Weiterhin wurde der Gesundheitsreport um eine wissenschaftliche Studie erweitert. Dazu wertete  das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) die Fragebögen von mehr als 1.400 bei der TK versicherten Zeitarbeitern zu deren Arbeits- und Gesundheitssituation aus und verglich sie mit einer Gruppe von Nicht-Zeitarbeitnehmern. 

Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.

TK: Frau Puttfarcken, welche Änderungen haben sich im Vergleich zu 2009 bei der Gesundheit von Zeitarbeitern ergeben?

Puttfarcken: Bereits 2009 zeigte sich, dass Zeitarbeitnehmer wesentlich stärker gesundheitlich belastet sind als Nicht-Zeitarbeitnehmer. Mit einer Reihe von gesetzlichen Änderungen wurde in den vergangenen Jahren versucht, die Gleichstellung mit regulär Beschäftigten zu fördern. Dazu zählt etwa die Einführung des Mindestlohns, aber auch das Anrecht auf gleiches Lohnniveau im Vergleich zu Festangestellten des Betriebs nach neun Monaten.

Maren Puttfarcken

Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Unsere Auswertungen zeigen aber, dass Zeitarbeitnehmer auch weiterhin stärker belastet sind als anderweitig Beschäftigte. So waren sie in der Hansestadt 2019 im Schnitt 19,7 Tage krankgeschrieben - fast fünf Tage (rund 34 Prozent) mehr als die Vergleichsgruppe der Nichtzeitarbeitnehmer (14,5 Tage). Das liegt vor allem an den Einsatzbereichen, zum Beispiel in Produktionsberufen mit teilweise hohen körperlichen Anforderungen. Erweitert wurde der Gesundheitsreport um eine Befragung, die das IFBG im Auftrag der TK durchgeführt hat. An den Ergebnissen sehen wir, dass es den Zeitarbeitern heute insgesamt besser geht als noch vor ein paar Jahren. 

Zeitarbeitnehmer sind stärker belastet als anderweitig Beschäftigte.
Maren Puttfarcken

Wichtig ist noch darauf hinzuweisen, dass die Befragung vor der Corona-Pandemie durchgeführt wurde. Nun gibt es in Deutschland derzeit eine angespannte wirtschaftliche Lage, und Zeitarbeiter sind naturgemäß die Ersten, die ein Unternehmen verlassen müssen. Das kann sich natürlich auch negativ auf das Befinden auswirken und vorhandene Probleme verstärken.

TK: Was genau ist denn bei der Befragung der Zeitarbeitnehmer herausgekommen?

Puttfarcken: Wie gesagt: Insgesamt geht es den Zeitarbeitern heute besser. Vor elf Jahren waren noch 60 Prozent der Befragten unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation - heute sind es rund 44 Prozent. Als belastend werden dabei Faktoren wie eine schlechte körperliche Arbeitshaltung, Lärm, Schichtarbeit und lange Anfahrtswege genannt. Aber auch Faktoren wie geringere Weiterbildungsmöglichkeiten schlagen sich auf die Gesundheit nieder. Und knapp 60 Prozent der befragten Zeitarbeitnehmer gaben an, dass sich ihr Einsatzort in den vergangenen zwölf Monaten geändert habe. Das kann sich auch auf das psychische Wohlbefinden auswirken - jeder vierte Zeitarbeiter (25,9 Prozent bundesweit) bewertet dies als "weniger gut" oder schlecht".

Was man darüber hinaus beobachten kann, ist, dass vermehrt beruflich hoch qualifizierte Arbeitskräfte zum Beispiel aus den Bereichen IT, Gesundheits- und Sozialwesen sowie den Ingenieursberufen erfolgreich vermittelt werden. Darauf kann man schließen, dass auch Zeitarbeit für Fachkräfte mittlerweile eine attraktive Beschäftigungsform geworden ist. 

TK: Und woran muss weiter gearbeitet werden? 

Puttfarcken: Die Auswertung der AU-Daten und die Befragungsergebnisse zeigen eine hohe physische und psychische Belastung. Hier müssen wir ran - sowohl an die harten Faktoren wie Lärm oder schlechte Arbeitshaltung als auch an die weichen Faktoren wie die fehlende Entwicklungsmöglichkeit für Zeitarbeitnehmer.

Die sogenannte aufsuchende betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) schult Mitarbeiter gezielt an ihrem Arbeitsplatz, zum Beispiel in rückenschonenden Hebe- und Tragetechniken. Dabei wird der Arbeits- und Produktionsprozess kaum gestört. Verleihbetriebe sollten ihren Mitarbeitern auch Weiterbildungsangebote anbieten. Und wo dies möglich ist, sei es weiter wünschenswert, dass Betriebe ihre Zeitarbeitnehmer stärker in individuelle Personalentwicklungsstrategien und Weiterbildungen mit einbeziehen. Das dient nicht nur der Qualifikation der Beschäftigten, sondern sorgt für Wertschätzung und dient damit langfristig der Gesundheit.