Bremen, 6. September 2019. Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, sind in den ersten acht Lebensjahren häufiger von gesundheitlichen Problemen betroffen als Kinder, die auf natürliche Art und Weise geboren wurden. Dies geht aus den Ergebnissen des Kindergesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Dafür wurden die Abrechnungsdaten von rund 38.000 TK-versicherten Kindern im Zeitraum von ihrer Geburt bis zum Alter von acht Jahren analysiert.

Nach Kaiserschnitt vermehrt Verhaltensauffälligkeiten

Insgesamt zeigte sich bei 19 Krankheitsgruppen ein höheres Erkrankungsrisiko nach Kaiserschnittgeburt. Darunter waren auch eher seltene Erkrankungen wie Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Funktionsstörungen; dabei handelt es sich vor allem um Ess- oder Schlafstörungen wie Schlafwandeln oder Albträume. Für Kaiserschnitt-Kinder ist das Risiko, daran zu erkranken, um 25 Prozent erhöht - verglichen mit Kindern, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind.

Höheres Risiko für eine chronische Bronchitis

Ein weiteres Ergebnis des Reports: Nach einer Entbindung per Kaiserschnitt ist das Risiko für Kinder, an einer chronischen Bronchitis zu erkranken, um fast zehn Prozent erhöht.

Was heißt das für Bremen?

Unabhängig vom Report wurde ausgewertet, wie viele TK-versicherte Kinder und Jugendliche insgesamt von solchen Erkrankungen betroffen sind. So wiesen im Jahr 2017 in Bremen und Bremerhaven im Schnitt 14 von 1.000 TK-Versicherten unter 18 Jahren eine Diagnose aus der Gruppe der Verhaltensauffälligkeiten auf. Das ist - verglichen mit den anderen Bundesländern - der höchste Wert. Eine chronische Bronchitis wurde bei TK-versicherten Kindern und Jugendlichen aus Bremen und Bremerhaven vergleichsweise selten diagnostiziert. Gerade einmal knapp drei von 1.000 unter 18-jährigen TK-Versicherten waren 2017 durchschnittlich in unserem Land hiervon betroffen. Im Ländervergleich ist das der geringste Wert.

Kaiserschnittrate in der Kritik

Dr. Susanne Klein, Leiterin der TK-Landesvertretung, bemerkt: "Obwohl die Kaiserschnittrate im Land Bremen mit 29,9 Prozent knapp unterhalb des Bundesdurchschnitts liegt, müssen wir uns dennoch fragen, wie wir einen Weg zu mehr natürlichen Geburten finden können. Der TK-Kindergesundheitsreport zeigt eindeutig, dass die Folgen eines Kaiserschnittes bisher unterschätzt wurden. Nach medizinischen Maßstäben unnötige Eingriffe gilt es daher im Interesse der Kinder zu vermeiden."

Rahmenbedingungen verbessern

Die TK-Landesvertretung Bremen setzt sich auch an anderer Stelle mit dem Thema Kaiserschnitt auseinander: "Wir sind eine der Partnerinstitutionen des Masterstudiengangs "Public Health" der Universität Bremen. Derzeit betreuen wir eine Gruppe von Studentinnen, die sich mit den psychischen Folgen von Kaiserschnittgeburten auseinandersetzt. Zudem engagieren wir uns im Verbund mit den anderen Krankenkassen, den Berufsverbänden und den Geburtskliniken im "Bremer Bündnis für natürliche Geburt". Unser gemeinsames Ziel ist die natürliche Geburt wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken.", so Klein.

Frühchen sind ebenfalls betroffen

Neben dem Zusammenhang von Kaiserschnitt und Kindergesundheit hat der TK-Kindergesundheitsreport auch die Daten von früh geborenen Kindern auf messbare Effekte hin untersucht. Unter Frühchen versteht man Kinder, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche bzw. mit einem Körpergewicht von weniger als 2.500 Gramm geboren werden. Reif Geborenen gegenübergestellt, besteht auch bei ihnen ein erhöhtes Krankheitsrisiko, zum Beispiel für Asthma oder chronische Bronchitis.

Aus dem Report geht hervor, dass das Risiko, an chronischer Bronchitis zu erkranken, bei Frühchen um fast 30 Prozent erhöht ist. Bei Asthmaerkrankungen sogar um mehr als 36 Prozent. Die Zahlen aus den unabhängig vom Report ausgewerteten TK-Routinedaten belegen, dass die Diagnose Asthma häufiger gestellt wird als in anderen Bundesländern. Rund 53 von 1.000 jungen TK-Versicherten im Land Bremen sind betroffen. Damit liegt Bremen im Bundesvergleich auf dem fünften Platz in Sachen Häufigkeit.

Auffälligkeiten früher registrieren

"Auf Basis der Ergebnisse des TK-Kindergesundheitsreports sollten wir überlegen, wie man bei entsprechenden Problemen des Nachwuchses rechtzeitig gegensteuern kann. Eltern als auch Kinderärzte sind gefragt auf mögliche Auffälligkeiten zu achten. Eine Prüfung des gelben Vorsorgehefts auf Hinweise zu einer Kaiserschnitt- oder Frühgeburt, durch den Kinderarzt, wären für eine mögliche Behandlung der betroffenen Kinder sehr hilfreich. ", so Klein. 

TK bietet digitale Angebote für Kinder

Ob Entwicklungsstörungen oder Atemwegserkrankungen, die TK hilft ihren Versicherten mit gezielten, passgenauen Versorgungsangeboten. Die Bremer TK-Chefin erklärt: "Wir bieten unseren Versicherten auch neue, digitale Behandlungsmöglichkeiten. Ergänzend zu einer klassischen Asthmaschulung übernehmen wir zum Beispiel auf ärztliche Bescheinigung hin für junge Patienten die Kosten für die Online-Plattform "Luftikids". Dort können betroffene Kinder auf spielerische Art die Inhalte ihrer Basisschulung auffrischen. Auch gerade für junge Allergiker geeignet, ist unsere TK-App "Husteblume" - sie hilft mit nützlichen Informationen und Auswertungsmöglichkeiten die Pollenflugsaison gut zu überstehen."

Hinweis an die Redaktionen

Für den TK-Kindergesundheitsreport hat die TK die Abrechnungsdaten von 38.853 TK-versicherten Kindern, die im Jahr 2008 geboren wurden, ausgewertet. Dazu zählten 297 Kinder (0,8 Prozent) mit Bremen als Wohnbundesland. Die Analyse umfasste die ersten acht Lebensjahre der Kinder, also den Zeitraum von 2008 bis 2016. Untersucht wurden 461 Krankheitsgruppen mit insgesamt 16.200 Diagnosen. Bei 19 Krankheitsgruppen zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko nach Kaiserschnittgeburt. Allein sechs dieser Krankheitsgruppen betreffen Entwicklungs- und Verhaltensprobleme. Eine Frühgeburt wirkt sich noch stärker aus: Bei 22 Krankheitsgruppen zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko für früh geborene Kinder, verglichen mit reif geborenen Kindern.

Der  TK-Studie: Kindergesundheitsreport 2019 (PDF, 2,0 MB) steht zum Download unter www.tk.de, Suchnummer 2061920, bereit.

Die Zahlen für die regionale Häufigkeit von Krankheitsdiagnosen basieren auf einer gesonderten Analyse von  TK-Routinedaten aus dem Jahr 2017. Bundesweit betrachtet wurden rund 1,7 Millionen TK-Versicherte unter 18 Jahren. Für das Land Bremen lagen die Diagnosen von 10.561 TK-versicherten Kindern und Jugendlichen zugrunde.