Hannover, 16. April 2019. Der Krankenstand in Niedersachsen hat sich laut dem Gesundheitsreport 2019 der Techniker Krankenkasse (TK) von 4,37 auf 4,48 Prozent weiter erhöht. Die Erwerbspersonen in Niedersachsen fehlten somit im vergangenen Jahr durchschnittlich 16,3 Tage wegen Krankheit bei der Arbeit. Im Vergleich zu 2017 ist das ein Anstieg der Fehlzeiten um 2,5 Prozent (15,9 Tage).

Psychische Störungen

Psychische Störungen liegen weiterhin an zweiter Stelle der Krankschreibungen in Niedersachsen: Durchschnittlich 2,86 Fehltage pro erwerbstätigem Versicherten gingen auf deren Konto (2017: 2,83 Tage). Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen: "Erneut sind die Fehlzeiten wegen psychischer Krankheiten in Niedersachsen angestiegen. Das ist ein deutliches Signal, dass viele Menschen in ihrem Alltag hohen Anforderungen ausgesetzt sind. Diese sind natürlich nicht immer zu verhindern. Um aber besser mit ihnen umgehen zu können, braucht es individuelle Angebote. Auch digitale Versorgungsangebote bieten sich an."

Online Behandlung von Depressionen

Für Versicherte mit psychischen Problemen gibt es eine zusammen mit der Freien Universität (FU) Berlin entwickelte Online-Beratung zur Behandlung von Depressionen: "Der TK-DepressionsCoach verbindet die klassische Psychotherapie mit den Vorteilen neuer Medien und wurde für Erwachsene mit leichten bis mittelschweren Depressionen entwickelt. Es ermöglicht den Teilnehmern jederzeit und von zuhause aus etwas für ihre Gesundheit zu tun", erklärt Holldorf.

Sieben Module

In sieben Modulen informieren sich die Teilnehmer zu ihrem Krankheitsbild und lernen durch aufeinander aufbauende Übungen, besser damit umzugehen. Dabei werden sie von einem speziell geschulten Psychologen durchgehend begleitet. Ein Modul zur Rückfallprophylaxe hilft, die gewonnenen Erkenntnisse auch langfristig im Leben zu verankern. 

Wissenschaftliche Begleitung

Eine wissenschaftliche Begleitung der FU Berlin zeigt, dass das Programm wirksam ist. Laut Studie hat sich der Leidensdruck der Teilnehmer deutlich reduziert und zeigt vergleichbare Effekte wie die konventionelle Therapie. Die erzielten Fortschritte blieben auch drei, sechs und zwölf Monate nach dem Programm stabil.

"Für digitale Programme spricht, dass sie leicht zugänglich und zeit- sowie ortsunabhängig sind. Die Online-Therapie ist eine Alternative zu klassischen Therapieformen, insbesondere für Menschen, die eine herkömmliche Therapie nicht nutzen möchten oder können. Damit digitale Gesundheitsanwendungen in der Versorgung zugelassen und erstattet werden können, müssen sie jedoch gewisse Qualitätsstandards erfüllen. Die TK fordert dafür einheitliche Vorgaben von der Politik", betont Holldorf.

Hinweis an die Redaktion

Bei den Fehlzeiten handelt es sich um Vorab-Daten aus dem TK-Gesundheitsreport 2019. Für den Gesundheitsreport wertet die TK die Krankschreibungen der rund 455.000 bei der TK in Niedersachsen versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Für die Evaluation wurden 1.089 Teilnehmer des TK-Depressions-Coaches begleitet. Die wichtigsten Ergebnisse sind in einem 37-seitigen Abschlussbericht zusammengefasst. Den Bericht finden Sie im Artikel TK-DepressionsCoach.