"Wir - meine Mitarbeiter im Team und ich - sind selbst direkt betroffen", begründet Bertolt Meyer seine Motivation für die Studie, welche die psychosozialen Auswirkungen des Lockdowns untersucht. Der Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz leitet ein Team von sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. "Unsere Arbeit lebt vom Miteinander. Von ‘jetzt auf gleich‘ mussten wir alle ins Home-Office. Das heißt nicht nur, dass wir dieses Gefühl des Zusammenarbeitens nicht mehr haben, sondern auch zuhause Arbeiten ist gerade auch bei Eltern kleinerer Kinder mit größeren Herausforderungen verbunden", beschreibt der 43-jährige seine Erfahrungen.

Bertolt Meyer

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz (Bild: Rouven Faust)

Menschen stehen unter Druck

Das Virus hat das berufliche Leben für Viele stark verändert. Auch das öffentliche, kulturelle und private Leben wird nicht mehr so sein wie vor dem Ausbruch von Covid-19. Die Schulen und Kindergärten waren geschlossen. Die Menschen stehen mit Kurzarbeit, drohendem Arbeitsplatzverlust oder sogar Existenzängsten unter Druck. Wie beeinflussen diese Veränderungen die Menschen emotional? Was sind die genauen Belastungsfaktoren? "Wir haben hier das Werkzeug und das Wissen, diese Einflüsse zu untersuchen. Unser ganzes Team war involviert. Diese Aufgabe und die Erarbeitung der Studie in der Krisenzeit hat uns als Team noch mehr zusammengeschweißt", so der Psychologe.

Belastungen durch Kontaktbeschränkungen

Die Studie startete im März und läuft noch bis Ende Juni. Bis jetzt haben bereits über 3000 Personen teilgenommen. Die Befragten werden - bei Einwilligung - nach mehreren Wochen erneut online befragt. "So erhalten wir einen guten Überblick über die Belastungen innerhalb der einzelnen Abschnitte der Kontaktbeschränkungen. Von der ersten großen Kontaktbeschränkung Anfang März bis hin zu den stufenweisen Lockerungsmaßnahmen", erklärt Meyer das Vorgehen. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig und anonym. Es werden keine Daten erfasst, die einen Rückschluss auf eine konkrete Organisation oder Person ermöglichen. Interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer können noch bis Ende Juni den Fragebogen ausfüllen. Meyer: "Ziel ist es, ein möglichst repräsentatives Bild der psychosozialen Auswirkungen auf die Menschen durch die Corona-Pandemie zu erhalten. Die Erkenntnisse können dabei helfen, die negativen psychosozialen Auswirkungen der Pandemie zu erkennen und mit konkreten Maßnahmen zu vermindern."

Wichtige Hinweise für Gesundheitsmanagement

Simone Hartmann, Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen, sagt: "Ergebnisse der Studie können uns wichtige Hinweise für Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements geben. Erst wenn wir mehr darüber wissen, wie die Menschen derartige Situationen empfinden, können wir geeignete Angebote für spezifische Belastungssituationen  entwickeln."

Studie psychosoziale Folgen der Corona-Pandemie der TU Chemnitz