Hamburg, 12. Juli 2021. Pflegekräfte sind in Hamburg im Vergleich zu anderen Berufsgruppen besonders belastet. Mit durchschnittlich 23,4 Tagen pro Kopf und Jahr waren sie im Jahr 2020 mehr als acht Tage häufiger krank geschrieben als der Durchschnitt der Erwerbspersonen in der Hansestadt (14,8 Tage). Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 2,6 Prozent (2019: 22,8 Tage). Die Ursache sind vor allem psychische und körperliche Belastungen. Das zeigt eine Sonderauswertung aus dem aktuellen Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse (TK). "Die Corona-Pandemie hat uns noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig Pflegekräfte für ein funktionierendes Gesundheitssystem sind", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. "Bereits vor Corona waren Pflegekräfte starken Belastungen ausgesetzt. Durch die Pandemie hat sich das noch einmal verstärkt. Es ist wenig überraschend, dass sich das auf die Gesundheit auswirkt."

Ein Grund für die überdurchschnittlich hohe Belastung der einzelnen Pflegekräfte ist die hohe Arbeitsdichte. In Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen und bei Pflegediensten fehlen ausgebildete Pflegekräfte. Die TK hat mit dem "Masterplan Pflege" konkrete Vorschläge, um den Pflegenotstand abzuwenden. "Das übergreifende Ziel muss es sein, den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen", so Puttfarcken. "Eine bessere Vergütung wäre hier ein erster Schritt, aber kein Allheilmittel. Rund die Hälfte der Pflegekräfte arbeitet derzeit in Teilzeit. Viele kehren der Pflege ganz den Rücken. Flexible Arbeitszeitmodelle und attraktive Rückkehrangebote nach einer beruflichen Auszeit wären sicher ein Weg, um mehr Pflegekräfte wieder in Vollzeit zu bringen", so die Landeschefin. 

TK fördert UKE-Projekt zur Stress- und Traumaprävention

Um Pflegekräfte in schwierigen und psychisch belastenden Arbeitssituationen zu unterstützen, hat das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) mit seiner Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie das Projekt "Stress- und Traumaprävention" ins Leben gerufen. Es ist eines von vier ausgewählten Entwicklungsprojekten des UKE, die seit 2019 aus dem Gesundheitsmanagement der Techniker Krankenkasse (TK) gefördert werden. Im Projekt werden kollegiale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, so genannte Peer-Beratende, für Gespräche nach besonders belastenden Arbeitssituationen ausgebildet. So können die Pflegekräfte am UKE zeitnah, niedrigschwellig und fachgerecht unterstützt werden.

Hinweis für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Arzneiverordnungen ihrer 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet, davon wohnten 246.000 in Hamburg. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I. 

Mit dem "Masterplan Pflegeberufe" schlägt die TK fünf konkrete Handlungsfelder vor, wie der Pflegeberuf wieder attraktiver werden kann. Die gesamte TK-Position gibt es zum Nachlesen auf tk.de.

Die TK unterstützt stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Beschäftigte, Patientinnen und Patienten und für Pflegebedürftige. Weitere Informationen dazu und wie sich interessierte Einrichtungen bewerben können, sind online unter tk.de  zu finden. Weitere Informationen zum UKE-Projekt zur Stress- und Traumaprävention gibt es im Interview mit Michael van Loo, Leiter des Geschäftsbereichs Personal am UKE, und Thomas Holm aus dem TK-Gesundheitsmanagement auf tk.de.