Stuttgart, 23. Februar 2022. In Baden-Württemberg erhält weniger als die Hälfte der Kleinkinder in den ersten beiden Lebensjahren alle bis zu diesem Alter von der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen 13 Erkrankungen empfohlenen Impfungen komplett. Laut einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) sind 45,7 Prozent des Geburtsjahrgangs 2018 lückenlos durchgeimpft. Der bundesweite Durchschnitt liegt mit 48,4 Prozent etwas höher; insgesamt ist die Tendenz trotzdem positiv: "Beim Vergleich der Geburtsjahrgänge zeigt sich, dass der Anteil der Kinder, die gar keine empfohlene Impfung erhalten, sinkt - besonders bei der Impfung gegen Masern", so Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. 

Nationaler Impfplan will Masernimpfquote von 95 Prozent

Von den 2016 in Baden-Württemberg geborenen Kindern hatten 9,7 Prozent bis zu ihrem zweiten Geburtstag keine der beiden für die Immunisierung nötigen Impfungen gegen Masern erhalten, von den 2018 geborenen 7,9 Prozent, von den im ersten Halbjahr 2019 geborenen nur noch 6,6 Prozent. Auch hier lag der bundesweite Schnitt mit 4,7 Prozent deutlich niedriger. "Im Bundesländervergleich haben wir nach Sachsen den höchsten Anteil an nicht gegen Masern geimpften Kleinkindern, aber die seit März 2020 geltende Impfpflicht für Kita- und Schulkinder scheint langsam Wirkung zu zeigen. Weitere Überzeugungsarbeit ist allerdings nötig", so Mussa. Sowohl die Impfquote von 80,4 Prozent beim Geburtsjahrgang 2018 in Baden-Württemberg als auch 83,1 Prozent bundesweit liegen immer noch deutlich hinter dem Ziel des Nationalen Impfplans von 95 Prozent zurück.

Trotz Corona ist die Tendenz positiv

Die Pandemie hatte bisher laut der TK-Auswertung keinen negativen Effekt auf die Impfquoten: Die Quoten der 2018 geborenen Kleinkinder sind mit denen der 2017 und 2016 geborenen vergleichbar, die Quote der komplett ungeimpften Kinder ist sogar leicht gesunken. "Dazu passt, dass auch die U-Untersuchungen in Baden-Württemberg mit rund 95 Prozent im Jahr 2020 nicht weniger in Anspruch genommen worden sind als in den Vorjahren" erklärt TK-Leiterin Mussa. 

Durchimpfung steigt auf fast 50 Prozent

Für den Jahrgang 2019 liegen aktuell wegen des mehrmonatigen Verzugs, mit dem Abrechnungsdaten die Krankenkassen erreichen, nur die Daten der im ersten Halbjahr geborenen Kinder vollständig vor. Darin zeigt sich, dass sich der positive Trend weiter fortsetzt: Die eingangs beschriebene Durchimpfungsquote stieg in Baden-Württemberg auf 49,8 Prozent, die Quote der Ungeimpften sank weiter auf 3,4 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt haben mit 51,9 Prozent erstmals mehr als die Hälfte der Kleinkinder alle für dieses Alter empfohlenen Impfungen bekommen.

Hinweis für die Redaktion

Für die Auswertung der Impfraten wurden die 2016, 2017, 2018 und im ersten Halbjahr 2019 geborenen und durchgängig bei der TK versicherten Kinder in Bezug auf die 13 von der STIKO empfohlenen Impfungen untersucht. Dabei wurden die ersten neun Lebensquartale betrachtet.