Dresden, 4. September 2019. Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben häufiger gesundheitliche Probleme als spontan geborene Gleichaltrige. Das zeigt der neue Kindergesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK), in dem TK-Daten von knapp 39.000 Kindern über einen Zeitraum von acht Jahren ausgewertet wurden.

Risiko bei Kaiserschnitt-Kindern

In der Analyse wird deutlich, dass bei Kaiserschnitt-Kindern das Risiko für eine chronische Bronchitis in den ersten acht Lebensjahren um fast zehn Prozent erhöht ist. Das Risiko für leichte und mittlere Entwicklungsstörungen ist um neun Prozent erhöht, das Risiko für ADHS um 16 Prozent. "Ein Kaiserschnitt kann Leben retten. Eine Schnittentbindung, die medizinisch nicht zwingend erforderlich ist, sollte jedoch gut abgewogen werden. Uns ist wichtig, dass jede Schwangere eine bewusste Entscheidung trifft, der eine umfangreiche fachkundige Information vorausgeht", so Simone Hartmann, Leiterin der TK Sachsen. 

Aktuelle Daten der TK zeigen, dass in sächsischen Krankenhäusern im deutschlandweiten Vergleich die meisten Babys auf natürlichem Weg geboren werden. "In unserer Klinik steht die natürliche und individuelle Geburt an erster Stelle. Dafür beraten wir unsere werdenden Mütter sehr umfangreich", hebt Heidrun Ballmann, Geschäftsführerin der Klinik Erlabrunn ihren Standpunkt hervor.

Regio­nale Unter­schiede bei Kaiser­schnitt

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Daten der Techniker Krankenkasse für das Jahr 2018 zeigen: Während der Anteil der Kaiserschnittentbindungen an allen Geburten - ob in oder außerhalb einer Klinik - im Saarland und in Rheinland-Pfalz 31 Prozent bzw. 30 Prozent beträgt, liegt der Anteil in Sachsen mit 20 Prozent deutlich darunter.

Qualitätsvereinbarung

Das Krankenhaus im Erzgebirge ist eine von acht Kliniken, welche mit der TK eine spezielle Qualitätsvereinbarung abgeschlossen hat. Darin verpflichtet sich das Haus, die Schwangeren ausführlich über die natürliche Entbindung aufzuklären. Im Jahr 2018 waren im Krankenhaus Erlabrunn neun Prozent der Geburten Kaiserschnitte. Regional differiert die Kaiserschnittrate in Deutschland stark. Laut der TK-Auswertung, die alle Geburten - auch Hausgeburten – berücksichtigt, beträgt der Anteil der Schnittentbindungen 2018 in Sachsen 20 Prozent. Der bundesweite Schnitt liegt bei 28 Prozent, im Saarland ist die Kaiserschnittrate mit 31 Prozent am höchsten.

Hinweis für die Redaktion

Für den  TK-Kindergesundheitsreport hat die TK die Abrechnungsdaten von 38.853 TK-versicherten Kindern, die im Jahr 2008 geboren wurden, ausgewertet. Die Analyse umfasste die ersten acht Lebensjahre der Kinder, also den Zeitraum von 2008 bis 2016. Untersucht wurden 461 Krankheitsgruppen mit insgesamt 16.200 Diagnosen. Bei 19 Krankheitsgruppen, die Kinder häufig betreffen, zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko nach Kaiserschnittgeburt. Allein sechs dieser Krankheitsgruppen betreffen Entwicklungs- und Verhaltensprobleme. Eine Frühgeburt wirkt sich noch stärker aus: Bei 22 Krankheitsgruppen zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko für früh geborene Kinder, verglichen mit reif geborenen Kindern.