Erfurt, 31. Januar 2022. Statistisch gesehen war jeder TK-versicherte Erwerbstätige in Thüringen im vergangenen Jahr 18 Tage krankgeschrieben (Bund: 14,5). Der Krankenstand betrug 4,93 Prozent. Damit lag er fast einen Prozentpunkt über dem bundesweiten Durchschnittskrankenstand der TK-versicherten (3,97 Prozent). 

"Den größten Unterschied sehen wir bei den Krankschreibungen aufgrund von Atemwegserkrankungen, zu denen auch Erkältungen zählen. Thüringer Versicherte waren deswegen statistisch gesehen 2,7 Tage arbeitsunfähig. Bundesweit waren es 1,6 Tage", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. 

"Es liegt nahe, dass hier ein Effekt besonders ins Gewicht fällt, den wir schon seit Jahren beobachten: In größeren Firmen und auch im öffentlichen Dienst sind tarifvertragliche Regelungen üblich, nach denen Beschäftigte auch ohne Krankenschein wenige Tage zu Hause bleiben können. Diese Tage, in denen man zum Beispiel einen leichten Schnupfen auskuriert oder gar nicht erst schlimmer werden lässt, tauchen in den Statistiken nicht auf. Hier erscheinen nur Krankschreibungen durch einen Arzt. Im durch kleinere und mittelständische Unternehmen geprägten Thüringen sind solche Regelungen nicht so weit verbreitet."

Die These wird dadurch unterstützt, dass die niedrigsten Krankenstände in Baden-Württemberg (3,21 Prozent) und Bayern (3,46 Prozent) zu verzeichnen sind. 

Psyche häufigste Krankheitsursache

Atemwegserkrankungen waren 2021 in Thüringen der dritthäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Die Krankschreibungen gingen um acht Prozent zurück. Bundeweit gab es ein Minus von mehr als 25 Prozent. Hauptgrund für die Rückgänge sind vermutlich die aktuellen physischen Kontaktbeschränkungen sowie Abstands- und Hygieneregeln. 

Thüringer TK-Versicherte waren am häufigsten, durchschnittlich 3,2 Tage im Jahr, wegen psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen krankgeschrieben. Muskel-Skelett-Erkrankungen, also Rückenschmerzen und Co., waren mit durchschnittlich 3,1 AU-Tagen der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit.

Hinweis für die Redaktion

Die Zahlen stammen aus den Vorabdaten des TK-Gesundheitsreports 2022. Grundlage dafür bilden die rund 5,5 Millionen bei der TK versicherten Erwerbstätigen, darunter rund 54.000 in Thüringen (Berufstätige und ALG 1-Empfängerinnen und Empfänger), Stand Januar 2022. Der Krankenstand ist eine betriebswirtschaftliche Größe. Darunter versteht man den prozentualen Anteil der Fehltage zur Sollarbeitszeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgrund einer Krankschreibung.