Mainz, 2. Oktober 2019. Ein Drittel aller rheinland-pfälzischen Kinder (33,6 Prozent in 2017, Bund: 30,5 Prozent) kommt durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. Ihr Risiko ist erhöht, später mehr Gesundheitsprobleme zu haben als Babys, die auf natürlichem Weg geboren wurden. Eine Frühgeburt wirkt sich noch stärker auf die Gesundheit der Kinder aus. In 2017 wurden alleine in Rheinland-Pfalz fast 2.700 Kinder vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren.


Zu diesem Ergebnis kommt der Kindergesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK), für den Routinedaten von über 38.000 Kindern über acht Jahre hinweg ausgewertet wurden. So ist laut Analyse bei Kaiserschnitt-Kindern beispielsweise das Risiko für eine chronische Bronchitis in den ersten acht Lebensjahren um fast zehn Prozent erhöht, für leichte und mittlere Entwicklungsstörungen um neun Prozent sowie für ADHS um 16 Prozent. Frühgeborenen leiden häufiger an Entwicklungsstörungen, Sehbeeinträchtigungen und Erkrankungen der unteren Atemwege.

Erste Langzeitstudie dieser Art 

"Der TK-Kindergesundheitsreport ist die erste Langzeitstudie mit deutschen Routinedaten, die den Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt beziehungsweise Frühgeburt und der Gesundheit von Kindern differenziert analysiert. Er liefert wichtige Erkenntnisse für uns als Krankenkasse sowie für Kinderärzte und Eltern", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz. "Die Ergebnisse helfen beim frühzeitigen Erkennen von Gesundheitsrisiken und bei der Entwicklung von präventiven Maßnahmen. So testen wir beispielsweise gerade in zwei rheinland-pfälzischen Krankenhäusern die bionische Matratze "Babybe", die frühgeborenen Babys die Atmung, Stimme und den Herzschlag der Mutter simuliert. Erste Ergebnisse lassen vermuten, dass dies zu einer ruhigeren Atmung und einem stabileren Herzschlag verhelfen kann. Damit wollen wir den Frühchen einen besseren Start ins Leben ermöglichen." 

Viele Kaiserschnitte und Frühgeburten in Rheinland-Pfalz 

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es nur bei zehn bis 15 Prozent der Geburten einen medizinischen Grund, der einen Kaiserschnitt unbedingt erforderlich macht. Jedoch kommt fast jedes dritte Kind von TK-Versicherten in Rheinland-Pfalz per Sectio zur Welt. Das ist bundesweit der zweithöchste Wert nach dem Saarland. "Wenn medizinische Gründe gegen eine Spontangeburt sprechen, ist ein Kaiserschnitt oft die einzige Alternative. Wird er jedoch aus anderen Gründen gewünscht oder angeboten, sollten Ärzte und Eltern die möglichen Folgen für die Gesundheit des Babys im Blick haben", so Jörn Simon. 

Gezielte, digital unterstützte Versorgungsangebote für Kinder 

Die TK will die Ergebnisse des Reports nutzen, um passgenaue Versorgungsangebote für betroffene Kinder zu entwickeln. "Ein gutes Beispiel ist hier die App Neolino, deren Entwicklung von Beginn an von der TK unterstützt wurde. Sie hilft Kindern zwischen drei und sieben Jahren individuell und spielerisch beim Training gegen Sprachfehler", führt Simon an.

Hinweis für die Redaktion

Für den TK-Kindergesundheitsreport hat die TK die Abrechnungsdaten von 38.853 TK-versicherten Kindern, die im Jahr 2008 geboren wurden, ausgewertet. Die Analyse umfasste die ersten acht Lebensjahre der Kinder, also den Zeitraum von 2008 bis 2016. Untersucht wurden 461 Krankheitsgruppen mit insgesamt 16.200 Diagnosen. Bei 19 Krankheitsgruppen, die Kinder häufig betreffen, zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko nach Kaiserschnittgeburt. Allein sechs dieser Krankheitsgruppen betreffen Entwicklungs- und Verhaltensprobleme. Eine Frühgeburt wirkt sich noch stärker aus: Bei 22 Krankheitsgruppen zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko für früh geborene Kinder, verglichen mit reif geborenen Kindern. Der Report steht zum Download unter TK-Studie: Kindergesundheitsreport 2019 (PDF, 2,0 MB) , Suchnummer 2061920, bereit.