insgesamt weniger häufig krankgeschrieben sind.

Weitere Distanzen werden eher von gesunden Menschen in Kauf genommen

"Wir nehmen an, dass die höheren psychisch bedingten Fehlzeiten durch das Pendeln selbst entstehen, weil Berufe, die überdurchschnittlich mit Pendeln verbunden sind, sonst eher durch geringere psychische Belastungen gekennzeichnet sind", erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung. Den höchsten Anteil von Pendlern gibt es bei Beschäftigten im Luftverkehr sowie unter Vertriebsmitarbeitern. Auch in vielen IT-Berufen nehmen Angestellte weite Wege auf sich.

Teilnahme am Verkehr steht als Stressfaktor an zweiter Stelle

Eine Stress-Studie der TK aus dem Jahr 2016 hatte außerdem gezeigt, dass das alltägliche "Unterwegssein" eine der Hauptstressursachen von Erwachsenen in Baden-Württemberg ist. 39 Prozent der Befragten im Land gaben an, sich durch die Teilnahme am Verkehr, sowohl mit dem Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, gestresst zu fühlen - gegenüber nur 26 Prozent im Bundesschnitt. "Damit stand das Zurücklegen von Verkehrswegen hierzulande als Stressfaktor an zweiter Stelle nach Studium oder Beruf und noch vor der ständigen Erreichbarkeit durch Smartphone, Facebook und Co. mit nur 20 Prozent", so Vogt.

Pendlerstress ist keine Privatsache

Die TK möchte mit der Studie darauf aufmerksam machen, dass sich ein modernes Betriebliches Gesundheitsmanagement auch den Belastungen des Pendelns widmen muss und sieht hier zudem Politik und Verkehrsbetriebe in der Pflicht. "Vielen Unternehmen ist nicht klar, dass sie mit intelligenten Schichtplänen, guter Arbeitsorganisation und Digitalisierung großen Einfluss darauf haben, wie sehr ihre Mitarbeiter durch Pendeln belastet werden. Ebenso wichtig ist aber, dass wir das Thema über das Gesundheitswesen hinaus angehen. Auch die Verkehrspolitik hat großen Einfluss darauf, wie sehr das Pendeln Beschäftigte unter Stress setzt", erklärt der TK-Leiter.

Dossier "Mobilität in der Arbeitswelt"

Stressstudie "Entspann dich Deutschland"

Hinweis an die Redaktion

Das Dossier "Mobilität in der Arbeitswelt" ist eine Sonderauswertung des TK-Gesundheitsreports, für den die TK jährlich die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der Versicherten mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung analysiert. Für die vorliegende Studie wurden Daten von 2011 bis 2017 der jahresdurchschnittlich 3,6 bis 4,8 Millionen TK-versicherten Beschäftigten von 15 bis unter 65 Jahren untersucht. Der Report ist wie alle Gesundheitsberichte unter www.tk.de/gesundheitsreport verfügbar.